Reviews
'Nothing has changed' will als allumfassende Werkschau den Spagat zwischen reichhaltigem Schnupperprogramm für Bowie-Neulinge und vereinzeltes Schmankerlauftrumpfen für Langzeitfans wagen. Letztendlich spielt die bis zu 59 Songs starke Sammlung zwar vor allem erster Fraktion in die (Weihnachtsmarkt-)Karten und lässt Hardcore-Fanatiker mit der Nase rümpfen, präsentiert sich mit erschlagender Quantität darüber hinaus allerdings doch als durchaus rundes Gesamtpaket.
3 Jahre nach 'Nine Types of Light' kompensieren TV on the Radio den Tod von Multiinstrumentalist Gerard Smith mit einem Album voller vorsichtigem Optimismus und ihrem wahrscheinlich eingängigsten Werk bisher. Allerdings auch ihr paradoxestes: wo 'Seeds' eigentlich gar nicht so viel falsch macht, zieht der immanente Sicherheitsgedanken der Platte diese aber geradezu irritierend in die wohlige Langeweile.
Um vorherzusagen, dass die Zusammenarbeit von John Grant mit dem Philharmonischen Orchester der BBC von vornherein eine sich gegenseitig perfekt ergänzende Performance hervorbringen würde, dafür musste man kein Hellseher sein: die ehrwürdigen Songs des ehemaligen The Czars-Vorstande sind einfach für einen derartig edlen Rahmen geschaffen.
Theoretisch gibt es einige Kleinigkeiten, die am Lack von 'Selected Songs 1994-2014' kratzen sollten. Praktisch aber fallen sie alle diese kaum ins Gewicht, trumpft die zweite Werkschau der Belgier um Tom Barman doch mit einem äußerst stilsicherem Händchen hinsichtlich der ihrer Songauswahl auf.
Die Gruppe Messer interpretiert Auszüge aus Romy Schneiders Tagebüchern. Was nur zu schnell als verkopfte Kunst-Prätention hätte enden können, funktionierte im Sommer 2014 als Hörspiel der inneren Unruhe allerdings so intensiv wie aufwühlend. 'Ein Film war zuende, nur ein Film' entfaltet ein abgründiges Biopic vor dem inneren Auge.
'Pom Pom' setzt dazu an, die Spreu vom Fanweizen zu trennen. Wer dem Weirdo-Patchwork-Pop von Ariel Pink längst verfallen ist, den wird das offiziell erste Album ohne The Haunted Graffiti abermals in wohligen Schwindel versetzen. Sollte man bisher jedoch noch keinen Zugang zum Schaffen des Kaliforniers gefunden haben, kann man dementsprechende Versuche hiermit wohl endgültig getrost sein lassen.
"Die Formel 'Gitarre, Bass, Schalgzeug und Gesang' berührt mich persönlich momentan nicht" resümierte Mark Engles rund um die Veröffentlichung von 'Chuckles ans Mr. Squeezy' vor mittlerweile drei Jahren. Mittlerweile hat der Dredg-Gitarrist ganz offenbar genau darauf allerdings wieder Lust bekommen - wenn auch nicht mit Dredg. Gemeinsam mit Trophy Fire-Bassist/Sänger Ben Flanagan und Far-Drummer Chris Robyn taucht er stattdessen im Allstar-Gespann tief in den Alternative-Rock der 90er ein.
Die dritte Studioplatte von Sean Ragon's mittlerweile zur vollwertigen Band ausstaffierten Neofolk-Projekt beginnt vielleicht mit 'Todestrieb' - einem bedrückendem Instrumental zwischen spiritueller Tribalbeschwörung mit morbider Weltuntergangsstimmung und ambienten Stammestanz vor brennenden Mülltonnen -, verbringt seine 'Final Days' danach aber in geradezu beflügelter Lockerheit.
Einer der gängigsten Kritikpunkte an '9' war 2006, dass das Zweitwerk von Damien Rice zu deutlich in der Nähe des alles verschlingenden Gravitationsfeld von 'O' stattfand. 8 Jahre in weitestgehender Funkstille später setzt der irische Wundersongwriter nun vieles daran, diesen Teufelskreis von vornherein zu umgehen.
Ein Sinnbild, wie die Musik von Dean Blunt funktioniert: sein zweites Soloalbum heißt 'Black Metal' und klingt genausowenig nach Blastbeats und Co., wie Songtitel ala 'Country', '50 Cent' oder 'Punk' Rückschklüsse auf ihre Gangart zulassen. Und vor allem: so konkret wie das bedingungslos konsequent eingefärbte Albumcover suggeriert ist hier ohnedies nichts.










