Deftones, Show Me the Body [16.08.2026: Metastadt Open Air, Wien]
Dieser Band könnte trotz eines ambivalenten Auftritts in Wien eine große Zukunft blühen: Die TikTok-Sensation namens Deftones scheitert mit viel Routine weder an einem mediokren Auftrittsort, noch an ihren Fans.
Wäre nach dem Öffi-Weg zur ausverkauften Metastadt noch nicht klar, dass sich die Anhängerschaft der niemals erfolgreicher als jetzt gewesenen Band aus Sacramento in den vergangenen Jahren gewandelt hat, würde spätestens das (von ein paar dezenten Regenschauern begleitete) Warten in der langen Schlange vor dem Eingang die Perspektiven gerade rücken: Eine neue Generation hat die praktisch unfehlbaren Deftones längst für sich entdeckt – und will diesen Umstand zum Auftakt einer kurzen zweiten Europa-Tour im Jahr 2026 mit dem Mut zum plakativen Style in unzähligen Smartphone-Videos festhalten.
![Deftones, Show Me the Body [16.08.2026: Metastadt Open Air, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1151-scaled-e1787067080466.jpeg?resize=600%2C450&ssl=1)
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Um das dezent verbitterte Resümee des Abends also gleich eingangs anzugehen: Die Deftones selbst präsentieren sich in hochprofessioneller Form (auch wenn ein gut aufgelegter, wenngleich nicht jeden Ton treffender und dennoch so markant fit über die Bühne turnende Chino Moreno das Entertainment-Programm neben seinen fünf zweckdienlich auftretenden Band/Tourmusiker-Kollegen quasi alleine stemmt), spielen enorm kompakt und zwingend. Dass da anderswo die Rede vom Feeling einer Club-Show ist, ist gar nicht mal so falsch.
Stichwort Location: Die niemals zu dick auftragende Lichtshow ist gerade beim von Konstantīns Raudive eingeleiteten Change (In the House of Flies) und Cherry Waves sensationell gut, während der Sound entlang einer ebenso überraschenden Setlist (Korea und Xerxes geben ein Comeback neben Around the Fur, Risk und Mascara!) wie grundlegend bockstarken Songauswahl sehr okay für die Metastadt (quasi eine seelenlose Arena mit nervigem Kieselboden, die organisatorisch betrachtet nach Konzertende vielen Besuchern Kopfzerbrechen bereiten soll) überzeugt.
Obwohl man natürlich zwangsläufig so viele Lieblings-Nummern vermisst, fesseln die Deftones inszenatorisch also von der ersten Sekunde an.
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Doch das unbedingt textsichere und euphorische Publikum an diesem Abend ist grenzwertig.
Während bei etwas mehr Abstand zur Bühne praktisch weitestgehend katatonischer Stillstand herrscht und alte Typen hier und da einfach besoffen vor sich hergröhlen, sind die sich davor auftuenden Pits bestenfalls holprige (wohl auch schlichtweg „unerfahrene„) Angelegenheiten, die die ersten Reihen (von denen man sich wieder anderswo ein adäquates Bild machen kann) mit wogenden Bewegungen in einer brütenden Sardinen-Box dabei stören, jede einzelne verdammte Sekunde des exakt eineinhalb Stündchen Konzerts filmen zu müssen.
Ernsthaft: Man hat schon überkandidelte Stadion-Konzerten durch eine weniger konstante Dichte an Smartphones betrachten können. Wirklich jeder Crowdsurfer hat sein Handy ausgepackt, manch einer sogar eine waschechte Filmkamera in der Hand. Einzelne Songs werden hier und da sowieso vollständig verwackelt gefilmt – die nächste Nummer verpasst man dann aber zwangsläufig, weil man die Mitschnitte ja direkt auf Facebook, Snapchat, TikTok oder sonstwo hochladen muss. Eine befremdliche Mode.
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Aber genug gejammert. Denn in erster Linie scheitert der Abend höchstens an den eigenen hohen Erwartungen (und dem viel zu abrupten Ende) – und liefert auch dann immer noch überdurchschnittliche Konzert-Erinnerungen.
Beispielsweise an keineswegs günstige, aber gar nicht so unhübsch designte Merch-Artikel. Oder Show Me the Body, die ihren Job als Support-Band verdammt solide erledigen (auch wenn der Sound mit einem das Banjo komplett erstickenden Bass fatal ist; der Funke des heavy groovenden Metal-Noiserock zum Publikum weitestgehend nur bei der obligatorischen „Free Palastine“-Ansage überspringt; und der seine Tschick ins Publikum schnepfende Julian Cashwan Pratt und seine Mannen so überzeugt mit Gangster-Mentalität schon fast klischeehaft tough agieren, aber dennoch Bewegung in Zuschauer-Raum provozieren können).
Die Umbauphase zwischen den Sets ist dann absurd, indem die Spannung erst mit stimmungsvoller Musik abgezogen wird und man die Menge dann eine Viertelstunde lang nach knarzenden Problemen einfach in antiklimatischer Stille warten lässt.

Vor allem aber reihen die Deftones Highlight an Highlight. Der aktuell typische Einstieg mit Be Quiet And Drive (Far Away) hat einen sofort ab der Angel, Feiticeira und My Mind is a Mountain sind ein hervorragendes Duo.
Rosemary wird ebenso wie Entombed episch in die Atmosphäre ausgewalzt und Rocket Skates hat in den harten Passagen fast die nötige aggressive Schnittigkeit. Change (In the House of Flies) gerät unter einer brennenden Dune-Sonnenfinsternis ein bisschen ikonisch und Milk of the Madonna beweist sich auch live als ein Instant-Klassiker, bevor (das nur durch eine kurze Pause vom regelten Set getrennte) Cherry Waves und My Own Summer (Shove it) als bittersüßes Doppel mit Zuckerbrot und Peitsche hinten raus nochmal die idealen Fan-Pleaser machen.
Dass nach 7 Words dennoch niemand gehen will, ist entweder symptomatisch, weil am Ende der Show noch das gewisse Etwas zu fehlen scheint – der kleine Funke Magie, den man sich erhofft hat. Oder aber, weil man dieser Band (ganz egal unter welchen Umständen) auch gerne ewig weiter zuhören würde.
Setlist:
Be Quiet and Drive (Far Away)
Swerve City
Feiticeira
My Mind is a Mountain
Around the Fur
Mascara
Tempest
Locked Club
Rosemary
Rocket Skates
Risk
Sextape
Infinite Source
Entombed
Xerces
Korea
Change (In the House of Flies)
Milk of the MadonnaEncore:
Cherry Waves
My Own Summer (Shove It)
7 Words
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