Drake – Views

von am 24. Mai 2016 in Album

Drake – Views

Nach drei gefeierten Alben sowie einer Handvoll Mixtapes und Kollaborationen folgt am Höhepunkt der Charttauglichkeit der unerwartete Backlash im unaufhaltbar scheinenden Hype-Siegeszug des Aubrey Graham: Drake verhebt sich auf Views gravierend beim Versuch sein ultimatives Opus Magnum zu schaffen und liefert stattdessen eine geballte Ladung stilvoll produzierter Langeweile.

Ein bisschen darf man sich da wohl durchaus an Kanyes jüngste Baustelle The Life of Pablo erinnert fühlen: Unmittelbar vor Veröffentlichung seines vierten regulären Studioalbums strich Drake noch die omnipräsent hochgejazzte Zahl 6 aus dem Titel und kürzte Views from the 6 zu einem simplen Views, während nicht alle der seit 2014 eingeschobenen Singles Platz in der Trackliste fanden.
An der grundsätzlichen Perspektive des emotionalen 29 Jährigen hat sich damit freilich nichts geändert, wo auch sonstige Straffungen ausbleiben, die Views hinsichtlich seiner kenternden  Balance von Quantität und Qualität gut gebrauchen hätte können. Dabei zeichnete es sich doch bereits ungehört ab: Erschöpfenden 81 Minuten Spielzeit über 20 Songs tun selten gut. Und auch Drake scheitert auf der vorläufigen Spitze des Erfolgs an einem unkanalisierten Übermut. Wie latent das anvisierte Mammutwerk Views jedoch an eklatanten Ermüdungserscheinungen im eklektischen Einerlei der sich selbst zitierenden Nabelschau enttäuscht und entlang der immer gleichen Formelhaftigkeit zwischen Baukastenbeats mit dezenten Synthieanstrichen und Drakes soulig den Vocoder suchenden, textlich so fragwürdig wie noch nie unzählige Frauenprobleme beklagenden Rap/R&B-Gesang langweilt, ist dann doch ernüchternd.

Nicht selten klingt Drake auf Views nach dem Marathonprogramm der letzten Jahre müde, beiläufig, selbstgefällig und satt, schafft es nicht in sein Standardprogramm genug frische Ideen oder zumindest erinnerungswürdige Momente zu pumpen, um sein Viertwerk über den Status Quo einer soliden Routinearbeite zu heben. Selbst die vorhersehbaren Gastfeatures können in dieser komatösen Umgebung keine wirklichen Impulse setzen – in Grammys führt Future den wie einen Schatten seiner selbst wirkenden Drake etwa in einer Songbagatelle vor, der auf der gemeinsamen Kooperation What a Time to be Alive von vornherein kein Licht gesehen hätte, wohingegen Pop Style den Besuch von The Throne aka Jay-Z und Kanye kurzerhand ausspart. Als wäre Views nicht schon so monoton bis zum reinen Egoismus.
So kommt die Platte selten zum Punkt, verzettelt sich im Selbstbewusstsein überraschungsarmer Stangenware. Das macht Views paradoxerweise zwar keineswegs zu einem tatsächlich ausnamslos schlechten Album, aber zu einem in Relation bockschwachen, in dessen dümpelnden Gesamtfluss nach der durchaus überzeugenden Eingangsphase nur wenig hängen bleibt. Die mit Streichern untermalte Bond-Dramatik im Opener Keep the Family Close beispielsweise, oder der angenehm entspannte Flow von U With Me? samt seinem DMX-Sample. Das geschmeidige Feel No Ways hantiert dann mit einem geschmeidigen Lounge-Synthypop-Flair, Still Here groovt stotternd zum Hit mit Handbremse – freilich nicht so demonstrativ wie die am Dancehall orientierten One Dance oder Too Good mit Rihanna und eben der Smasher Hotline Bling. Bezeichnend jedoch, dass ausgerechnet das retrolastig-soulige Summers Over Interlude mit seiner organischen Wärme  dennoch den nachhaltigsten Eindruck abseits der Oberflächlichkeit hinterlässt.
Dennoch fallen selbst diese Höhepunkte in der enervierenden Masse aus Füllmaterial in eine belanglos plätschernde Gangart, die das vorhandene Potential bis zur Erschöpfung als Hintergrundbeschallung verwässert – nicht ohne bequem faulenzenden Reiz, der eine unbedingte Frustration über Views irgendwo unmöglich macht. Denn atmosphärisch dicht gelingen Drake selbst so dröge Ausschussnummern wie das ziellos nach Beschäftigungstherapie klingende Redemption. Am Ende bleibt dennoch die Frage, was hier mit einem frischeren, schärfer fokussierten Songwriting und einem um mindestens die Hälfte an gekürzten Material alles möglich gewesen wäre. Und natürlich die Überlegung, ob eine Update-Verhalten ala The Life of Pablo nicht ein Segen für Views wäre.

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