Album
Es scheint fast so, als hätte der verheerende Busunfall den Blick für das wesentliche geschärft: Die personell runderneuerten Baroness destillieren auf dem gefühlten Comeback 'Purple' die Absichten des Vorgängers 'Yellow & Green', lassen sich dann aber von den gefürchteten Produzentenskills des Dave Fridman einen Gutteil der Butter vom Brot klauen.
Es stand zu befürchten: Das zwar belanglos aber durchaus nett in die Melancholie plätschernde 'Ghost Stories' war nur ein kurzes Zucken in eine willkommene Richtung, denn gerade die dort aus dem Rahmen fallende Avici-Produktion 'A Head Full of Stars' hat die Perspektiven für Chris Martin und Co. und ihr vielleicht letztes Studioalbum offenbar wieder gerade gerückt. Coldplay wollen als seelenlose Popband mit immanenter Chartabhängigkeit in Erinnerung behalten werden.
Unter dem Radar der allgemeinen Aufmerksamkeit abstinkend lässt es sich eigentlich auch ungehört ausrechnen, weswegen nicht einmal Hardcore-Fans auf dürftige Comeback 'Hard-Off' gewartet haben dürften: unfassbare 10 Jahre hat die Bloodhound Gang gebraucht, um 5 der seit 'Hefty Fine' erschienenen Interims-Singles mit ebenso vielen neuen Nummern zusammenzuschnüren.
Was auf den ersten Blick wie ein Vehikel wirkt, um seinen älteren Bruder Jack ins Rampenlicht zu hieven, entpuppt sich nach und nach als multimedialer Rundumschlag mit Formvollendungs-Charakter: Archy Marshall entfernt sich von seiner Rolle als Songwriter, um seine Meisterprüfung als Produzent abzulegen.
Dass Sex Jams nun bei This Charming Man Records veröffentlichen hat sich abgezeichnet und erscheint angesichts einer Platte wie 'Catch!' zwangsläufig wie der nächstlogische Karriereschritt: die Evolution der Wiener schreitet auf ihrem Drittwerk jedenfalls ohne absehbare Einschränkungen weiter.
Bruce Soord ist neben zahlreichen anderen Projekten vor allem der Kopf von The Pineapple Thief, aber The Pineapple Thief ist nicht nur Bruce Soord. Und dann eben wiederum auch ein bisschen genau umgekehrt. Macht das Sinn?
Emil Amos nutzt den Spielraum seines intimen Rückzugspunktes Holy Sons eloquenter und wohlklingender denn je aus: 'Fall of Man' vermisst, mit viel Melancholie und Zärtlichkeit die Vorliebe des Mannes aus Portland für Classic Rock und landet bisweilen sogar im zugänglichen Pop.
James Alex gibt nun auch auf Albumlänge den hedonistischen Peter Pan der Pennsylvania -Punkrockszene und dirigiert Beach Slang zu genau jenen 10 unscheinbar-sympathischen Ohrwürmern, die das EP-Konglomerat 'Broken Thrills' erst vor wenigen Monaten in Aussicht stellte.
Erfindet sich Claire Elise Boucher auf ihrem vierten Grimes-Album als perfektioniertes Wunderwesen der Pitchfork-Zielgruppen-Popmusik neu, oder wagt sie sich mit 'Art Angels' gar an den Beweis, dass zeitgenössischer, kommerziell orientierter Formatradio-Mainstream durchaus seinen eigenwilligen Charakter haben kann?
Eigentlich kaum zu glauben, aber: War das selbstbetitelte, 2013 unmittelbar auf die Siegertreppe unserer Jahrescharts vorpreschende Debütalbum der designierten Supergroup Vhöl womöglich nur eine erste Aufwärmrunde für John Cobbett (Hammers Of Misfortune), Aesop Dekker (Agalloch), Sigrid Sheie (Hammers Of Misfortune) und YOB-Mastermind Mike Scheidt? Zumindest legt die neuerliche Steigerung 'Deeper than Sky' dies vehement nahe.










