Widowspeak – Roses

von am 10. August 2026 in Album

Widowspeak – Roses

Widowspeak wollen mit ihrem siebten Studioalbum ein explizit romantisches Werk aufgenommen haben. Und kommt der Titelsong von Roses mit Zeilen wie „You said, „Nothing lasts forever“/ I can’t argue with that“ daher?

Spätestens wenn (die mit ihrem Bandkollegen Robert Earl Thomas eine unmittelbar entwaffnende, betörend anmutig unaufgeregte Atmosphäre erzeugende) Molly Hamilton den Opener The Hook mit ihrer unendlich weichen Stimme zu seinem Ende führt, ist jedoch klar, dass die Sichtweise auf Roses weniger zynisch und pessimistisch, als auf eine unkitschige Weise bittersüß ist: „Not all thorns will prick you/ You still feel the first/ And now you don’t grow roses/ Because the one still hurts/ I wanna be the one“. Immer wieder „I wanna be the one“.
Widowspeak haben sich da längst wieder in ihren Trademark Sound gelegt, der mal (wie im mit Besen schwofenden Wondering) direkt an das Erbe von Mazzy Star fehlt, mal (wie im jangelnden auf You Change) näher bei R.E.M. sinniert. Dort, wo Begriffe wie die risikofreie Wohlfühlzone oder der gemütliche Komfortbereich beinahe ausnahmslos positiv gemeint sind, und The Jacket in dieser Vertrautheit weitaus weniger als fast vier Jahre her zu sein scheint.

Wie No Driver („You still believe you know the road by heart/ But all things rust and all things rattle apart“) seine Gitarre freizügiger gniedeln lässt, ist da im Grunde schon die abenteuerlichste Exkursion. Dass die beiden Brooklyner auch ohne Spektakel glänzen, ist aber ja bekannt. Insofern muss diesmal auch sonst kein Song explizit herausragen, wenn Roses entspannt und unaufgeregt der ideale Begleiter durch den Sommer ist, verträumt poppig zwischen Indie Folk und Americana wehmütige Stacheln umplätschert.
Da schippert das Titelstück tiefenentspannt und Soft Cover gibt etwas kraftvoller den Ausritt über die Prärie, während Heaven is Waiting die Spannungen subversiv abwartend anzieht – selbst wenn die Dynamiken und Amplituden generell flach gehalten werden.
Im schunkelnden Schlafwagen Hourglass dröhnen die Saiten deswegen auch so weich und wattig wie ein Saxofon. „You were the plan, but plans are changing/ Woke up and the dream was lost“ singt Hamilton. Und so bezaubernd die simplizistische Poesie ihrer Texte immer schon war, so sehr muss man dem Understatement von Roses doch attestieren, dass die melancholische Tiefenwirkung von Widowspeak vielleicht noch nie zeitloser war, als hier.

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