Emma Goldman, Absent From The Morning Headcount, Eccco [01.07.2026: Sub, Graz]
Absent From The Morning Headcount alleine sind schon Grund genug an einem ungemütlich stürmischen Juni-Abend ins Sub zu pilgern. Der Rahmen mit Eccco und den kanadischen Headlinern Emma Goldman drumherum macht die Sache aber natürlich noch besser.
Eccco – nein, nicht die Ecco! – sind die beiden Wahl-Wiener Fabio und Simon, die auf den letzten Drücker 2025 ihre Debüt EP veröffentlicht haben und an dieser Midweek Screamo Show in Graz ihr erst zweites Konzert überhaupt spielen.
Dass wohl auch deswegen nicht jeder Moment nahtlos abgestimmt ist (was etwa die Frage angeht, welcher Song als nächstes auf dem Programm steht), ist absolut kein Problem – so wie das pragmatisch auf (ein herrlich energiegeladen wirbelndes) Schlagzeug und Gesang destillierte Duo seine Songs über Blastbeats rattern lässt, Metalcore-Ahnungen neben Noiserock-Köder einstreut, und über die Grind-Manier bis hin zu Klargesang-Abgängen die Vermutung nahelegt, dass man Spiderland in der Plattensammlung hat, macht inmitten der rauen Kanten mit einer erfreulichen Variabilität einfach ziemlich viel Bock.
Selbst der ärgerliche Umstand, dass die Vocals im Soundmix während des rund 20 minütigen Sets kaum zu hören sind, trübt den absolut positiven Eindruck, den das sympathische Gespann hinterlässt, praktisch nicht: Eccco sollte man unbedingt auf dem Radar behalten!

Den Status der vielversprechenden Newcomer haben Absent From The Morning Headcount (als subjektive Hauptattraktion des Abends) praktisch aus dem Stand heraus, spätestens aber mit ihrem 2025 die Emoviolence-Herzen im Sturm nehmenden Erstlingswerk Compos Mentis hinter sich gelassen: Intensiver beherrschen derzeit nur wenige den vom Hardcore latent punkig in die Mangel genommen Screamo – egal ob hierzulande oder auf internationaler Ebene.
Seit dem letzten Gastspiel -oder angesichts der mutmaßlichen Freundschaftsbande im Publikum, mit dem dann und wann auch das Mikro geteilt wird wohl eher: Heimspiels! – des Quartetts aus der Landeshauptstadt hat sich trotz augenscheinlicher personeller Wechsel am Bass kaum etwas geändert. (Leider übrigens auch nicht die Tatsache, dass man immer noch mit Merch und vor allem physischen Tonträgern geizt). Außer, dass Absent From The Morning Headcount diesmal nicht nur die Songs ihres instinktiv eskalierenden Einstandes in petto haben, sondern auch ein paar neue Nummern – die das Niveau der bisherigen Diskografie nicht nur mühelos zu halten versprechen, sondern es mit wüst tanzenden Passagen auch zu toppen andeuten. Zumal der Sound nun weitaus besser auf alle Elemente abgestimmt ist, zwingend und laut schneidend den Energielevel ohne Aufwärmphase ankurbelt.
Kein Wunder also, dass zwangsläufig Bewegung in die vorderste Reihe des gut gefüllten Sub kommt, während Absent From The Morning Headcount (durch den unmittelbaren Abbau des Schlagzeugs nach etwas mehr als einer Viertelstunde Spielzeit keinen Irrtum darüber aufkommen lassend, dass es keine konventionelle Zugabe geben wird) rund in der Hitze des Gefechts mit der brütend schwülen Location in jeder Hinsicht einmal mehr als begeisternde Gewinner vom Platz.


Emma Goldman zünden live deutlich stärker, als auf Platte, denn die Wucht der Performance hebt jeden Aspekt der Band und ihrer Songs auf einem höheren Level. Schlagzeuger Pavel spielt sein Instrument unter dem luftigen Football-Jersey als muskulös rollende Kraftprobe und Felix schneidet mit seiner Gitarre nicht nur in jenen Momenten besonders packend, wenn er die Metal-Heaviness forciert. Seine keifenden Backing-Vocals potenzieren sich auf der Quasi-Bühne zudem hemmungsloser mit der manische Direktheit Frontfrau Victoria, die bisweilen um ihr Ableben zu fauchen scheint und eine enorme Präsenz zeigt.
Sinnbilder für diese schonungslose All-In-Mentalität gibt es einige. Etwa, wenn die Bandmitglieder ob der verausgabenden Darbietung in Hitzewallungen ihre mitgebrachten Ventilatoren förmlich an ihre Gesichter reiben; Viktoria bei einer Songanküdigung („dehumanizing drug-users kills people!“) mit brechender Stimme den Tränen nahe ist oder man zwischen den meisten Songs mit unerbittlicher Konsequenz ballernde Rave-Interludes abspielt.
In der Konsequenz liegt jedoch auch die Crux, als die die Sängerin nach acht Songs plötzlich ihre Sachen packt und verschwindet: Das gefühlt kürzeste Set des (subjektiv mit zu langen Pausen zwischen den einzelnen Bands auch darben lassenden) Abends nimmt (geplanterweise) ein so abruptes Ende, das dem kurz vor Zwölf Uhr Nachts schon ausgedünnten Besucherraum größtenteils gar nicht klar zu sein scheint, dass es das schon gewesen sein soll.
Zwar kommt die Abkühlung vor dem Sub suchende Victoria nochmal zurück, nachdem die restliche Band den irritierten Rufen nach einer Zugabe zugestimmt und nochmal die Dance-Maschine aus der Konserve angeworfen hat, wonach sich Emma Goldman eine letzte zusätzliche Nummer abringen. Dann ist aber endgültig Schluss. Und die Kanadier erzählen stattdessen absolut liebenswert von ihrem zweitägigen Graz-Besuch, den man bald – unter weniger hitzigen Bedingungen – zu wiederholen gedenke. Was nach einem guten Deal für alle Beteiligten klingt.


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