Seahaven – Seahaven

von am 17. August 2026 in Album

Seahaven – Seahaven

Nach Winter Forever (2011), Reverie Lagoon: Music for Escapism Only (2014) und Halo of Hurt (2020) gelingt es Kyle Soto, Michael Craver, Mike DeBartolo, und James Phillips zum vierten Mal, eine komplett neue Seite von ihrer Band zu zeigen – und trotzdem unverkennbar nach Seahaven zu klingen.

In der Klammer aus dem ätherisch pulsierenden Godsend, das sein beruhigendes Mantra („You’re right on time“) meditativ wiederholt, und dem den Rahmen wunderschön poetisch schließenden Compagnon („Everything good in life/ Exists on borrowed time“) hat die schnörkellosen Kompaktheit des Vorboten Long Goodbye in ihrer Schmissigkeit die Ausrichtung von Seahaven vorweggenommen – das Viertwerk der Kalifornier liefert gerade in der ersten Hälfte mit seiner Stafette aus Singles praktisch einen Hit nach dem anderen.
Das vergleichsweise getragene Tempo von Hellbound entpuppt sich schnell als unheimlich catchy daherkommender Punkrock, der sich inmitten der melancholischen Schwere von Halo of Hurt und der nostalgischen Atmosphäre von Reverie Lagoon: Music for Escapism Only positioniert, wo Sentimentalität keinen Kitsch bedeutet. Infinite Blue kann so gleich gelöster, leichter und flotter agieren, wo Midnight Hour mit nautischen Gitarren poltert und den hymnischen Stadion-Refrains zum Singalong auspackt.

Auch February Flowers gönnt sich im Drive seiner verträumten Stimmung eine sofort zündende Hook, bevor Remember Me durch ein langes, sphärisches, geradezu elegisches Intro erstmals kontemplativ den Zug aus der ebenso wehmütigen wie motivierten Platte nimmt – mag der Chorus dann auch noch so entwaffnend sein und das Outro wie eine Spielerei als Abzählreim abholen. Ungekehrt ist es bei Highwire, das sich nachdenklich mit subversivem Verve treiben lässt, ruhig und unscheinbar, aber eben primär über die Strophe einnehmend.
Über diesen Mittelteil hat Seahaven allerdings seinen soweit makellosen Fluss ein wenig verloren und wirkt in der zweiten Hälfte im Sequencing dann doch merklich zerfahrener.
Auf den schlüssigen Ohrwurm Million Ways trifft mit Tidal Wave ein Song, der die Zügel mit knackigerem Post-Hardcore-Riffing etwas enger zieht und im Chorus eilend auf das Gas steigt, ohne hektisch zu werden, bevor Wedding Bells ganz ruhig plätschernd durchatmet und den Spannungsbogen ausfransen lässt. Was angesichts der runden Ästhetik jedoch kein gravierendes Problem darstellt.
Mit shoegazender, bittersüß sinnierender Indie-Attitüde ist das schwungvolle Seaheaven gefühlt vor allem ein Album für den Übergang von einem milden Sommer in einen warmen Herbst geworden, praktisch ideal von seinem Artwork eingefangen. Darüber hinaus zeigt es aber die vierte Inkarnation einer Band, die es schafft, sich stets neu zu erfinden, während sie so vertraut in die Arme nimmt.

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