Fake Dust – Decrepitizing Din Of The Cerebral Psyopticon
Believe the Hype, Here’s Your New Favourite Band: Fake Dust legen mit ihrem Debüt Decrepitizing Din Of The Cerebral Psyopticon wohl (ganz so, wie es die Szene-Tauben hirnwütig von den Dächern schreien) das Grindcore-Album des Jahres vor. Mindestens!
Zwar lässt das Erstlingswerk der unlängst auch hierzulande vorstellig gewordenen Band aus Portland freilich noch Luft nach oben. Indem beispielsweise das eklektische Songwriting weniger explizit herausragend hängenbleibende Einzelszenen kreiert, als dass es sich viel eher mit unterschiedlichen Schattierungen (wie etwa das schmissige Aushängeschild Implated Imperative ein thrashiges Rock-Inferno zumindest vage andeutet, Scratched Disk den Groove betont oder Insomniatic Fluid seine geilen Riffs zu fiepende Laser-Attacken jagt) als konsequenter Malstrom im Ganzen definiert, oder der komprimiert zu Slam Death-Trends schielende Sound der schwerstens misshandelten Snare zumindest eingangs gewöhnungsbedürftig sein kann, deutet Decrepitizing Din Of The Cerebral Psyopticon gar nicht so implizit an, dass Fake Dust in absehbarer Zukunft die Fußstapfen von Insect Warfare ausfüllen könnten.
Zumindest muss man während der knapp 20 Minuten der Platte immer wieder beeindruckt an die legendäre Gruppe aus Texas denken – so wie Fake Dust derbe und wüst dahinrasend ebenfalls auf spektakuläre im Temporausch eskalierende Drums als Rückgrat und die Spucke raubenden Wahnsinn setzen, ohne dass diese eigentlich einschüchtern müssende Referenz einen herabsetzenden Schatten auf die 19 Songs hier werfen würde.
Während das Quartett für seinen „real West Coast Grind“ auch noch Vorbilder wie Goner, Defeated Sanity, Excruciating Terror, Foetopsy und, weniger ernsthaft zutreffend, das Mahavishnu Orchestra, aufführt, muss man selbst neben den spitzen Keif-Jon-Chang-Assoziationenauch immer wieder an die frühe Nasum denken. Beispielsweise wenn Lost Signal phasenweise doomig schleppt, oder Cooked At Conception und Detaching ihre Breitbeinigkeit wüst in Grund und Boden kloppen.
Die grundlegende Ausrichtung des (kaum zu bändigenden, seine tollwütigen Wendungen aber stets stimmig und entlang einer homogenen Linie vollziehenden) Materials hat sich seit den ersten Demos 2022 und 2024 – von denen einige alte Bekannte hier im neuen Gewand auftauchen – also nicht geändert.
Wobei Produzent Sasha Strout den nötigen klangtechnische Schritt besorgt: Fake Dust klingen immer noch roh und ungeschliffen, zeigen bedrohlich growlend und hysterisch schreiend eine schöne Variabilität in der blastenden Oldschool-Ästhetik und No Bullshit-Attitüde (zu der das grieselige 90er-Cover sehr gut passt!). Doch ist das vor vier Jahren noch muffig-morastartig-verwaschene Auftreten nunmehr viel kraftvoller und präziser eingefangen worden (obwohl der Bass etwa immer noch vor allem grundiert und das Spektrum dreckig, hässlich und rau bleibt), was die Radikalität und Konsequenz intensiviert und das bisher vor allem erahnbare Potential klar fokussiert.
Manchmal nimmt Decrepitizing Din Of The Cerebral Psyopticon in diesem Rausch zwar kurz das Tempo heraus – und gönnt sich mit dem vergleichsweise ambienten Envisaging Psychosomatic Operations sogar eine kleine Verschnaufpause, bevor Paranoid Epiphany als längster Song noch ein letztes Mal die Bandbreite der den Nacken in angepissten Aggressivität drangsalierenden Freude am Genre verdichtet, bis alles im weißen Rauschen des Feedback ersäuft. Doch im Grunde ist der Einstand ein atemloser, frenetisch dichter und aufregenderweise benso frisch-hungriger wie abgeklärt-anachronistischer Strom, der seine vorläufigen Grenzen kennt und diese mit immer neue Impulse setzenden Akzenten (wie Math-Tendenzen oder Brutal Death-Verderbtheiten) auch ausreizt.
Dass die technisch versierten Fake Dust selbst hier bereits an ihren eigenen Limits eskalieren, scheint dagegen eher unwahrscheinlich – weswegen wertungstechnnisch ein bisschen mehr Zurückhaltung sicherlich vernünftig wäre. Daher Decrepitizing Din Of The Cerebral Psyopticon seit seinem Erscheinen aber in einer vorerst abnutzungsresistenten Heavy Rotation läuft, von der man einfach nicht genug kriegen kann, liegt mit der aufrundenden Euphorie des Augenblicks als Rückenwind eher die Vermutung nahe, dass wir es hier mit einem zukünftigen Grind-Klassiker zu tun haben könnten.


Kommentieren