Ariel Pink – Pom Pom

von am 30. November 2014 in Album

Ariel Pink – Pom Pom

Pom Pom‚ setzt dazu an, die Spreu vom Fanweizen zu trennen. Wer dem Weirdo-Patchwork-Pop von Ariel Pink längst verfallen ist, den wird das offiziell erste Album ohne The Haunted Graffiti abermals in wohligen Schwindel versetzen. Sollte man bisher jedoch noch keinen Zugang zum Schaffen des Kaliforniers gefunden haben, kann man dementsprechende Versuche hiermit wohl endgültig getrost sein lassen.

Im Grunde sollte es genügen ‚Exile On Frog Street‚ zu konsumieren, um festzustellen, ob man tatsächlich zum Zielpublikum der Platte und der Kunstfigur Pink gehört: lässt man sich anhand der skurrilen Karambolage aus Disney Streichern, Froschgequake und hyperventilierenden Freak-Pop bespaßen – oder malträtiert die wild verschweißte Baustellenkunst vor allem den Geduldsfaden?
Selbst wenn die Auffassung zwischen den Polen verweilt sind die Fronten zerfasert wie immer: auch ‚Pom Pom‚ ist vor allem ein heilloses Durcheinander von einer Platte, ein hemmungslos konfuses Spektakel und kunterbuntes Stückwerk. Mit ‚Plastic Raincoats In The Pig Parade‚ eröffnet da einer der beiden von Kim Fowley für Pink geschriebenen Songs; ein zerschossener Zwitter aus Kinks-Anleihen und Zuckerwatten-Kinderlied, der über Pferdegewieher und Yeah-Yeah-Rufe ebensowenig aus dem bisherigen Schaffen des 26 jährigen tänzelt wie ‚Jell-O‚ (die zweite Fowley-Nummer) oder die dazwischen liegende Jahrmarkt-Schlacht – weil ohnedies wieder alles Schlag auf Schlag zu gehen hat.

Gleich mit ‚White Freckles‚ gibt es den typisch wirr umherschaltenden 80er-Synthiepop-Springteufel, den John Maus längst weitaus stärker hinbekommt, ‚Four Shadows‚  versucht sich als Gaga-Version von David Bowie und ‚Lipstick‚ sucht schwülstige Romantik in den Anden. Das tolle ‚Not Enough Violence‚ vertändelt seine bärenstarke Melodie etwas zu sorglos in einem sinnlosen Effekte-Dschungel und ist wie alles hier hinsichtlich der Spielzeit viel zu üppig bemessen ausgefallen, ‚Put Your Number In My Phone‚ plätschert auf dem Weg zur gefühlvollen Ballade unbefriedigend dahin und macht seine Sache damit nicht so gut wie ‚Picture Me Gone‚. ‚Goth Bomb‚ flirtet dann mit Hardrock-Anleihen und Gniddelsolo, ‚Dinosaur Carebears‚ lässt russische Folklore von einer Horde Gremlins durch die Artpopmangel drehen, während ‚Negativ Ed‚ als überdrehter Vorspann einer Sitcom über einen Computer mit bösen Superkräften durchgehen würde. Das funky Sexgeprotze ‚Sexual Athletics‚ lässt zumindest schmunzeln.
Dass der nervige Surfer ‚Nude Beach A G-Go‚ gemeinsam mit Azealia Banks entstanden ist, müsste man hingegen nicht erraten können: dass deren belanglos glitzernde Popversion dennoch deutlich besser, weil effektiver, daherkommt spricht dann allerdings Bände.

Ist doch alles hier Ariel Pink-Business as usual – und dennoch zwiespältiger als sonst: dermaßen mutwillig unfokussiert und resourcenverschleudernd waren weder das gehypte ‚Before Today,‘ noch das enttäuschende ‚Mature Themes‚. Dass ‚Pom Pom‚ in einer anstrengenden Drastik abermals lieber den versponnenen ADHS-Springbock gibt und jedwedes Potential lieber zehnmal gegen die Wand wirft um Purzelbäume in möglichst komplizierter Abgedrehtheit drumherum zu schlagen, als auch nur einmal Gefahr zu laufen, tatsächlich umgänglich zu werden – das ist dann natürlich Teil des etablierten Styles von Pink, frustriert diesmal in seiner sich selbst torpedierenden Kompromisslosigkeit noch ärgerlicher. Wie erfrischend wäre es einmal, wenn Pink Ansätze zu Ende denken würde, seinen Ideen Raum zugestehen würde – in ganz anderen Unlaufbahnen hat Toby Driver unlängst bspw. durchaus gezeigt, welchen Befreiungsschlag dies für das Songwriting bedeuten kann. Stattdessen wirkt nichts hier unkaschiert, geschweige denn emotional berührend: alles muss durch den Filter der Kunstfertigkeit gedreht werden, wirkt damit unnatürlich aufgeblasen und verrenkt verkopft, gar zu bemüht verschroben und in seinen schwächsten Momenten relativ herablassend hochnäsig auf die Simplizität guter Popsongs spottend.

Vielleicht ist letztendlich zwar nicht alles so dramatisch, wie eingangs angenommen: man kann die experimentellen Avantgarde-Melodien von ‚Pom Pom‚ konsumieren, sich an deren Qualitäten erfreuen und an seiner Attitüde stören; darüber staunen, wie schnell sich Pinks Ideenkarussell dreht und sich im selben Moment darüber ärgern, dass er sich nicht für 3 Minuten auf ein stringenten Gedankengang konzentrieren will. Potentiell hätte ‚Pom Pom‚ inmitten seiner ungenutzten Möglichkeiten vielleicht sogar das bisher beste Studioalbum Pinks werden können; letztendlich ist es nur ein weiteres in seiner frequenzstraken Veröfentlichungsreihe.

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