Dave Grohl – Play

von am 10. September 2018 in EP

Dave Grohl – Play

Play mag konzeptionell spannend und im Entstehungsprozess herausfordernd für Grohl selbst gewesen sein – inhaltlich mäandert sein überlanger Songleviathan jedoch mit Netz und doppeltem Boden um eine standardisierte Klasse. Zudem verdeutlichen diese nominelle EP auch explizit, woran die jüngeren Diskografie des 49 Jährigen krankt.

Rund um eine Dokumentation über die Muße des Musikmachens hat Grohl Play – nach dem 1997er Soundtrack Touch erst seine zweite offizielle Soloveröffentlichung –  im Alleingang geschrieben und es sich zudem zur Vorgabe gesetzt, jedes der auftauchenden sieben Instrumente auch selber einzuspielen, dabei allerdings ausnahmslos One-Takes zu verwenden.
Manchmal war ich zwanzig Minuten in einem Take, bevor ich aufgehört habe, weil ich wusste, das kann ich besser“. Eine Anekdote, die einerseits den zugrunde liegenden Perfektionismus von Grohl zusammenfasst, allerdings auch symptomatisch für den vollkommenen Mangel an spontaner Impulsivität und überraschenden Chuzpe der Platte verstanden werden kann.
Am Ende von Play steht jedenfalls ein 23 minütiges Instrumental, das zwar mit seiner Verkettung möglichst breit aufgestellter Passagen keinen Hehl aus seiner Zuneigung für Progbands (primär: Rush!) macht, letztendlich aber eben auch nicht mehr ist, als überlanges Konstrukt aus aneinandergereihten Fragmenten im absolut typischen Foo Fighters-Fließband, Komfortzone pur. Was natürlich per se einen gewissen qualitativen Level garantiert.

Vor allem wird allerdings einmal mehr eklatant offensichtlich, dass Grohl als Songwriter (und hier auch: alleinunterhaltender Performer) mittlerweile eine zu routinierte Alternative Rock-Gefälligkeit verinnerlicht hat, die er ansatzlos aus dem Handgelenk schüttelt, hierbei aber eben auch auf tatsächlich nachhaltigen Melodien und Hooks mit Kante verzichten muss: Praktisch keine Gitarrenlinie auf Play zeigt markante Dominanz, kein Riff werkelt außerhalb des souveränen Wohlfühl-Kompetenzbereichs, keine Leadgitarre reißt das Zepter energisch an sich, kein Element bleibt wirklich zwingend hängen. Ein professionelles Malen nach Zahlen, ohne markant herausragende Höhe- oder Tiefpunkte.
Es ist vielversprechend zu hören, wenn sich Grohl sich mal relaxt in seinen Signature Sound zurücklehnt, nur um dann wieder mühelos den Schalter umzulegen und aufs Gaspedal zu drücken; mit welcher Versiertheit er zwischen den Stimmungen wechselt ist absolut gekonnt, ruft bekannte Seiten aus dem Effeff ab. Ein frustrierend unbefriedigender Aspekt definiert das Instrumental allerdings dennoch im homogenen, aber auch konstruiert wirkenden Fluss permanent. Womit gar nicht das Fehlen von Vocals gemeint ist.

Play rockt so straight los, baut Spannungen auf, kippt plötzlich in einen atmosphärisch nachdenklichen Part, der nach und nach wieder an Tempo annimmt, sich breitbeinig in Pose wirft, jedoch schon bei seinem ersten angesteuerten dramatischen Climax um die 5 Minuten Grenze zu unverbindlich bleibt. Statt rauschhaft zu packen, bleibt das Gefühl, dass den einzelnen Movements stets ein letztes Quäntchen an Intensität und dem nötigen Geistesblitz fehlt, um aus der Verkettung guter, vielversprechender Trackskizzen einen wirklich gelungenen Song zu machen. Play bleibt eine Abfolge von Ideen, die ohne bedingungslose Synergie auf kein gemeinsames Ziel hinarbeiten; eine Kette aus ausnahmslos den Techniker Grohl selbst herausfordernderen Einzelmomenten.
Wenn sich der Song nach etwa zehn Minuten beispielsweise in eine Kakophonie legt, hat das nicht den Bruchteil einer hemmungslosen Katharsis, sondern wirkt eher wie das pflichtbewusste Abhaken einer progressiv sein wollenden To Do-List. Einer, die vielversprechend zu grandiosen Szenen wie dem Pink Floyd‘esken Delirium um Minute 13 führen kann, abseits davon allerdings nur zu schnell wieder weitestgehend unentschlossen entlang der Klasse von Grohl mäandert und ab Minute 15 lieber stereotype Riffings aus der Mottenkiste bedient, anstatt sich selbst über die Klippe zu kicken, um danach wieder bei einem durchaus gut abgehenden Abfahrt zu landen, die Play in Sachen Effektivität gerade im letzten Drittel gekonnt nach Hause bringt.
Es mangelt Play deswegen selbst in seinen besten Momenten an kreativen Reibungspunkten, am kreativen Dialog, der Grohls Hunger nicht in eine streckenweise geradezu teilnahmslos zu konsumierende, auch mutlos gestrickte Austauschbarkeit aus dem Foo Fighters-Einmaleins übersetzt und einer überdurschnittlich soliden Grundlage helfen würde, seine PS tatsächlich auf den Boden zu bringen.
Es ist insofern auch symptomatisch, dass Grohl sein eigenes Spektrum ohne sich selbst aufgezwungenen Meta-Aufhänger zu langweilen scheint – der geneigte Anhänger trotz unkaputtbarer Fanbrille aber selbst mit diesen konzeptionellen Überbauten mittlerweile primär langweilen muss.

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