Holy Sons – Fall of Man

von am 29. November 2015 in Album

Holy Sons – Fall of Man

Emil Amos nutzt den Spielraum seines intimen Rückzugspunktes Holy Sons eloquenter und wohlklingender denn je aus: ‚Fall of Man‚ vermisst, mit viel Melancholie und Zärtlichkeit die Vorliebe des Mannes aus Portland für Classic Rock und landet bisweilen sogar im zugänglichen Pop.

Der mit OM, Grails und all seinen anderen Spielwiesen offenbar nicht ausgelastete und deswegen mit Holy Sons im Akkord veröffentlichende Amos ist von der LoFi-Homerecording-Avantgarde seiner frühen Werke mit ‚Fall of Man‚ jedenfalls weit entfernt: alleine ‚I Told You‚ unterfüttert ein klassisches Western-Cinemascope-Szenario seiner Stammband inklusive endlos dängelndem Solo mit Vintage-Orgel, flächigen Synthies, sich selbst umkreisenden Gesängen und einer latenten Unaufgeregtheit, bis sich der den Song weit hinaus beamt, als würden Black Mountain mit den Dire Straits jammen, oder Watter sich mit Midlika eine Pink Floyd-Session liefern.

Damit ist der Rahmen der Platte gesetzt. Welche Ingredienzen auf ‚Fall of Man‚ mit dem wattiertesten Weichzeichner behandelt wurde, lässt sich schwer ausdifferenzieren. Jeder Ton der Platte scheint sich jedenfalls in eine lauschige Dunkelheit zu schmiegen. Jeder Griff wird behutsam und elegant ausgeführt, mit einer steten Ruhe, die in sich geht und eine von Holy Sons noch nicht gekannte Zugänglichkeit und Selbstsicherheit hofiert. Obwohl hier vor allem die kleinen Gesten und unscheinbaren Momente den stillen Ton angeben, flüchtig bleiben, wie sie da als kaum zu verortendes Echo aus der Zeitlosigkeit wachsen. Das Schlagzeug läuft so in ‚Mercenary World‚ geduldig dahin, dahinter verschwimmen Gitarren zu einem Fluss, Amos singt so zärtlich an den Falsett gelehnt, als drohe alles auseinander zu fallen: „I can’t be wounded„.
Vielleicht, weil ‚Fall of Man‚ von Beginn an über den Dingen zu schweben scheint, sich wie ein zutiefst melancholisches, aber nicht unglückliches frühmorgendliches Aus-der-Bar-kommen anfühlt, und mit unterschwelliger Zuneigung klarstellt: In den richtigen Momenten kann diese Platte schlichtweg magisch zünden. Und eine tröstendere, anmutigere Platte hat Amos (wie immer nahezu im Alleingang) damit bisher wohl nicht aufgenommen.

Letztendlich sind es nur die kleinen, unbedingten emotionalen Knockout-Augenblicke, die ‚Fall of Man‚ auf die gesamte Spielzeit fehlen, um Holy Sons hier auf der erreichten neue Ebene über die Dinge zu heben, denn gelegentlich neigt Amos dazu sich in einer gewissen Unverbindlichkeit zu verlieren. Weswegen auch gerade der mit Unterstützung seiner Tourband eingespielte, mysteriös an 16 Horsepower erinnernde Schamanen-Jam ‚Aged Wine‚ erfrischend hervorsticht: mit Brian Markham am Bass und Adam Bulgasem an den Drums im Rücken hat Amos die Gelegenheit sich gehen zu lassen, einmal aus der Riege an wundervollen, im gleichförmigen Soundbild schon fast zu nahtlos vereinten Vielseitigkeit auszubrechen.
Was die restlichen Nummern an sich zwar keineswegs schwächer macht: ‚Being Possessed Is Easy‚ hat da etwa diese unterschwellig majestätische Ausstrahlung der Grails, treibt aber in unendlich behutsamer – die „Shalala„-Gesänge wären bei Amos‘ Stammband ohnedies ebenso nicht möglich wie das Prince-Fisteln auch nicht. ‚Out of Sight‚ hätte weniger reduziert aber pointierter auch im Nachlass von The Soundtrack of Our Lives gefunden werden können, während das praktisch nicht mit offenen Augen gespielt werden könnende ‚Discipline‚ sich an die Prä-Electro-Discographie von John Grant schmiegt. Das mystische ‚Disintegration Is Law‚ könnte sich Danger Mouse anhören, um zu verstehen, wie man eine Menge filigranen Souls in einen Song pumpt, ohne ihn deswegen zu offensichtlich klingen zu lassen, vor allem aber, wie man in erster Linie auf die erzeugte Atmosphäre vertraut. Gerade wenn ‚Trampled Down‚ als behaglich tröpfelnder Lounge-Song mit gedämpftem Kerzenlicht und offen verhallenden Instrumentarium ‚Fall of Man‚ aber so unfassbar betörend ausklingen lässt, hat man sich an die angenehme Gangart der Platte aber eben auch gewöhnt.
Nichtsdetotrotz ist ‚Fall of Man‚ ein immenser Schritt für den Songwriter und Klangästheten Amos – die Zukunft von Holy Sons sollte ab nun nämlich nicht mehr nur eingefleischte Langzeitfans des Amerikaners interessieren!

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