Pisscorpse – Precipice of Death

von am 11. August 2026 in Album

Pisscorpse – Precipice of Death

Can you hear the choirs swell as you approach the precipice of death? It’s calling…“: Pisscorpse begeben sich mit ihrem zweiten Studioalbum auf den infernalen Kriegspfad. 

Drei Jahre nach Over It (bzw. sechs nach dem weitestgehend verschwundenen Debüt Life Sentence) nehmen D.T. alias Dylan Thomas („stringed perversions and lead effects“ alias Bass und Gitarre), Drummer Nick Jones und Brandon Lokey (Vocals) die erste Silbe ihres Deathgrinds massiver in die Pflicht – stilistisch wie soundtechnisch: Wo die Produktion von Precipice of Death im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger massiver geworden ist – weniger über die Gitarren schneidend, aber dafür generell hässlicher, voluminöser und mit mehr flächigem Durchschlag über die dreckigen, rohen Kontraste -, orientiert sich das Songwriting des Trios aus Salisbury damit einhergehend nun in etwa dort, wo Nails als kaum subtile War Metal Band den Powerviolence verprügeln würden.

Beaten to Deformity rast aggressiv und angepisst, faucht und keift, die Backingvocals brüllen Kerosin ins Feuer. Death-affinere Riffs reiben wie Schorf über den punkigen Hass, chuggy und giftig, heulen mittlerweile auch immer wieder solierend, das hochrapide Chaos wahlweise mit viel Groove in den Pit verfrachtend. Barrel Full of Limb sist ein infernales Tempo-Biest und Unbelievable Cruelty ein manischer Galopp in der Atemlosigkeit, bis zur Mitte hin die Planierraupe anrückt.
Cemetery Fodder gönnt sich eine guttural nach unten geshiftete Gore-Patina im Morast und drischt seine Rhythmik hinten raus in Grund und Boden. Heretical Opposition bounct als Veitstanz zum tollwütigen Ringelspiel und hyperventiliert, um breitbeiniger zu rocken. Abstumpfen gilt nicht!

Danach gibt sich das sludgige Savagery Exposed  beinahe züchtig – obgleich die Platte zu diesem Zeitpunkt ohnedies kein Geheimnis aus ihrer relativen Gleichförmigkeit macht.
Doch bei 17 Minuten Gesamtspielzeit gibt es keine Längen. Zumal Precipice of Death entlang eines stringenten Spannungsbogend stets extrem dynamisch agiert, unaufhaltsam gar – und den entfesselten Wahnsinn von Postmortem Perversions danach umso hirnwürtiger aus den thrashigen Boxen bis zum malmenden Stoizismus tackern lässt. Putrescine Addiction kann in dessen Windschatten gar assig miskandiert werden und 9 schrubbt seine Gitarre im Rahmen blutig, um wie ein Derwisch ins Nirwana zu hämmern.
Radikal und konsequent, mit dem Händchen für Akzente. Denn so eklektisch die Front dort auch sein mag, so sehr haben sich Pisscorpse mit der War Metal-Tendenz von Precipice of Death doch eine eigene kleine, nihilistisch breitenwirksam tragfähige Nische in der Kampfzone des Grindcore erzwungen.


Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen