David Bowie – Nothing has Changed

von am 25. Dezember 2014 in Best of

David Bowie – Nothing has Changed

Nothing has changed‚ will als allumfassende Werkschau den Spagat zwischen reichhaltigem Schnupperprogramm für Bowie-Neulinge und vereinzeltes Schmankerlauftrumpfen für Langzeitfans wagen. Letztendlich spielt die bis zu 59 Songs starke Sammlung zwar vor allem erster Fraktion in die (Weihnachtsmarkt-)Karten und lässt Hardcore-Fanatiker mit der Nase rümpfen, präsentiert sich mit erschlagender Quantität darüber hinaus allerdings doch  als durchaus rundes Gesamtpaket.

Das wichtigste vorweg: ‚Sue (or In A Season Of Crime)‚, der einzig tatsächlich neue Song dieser Compilation ist Bowie schlichtweg großartig gelungen und im Grunde sogar besser als alles, was der Meister auf dem souveränen Metawerk ‚The Next Day‚ auftischte.
Eben, weil hier absolut nichts nach Routine schreit, sondern Bowie mit einem für derartige Veröffentlichungen untypischen Zugpferd aufwartet, sich inmitten wahnsinniger Bläser, hetzendem Besenschlagzeug und theatralischer Geste einem hungrigen, fiebrigen Freejazz-Seiltanz hingibt, der neben Vorläufern wie ‚A Small Plot of Land‚ oder ‚Bring Me the Disco King‚ einmal mehr zeigt, wie ausgezeichnet ihm diese Ausrichtung – heißt vor allem im konkreten Fall auch absolut: die immanente, tiefe Verneigung vor den Avantgarde-Verrücktheit von Scott Walker! – steht. Noch besser: ‚Sue (or In A Season Of Crime)‚ erscheint gemeinsam mit ‚‚Tis A Pity She Was A Whore‚ auch separat als Single . Nur für diese knapp 8 Minuten muss sich kein Hardcorefan genötigt fühlen das „erste alle Schaffensperioden umfassendes Best of“ (stimmt alleine deswegen nicht ganz, weil etwa Tin Machine und einige frühe Veröffentlichungen ausgeklammert wurde) anzuschaffen.

Wie ‚Nothing Has Changed‚ wohl in erster Linie ohnedies unter den Christbäumen von Menschen ohne reichhaltigen Bowie-Backkatalog im Plattenschrank liegen wird. Dabei hat man sich auf den ersten Blick durchaus bemüht die Compilation auch für Besitzer der 26 Studioalben des Briten interessant zu gestalten. Immer wieder tauchen Neubearbeitungen bekannter Songs auf; da gibt es etwa von ‚Love is Lost‚ den gelungenen „Hello Steve Reich Mix by James Murphy for the DFA Edit“ oder den perspektivenerweiternden „MM Remix“ von “Time Will Crawl‚ und den Lupe benutzenden „2003 Ken Scott Mix“ von ‚Life On Mars?‚. Nicht immer ist das eine gute Entscheidung, gleichermaßen wie viele der benutzten Single- und Radio-Edits keineswegs des Vorzug gegenüber den originalen Albumversionen bekommen hätten sollen: ein zweischneidiges Schwert. Weitaus weniger zwiespältig gestaltet sich da schon die Hinzunahme einiger außerhalb Bowies eigener Discographie veröffentlichter Duette: das unsterbliche ‚Under Pressure‚ mit Queen, ‚Dancing In The Street‚ mit Mick Jagger. Der Mott the Hoople-Evergreen ‚All the Young Dudes‚ hingegen erscheint nicht im Ian Hunter-Doppel, sondern „nur“ in der David Bowie Soloversion. Passt in diesem Kontext natürlich so. Weil ‚Nothing Has Changed‚ auf den zweiten Blick auch vor allem als oberflächlich weitreichende Compilation funktioniert, all die Remixe und Edits in erster Linie das Käuferschichtenpotential maximieren sollen und ungeachtet all der angepriesenen Schmankerl des Presse-Waschzettels natürlich kein tieferschürfendes Raritätensuchen stattgefunden hat, das dem Langzeitfan tatsächlich das Wasser im Mund zusammenlaufen ließe.

Was bleibt ist eine ausführliche Kennenlernplatte voller großer Songs, die sich strickt rückwärtschronologisch (also beginnend bei ‚Sue (or In A Season Of Crime)‚ und dem letztjährigen Comebackalbum ‚The Next Day‚ bis hin zu ‚Lizza Jane‚ von Davie Jones with the King Bees) ausnahmslos entlang der Single-Veröffentlichungen des 67 jährigen entlanghandelt (aber selbst von diesen bei weitem nicht alle berücksichtigt!)  und es damit natürlich nicht jedem Recht machen will, auch, weil selbst drei CDs nicht alle essentiellen Veröffentlichungen des Briten einfangen können. Genau genommen funktioniert ‚Nothing has Changed‚ damit weder als Best of noch als Greatest Hits, aber eben durchaus als reichhaltige Werkschau, die einen gelungenen Einblick in den wandlungsfähigen (am Stück gehört aber auch erstaunlich kohärent geführten, immer schlüssig wachsenden) Kosmos des großen Chamäleons und Musikgenies bietet – unter Nichtbeachtung so vieler weiterer Hits, Klassiker und persönlicher Lieblingssongs aber auch keinen Weg an den regulären (zumindest des besten) Alben Bowies vorbeiführen lässt.

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