Fiddlehead – Baby I’ll Change
Zwei Jahre nach Death is Nothing to Us hat Patrick Flynn den Tod seiner Mutter zu verarbeiten – was seine Band Fiddlehead mit der aus diesem Umstand resultierenden EP Baby I’ll Change mutmaßlich am Beginn einer neuen Evolutionsphase zeigt.
Bei seiner eigenen Familie konnte Frontmann Flynn keinen unmittelbaren Trost auf besagten Schicksalsschlag finden – die war nämlich gerade auf einer Kreuzfahrt unterwegs, während der Musiker zuhause geblieben war, um zu arbeiten: „It was the only time in my life where if I wanted to see my children on a dime, I couldn’t. They were in the middle of the fucking ocean; I felt completely isolated.“
Doch zum Glück waren da die Bandkollegen, die, quer durchs halbe Land angereist, plötzlich als Schultern zum Anlehnen vor der Tür standen. “We went to Pat’s house just to support him in a dark time and then, in that, we ended up writing music,” erinnert sich Gitarrist Alex Henery. “It came out of a really good place, of us just wanting to write music together in that moment, and that freed us up to experiment.” Also kamen er und Flynn, Alex Dow, Bassist Nick Hinsch und Drummer Shawn Costa dem Angebot von Alex Farrar (Wednesday, Archers of Loaf, M.J. Lenderman) nach, quasi spontan in dessen Drop of Sun Studios vorbeizuschauen und gemeinsam die neu entstandenen Songs aufzunehmen.
Der mutmaßliche Einfluss des Produzenten kommt dann übrigens nicht nur im gedrosselter angelegten Porchlight zum Tragen, wenn sich der Chorus ergiebig in seine Harmonien legt, sondern drückt sich wohl auch durch eine generell melodischer angelegte Tendenz der Band auf einer sehr runden EP aus.
Noch deutlicher aus der Komfortzone bricht der Titelsong Baby I’ll Change , dem Flynn nicht zu Unrecht attestiert: „It felt like a new band in a very organic way.“
Fiddlehead bauen hier geduldig ein Ambiente auf, das die Spannung entlang eines epischer ausholendes Momentum immer weiter anzieht – und die Musiker über den Horizont hinausstreben lässt, wiewohl das Ventil lange nicht aufgemacht wird, bevor der Klimax im letzten Drittel dann eine unbedingt befriedigende Stadion-Strahlkraft Bekommt, die heulende Postrock-Gitarren mit einem tanzbaren Verve zusammenführen.
Kaum weniger stark als der bisher womöglich beste Song der Fiddlehead-Diskografie ist dann der enorm catchy daherkommende Ohrwurm-Opener The Dogs, der im schmeichelhaftesten Sinn an Title Fight erinnert, auch wenn die Texte als Hymne auf die Fiddlehead-Mitglieder zugeschnitten sind.
Aber wie Flynn eben auch nochmal abseits der Platte betont: “I don’t think you get better friends than this.” Und dieses beflügelnde Gemeinschaftsgefühl trägt Baby I’ll Change dann mit gewachsenen Perspektiven womöglich auch ambitioniert zu mehr neuen Abenteuern weiter, als es 10 Minuten Spielzeit einfangen können: „Those guys are my brothers and I wanted to stop playing with them? Now I want to keep this thing going until the wheels fall off.” Brosome!


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