Graham Coxon – Castle Park

von am 23. Juni 2026 in Album

Graham Coxon – Castle Park

Als Teil von The Waeve und Blur, gefragter Kooperations-Partner (für u.a. Ash oder Duran Duran) oder Soundtrack-Lieferant für Serien und Comics war Graham Coxon in den vergangenen Jahren so sehr eingespannt, dass gar keine Zeit für seine Solo-Karriere blieb. Dies ändert sich nun mit Castle Park.

Wobei das so eine Sache mit dem Quasi-Comeback des Briten ist: Das Material seines ersten Soloalbums seit 14 Jahren wurde tatsächlich bereits 2011 gemeinsam mit dem des nominellen Vorgängerwerkes A+E von Produzent Ben Hillier aufgenommen: Die zweiundzwanzig damals eingespielten Nummern wurden in zwei Teile aufgesplittet wobei A+E aus jener Hälfte bestand, die rund um Bass-Riffs ausgebaut wurden, während die zweite Tranche vorerst zurückgehalten wurde, um erst dann veröffentlicht zu werden, wenn „that music becomes fashionable again“.
Worüber Kollegen wie Paul Weller oder The Coral angesichts der mit subtilen Retro-Vive im entspannten Twee und Jangle Pop zum Mod Revival schielenden Ausrichtung der Musik nur verwundert die Nase rümpfen werden – diese aus der Zeit gefallene Ästhetik ist bitte immer irgendwie in Mode, Herr Graham!
Insofern ist es auch nur schlüssig, dass der 57 jährige den Bitten seiner der (beispielsweise den in die 60er shakenden Opener Billy Says seit langer Zeit aus Live-Sets kennenden) Gefolgschaft irgendwann nachgab und Castle Park nun einfach veröffentlicht hat.

Während die (oft zu lange dauernden, sich bisweilen einfach zu schnell erschöpfenden) Songs an sich ebenso simpel wie eingängig sind, und auf allzu markanten Mehrwert angesichts einer rundum angenehmen Ästhetik verzichten (aber dabei eigentlich nur den locker schunkelnden Singalong Alright etwas schwer aushaltbar zeigen), ist es schon sehr nett, dieses über ein Jahrzehnt angeteaserte, keinem wirklichen Spannungsbogen folgende Sammelsurium nun endlich vorgelegt zu bekommen – zumal der Zeitpunkt des Release in den warmen Sommer hinein ideal gewählt ist.
Das The Nerves-Cover When You Find Out twistet flotter und Isn’t it Funny schleicht butterweich als verträumte Psychedelik mit Vibraphone, sanftem Besenschlagzeug und Chor durch die verhuschte Lounge eines Jazz-Kellers. Das relaxte Acoustic-Duet There’s a Little House nimmt durch Lucy Parnell balladesk flanieren die späteren Abenteuer mit Rose Elinor Dougall heimelig vorweg, bevor das nonchalant schunkelnde Forget Today sich mit zappelnden Becken und Bläsern vor den Pipettes verneigt.

Easy bereitet Coxon lange alleine vor, dann hängen sich seine Mitmusiker in ein melancholisches Schwelgen mit ein, das symptomatisch für die Platte im Ganzen einfach ein bisschen zu lethargisch ist, um nicht nur nebenbei zu plätschern. Impulsiver ist da schon Dripping Soul, das mit seiner Percussion catchy über die Prärie von London poltert.
Dass das Finale des Albums etwas unausgegoren wirkt – weil das orchestrale Instrumental Mélodie Pour Christine wie ein Luftholen vor oder nach dem (nicht kommenden) großen Klimax ist, sich das folgende All the Rage als Closer aber in sich gekehrt einen verhuschten Minimalismus zupft, der auch Damon Albarn gefallen wird, bis sich dieser später in wohlige Bläser-Arrangements legt – mag auch daran liegen, dass Castle Park (wenn man sich an Interviews aus dem Jahr 2011 hält) einer oder zwei Songs zu „fehlen“.
Dass sie zu schlecht für dieses Comeback aus dem Archiv waren, will man indes nicht annehmen. Mag Castle Park auch in letzter Konsequenz keine runde – und schon gar keine auch nur ansatzweise aufregende – Sache sein, funktioniert das Werk doch als kontrastierende Ergänzungsprogramm in The Waeve-Zeiten schlicht und einfach sehr fein.

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