Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

von am 4. Juli 2026 in Featured, Reviews

Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Die Österreichische Nationalmannschaft spielt in Los Angeles gegen Spanien. Im Music House in Graz treten Zeke auf. Und in Wien kommen praktisch zeitgleich Converge (in der Arena) und Eyehategod (im Viper Room) auf die Bühne.

An diesem Donnerstagabend hat man also die harte Qual der Entertainment-Wahl – die letztlich die Nola-Legenden schweren Herzens für sich entscheiden: Jacob Bannon und Co. haben zwar alleine dieses Jahr mit Love Is Not Enough und Hum of Hurt ebenso viele bockstarke Studioalben herausgebracht, wie Eyehategod in den vergangenen 20 Jahren. Und sind live sowieso immer eine Bank. Doch daher die gefühlt eh pausenlos in Österreich Halt machenden Sludge-Vorreiter im Gegensatz zu Converge absurderweise noch immer auf der eigenen Bucket List stehen (und die absurd niedrig limitierte Diskografie-Neuauflage die Präferenzen des Momentums paradox zusätzlich verschoben hat), sind die Präferenzen mit frustrierten Blick zu Tour-Überschneidungen der beiden Herzensbands subjektiv dennoch geklärt.

Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien] Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Dass Converge mit Crouch und Boneflower (bzw. ursprünglich auch Heriot, die es aufgrund einer Autopanne aber nicht zur Arena schaffen) das theoretisch vielversprechendere Gesamtpaket geschnürt haben, als (die in Wien anstelle der Dwarves auf mehr oder minder lokale Support Acts setzenden) Eyehategod, spielt Punkt 19.45 Uhr übrigens keinerlei Rolle mehr – sowohl (die kurzfristig für die verhinderten Desolat eingesprungenen) Drencrom als auch Kielkropf erfüllen ihre Rollen als Anheizer praktisch ideal.
Erstere rocken ihren fett röhrenden Boneyard Sludge als womöglich bestmögliche High on Fire-Tribute-Band mit eigenen Songs so massiv föhnend über die wie immer bestechend gute Soundanlage, dass es Ex-Sleep-Mann Matt Pike irgendwo auf dieser Welt die stolzen Freudentränen aus den Augen drücken wird.

Und zweitere legen sich sogar noch ergiebiger in die Kurven, nutzen die Möglichkeiten der Location mit einer ausgiebigeren Licht- und sparsamen Nebelshow expliziter, würzen ihre überwiegend zäh schleppenden Riffs-Kaskaden aber vor allem enorm knackig mit zwingenden Ideen, einer druckvollen Performance (bei der vor allem der differenziert wahrnehmbare Bass im Klangraum einfach Spaß macht) und der adelnden Gewissheit, dass man die Lehren von Electric Wizard in Eisenstadt mustergültig verstanden hat.
Eine persönliche Erkenntnis des Abends muss also lauten: Tauchen (die beiderseits auch auf einer nostalgischen Ebene direkt an die eigene musikalische Sozialisierung anknüpfenden) Drencrom oder Kielkropf im Billing auf, ist das zwangsläufig eine Bereicherung für jedes Konzert.

Keine Überraschungen dann bei Eyehategod. Die Veteranen liefern eine Abriss der Extraklasse exakt entlang der immens hohen Erwartungshaltungen, was in seiner Abgeklärtheit so frisch, hungrig und packend wie möglich daherkommt, so dass das rund einstündige Set (auf die perfekte Länge destilliert) zu keiner Sekunde nach Routine klingt: Auslaugend und intensiv drücken Eyehategod mit kleinen Verschiebungen in punkige Abfahrten oder eine noch malträtierendere Heaviness in jene Wunde, die diese Band seit bald 40 Jahren bearbeitet, gönnen keine Verschnaufpause.

Und zweitere legen sich sogar noch ergiebiger in die Kurven, nutzen die Möglichkeiten der Location mit einer ausgiebigeren Licht- und sparsamen Nebelshow expliziter, würzen ihre überwiegend zäh schleppenden Riffs-Kaskaden aber vor allem enorm knackig mit zwingenden Ideen, einer druckvollen Performance (bei der vor allem der differenziert wahrnehmbare Bass im Klangraum einfach Spaß macht) und der adelnden Gewissheit, dass man die Lehren von Electric Wizard in Eisenstadt mustergültig verstanden hat. Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Zwar sollen Jimmy Bower, Mike Williams, Gary Mader und Aaron Hill aktuell dem Vernehmen nach an einem siebten Studioalben arbeiten, die Setlist der laufenden Summer Tour setzt sich jedoch ausschließlich aus erprobten Standards zusammen. Von denen jeder zündet. Über-Klassiker wie Take as Needed gor Pain, Dixie Whiskey oder New Orleans is the New Vietnam sowieso. Aber auch die restliche Stafette über Songs wie High Risk Trigger, Dogs Holy Life odet Blank / Shoplift sind ein einziger atemloser Rausch, während die Lage besonders bei Sisterfucker und  Every Thing, Every Day im relativ vollen Viper Room herrlich exzessiv und kräfteraubend wird: Crowdsurfer  taumeln über den sich selbst kräftig umrührenden Pit, der Schweiß rinnt auch zwei Stockwerke unter der Erde in Strömen, wo der hässliche, eckelhafte und gemeine Trademark-Sound der Band tonales Kerosin ins Feuer des euphorischen Zuschauerraums gießt.
In einer bestialischen Lautstärke übrigens. Passend zur Machtdemonstration.

Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien] Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Die Band selbst ist dazu passend ebenso motiviert, wie das aufgestachelte Publikum. Ganz direkt, ohne Barriere.
Mike reißt sein Mikro ziemlich fit wirkend vor und zurück, rotzt nur wenig umher und kickt dafür eine Dose White Claw von der Bühne – auf Tour trinkt der eigentlich als trocken geltende Frontmann ja weiterhin – und ist generell sehr gut drauf, weswegen er nach der Show auch bereitwillig für Fotos und Autogramme parat steht.
Riffmaschine Bower grantelt da natürlich reservierter, ist aber sichtlich angetan von tollen Stimmung in der Location, überlässt die Interaktion mit dem Publikum jedoch abseits ausgestreckter Fuck You-Gesten trotzdem dem coolen Mader, derweil Hill ganz im Dienst der Sache den Hintergrund zusammenhält.

Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Eyehategod, Kielkropf, Drencrom [02.07.2026: Viper Room, Wien]

Auch wenn Converge dem Vernehmen nach rund zwei Kilometer entfernt einmal mehr ebenfalls makellos geliefert haben (und Zeke etwaigen Videos Nachbau urteilen auch spitze waren), steht für einen selbst insofern zu keinem Zeitpunkt außer Frage, mit dem Weg in den Viper Room die richtige Entscheidung in der Konzert-Zwickmühle getroffen zu haben. Selbst die beiden Schönheitsfehler des Abends – das Abschneiden der Nationalmannschaft und die Enttäuschung darüber, dass Eyehategod keine Klappmesser und Hot Sauce mit auf Tour gebracht haben – lässt sich so auch mit ein bisschen Schwermut im Hinterkopf leichter ertragen.

Setlist:
Take as Needed for Pain
Jack Ass in the Will of God
High Risk Trigger
Dogs Holy Life
Blank / Shoplift
Sisterfucker (Part I)
Masters of Legalized Confusion
Agitation! Propaganda!
New Orleans Is the New Vietnam
Methamphetamine
Run It Into the Ground
Worthless Rescue
Every Thing, Every Day

Encore:
Dixie Whiskey
Serving Time in the Middle of Nowhere

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