Dälek – Live From Deadverse Studios in Exile: Meditations No. 1

von am 10. Juni 2020 in Album, Livealbum, Sonstiges, Soundtrack

Dälek – Live From Deadverse Studios in Exile: Meditations No. 1

Will Brooks führt als Dälek mit einer „low key“-Improv-Session halluzinogen als DJ durch die Nacht und findet dabei eventuell Grundzüge für den Nachfolger von Endangered Philosophies von 2017 – das ist Live From Deadverse Studios in Exile: Meditations No. 1.

Dass das 28. April 2020 eingespielte Instrumental-Set eine formlos treibende Seance ist, die wohl primär für den Enwicklungsprozess kommender regulärer Alben dient, und deren rein digitale, Bandcamp-exklusive Veröffentlichung deswegen den Chronisten unter den Dälek-Fans gewidmet ist, daran besteht zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel.
Schon der Opener Meditation Part 1 folgt über strukturoffene 15 Minuten schließlich einer sphärisches Ambient-Klanginstallation, somnabul und entschleunigt, als Trance-Score. Samples geistern konturlos in halluzinierender Bewegung umher, brauchen lange keinen Beat, forschen versöhnlich und geschmeidig. Zwar ist das unverkennbar der Sound von Dälek, aber eben nicht von der radikalen, Noise-affinen Seite des Industrial-Spektrums betrachtet, sondern von der beinahe esoterischen, friedlichen. Dabei schafft Brooks es nicht in den harmlosen Autopilot zu schalten, sondern die Ideen interessant zu variieren und zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund verleiht Dälek jeder Nummer im homogenen Ganzen einen eigenen Charakter, egal ob diese nun nur als kurze Skizze oder ausführliche Deklination auftritt.
Meditations Part 2 wird etwa düsterer und klaustrophobischer gefärbt, Subterranean Voices benutzt urbane Stimmen/Field Recordings und rückwärts geloopt-scheppernde Drums, was nahtlos in We Will Always Hold Here übergeht und erst anmutet, als würde der Last Lizard durch Twin Peaks flanieren, bevor der Leviathan als Drone letztendlich gar polternd zu seinen Ursprüngen findet, diese aber um das Melodieverständnis von The Body erweitert.
Erst das 70 Sekunden kurze Keep Watching kommt den regulären Studioplatten von Dälek erst wirklich nahe, indem hier die monströse Dissonanz zumindest als Ahnung lauert. Faust’s Piano schnipselt einen Vocal-Zischlaut zur Textur-Klaviatur (viele Stücke hier sind durchaus tatsachenbeschreibend betitelt) und Heed liebäugelt mit dem Trip Hop, bevor das schwere Deft im Hypno-Modus diffus doom/jazzig schimmert.
Und sicher hat Dälek abseits des Alleingangs Ähnliches schon mit mehr kreativem Reibungspotential abgeliefert, auch fehlen seine dystopischen Raps zur erschöpfenden abstrakten Intensität. Dennoch begleitet die regelrecht versöhnliche Ausstrahlung dieser nächtlichen Tour bis zum kommenden Studioalbum überraschend einnehmend.

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