The Forest of Knives – Psycho, Adaptations of Bernard Herrmann’s Original Score
Nach dem Langspiel-Debüt-Teaser kommen The Forest of Knives nicht direkt zum Mutterschiff Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat, sondern vollziehen mit Psycho, Adaptations of Bernard Herrmann’s Original Score erst einmal den als cineastischen Ausfallschritt getarnten postnatalen Wachstumsschub.
Welche Tragweite das Projekt von Aaron D.C. Edge und Chad Kapper auf seinem ersten Langspieler zeigen wird, bleibt also vorerst noch offen.
Doch nimmt Psycho, Adaptations of Bernard Herrmann’s Original Score – dem Sound der EP im dissonanten Avantgarde Death Metal mit orchestralen Arrangements weitestgehend ansatzlos folgend – jedoch womöglich einen elementaren Bestandteil der kommenden Abenteuer vorweg, den es so noch nicht auf dem The Decomposition-Herold zu hören gab: Der mittlerweile wieder die Bühne zurückkehren wollende Edge steuert als Multi-Instrumentalist und Arrangeur nun nämlich heiser fauchende Backing Vocals bei, die sich absolut ideal mit den aggressiven Muskeln von Kapper (dem eine weitaus weniger dicht komprimiert produzierte Klangkulisse zudem im LoFi-Charme zudem grundlegend spannende neue Optionen bietet) verbindet, abwechselt und ergänzt – und den Radius des Duos in dieser gewachsenen Synergie kurzerhand gleich nochmal auf einen neuen Level heben, bevor das Debütalbum überhaupt srschienen ist.
Dass The Forest of Knives ein Händchen für griffig hängen bleibende Szenen haben, war hingegen bereits bekannt. Allerdings potenziert sich dieser Umstand durch die selektive Adaption des ikonischen Soundtracks zum Hitchcock-Klassiker noch einmal zusätzlich.
In A Prelude haken die beiden Musiker den Signature Sound ihrer eklektischen Achse um das legendäre Thema des Film, binden Samples ein, derweil Kapper seine Abrissbirnen-Stimmbänder aus der Perspektive der Mutter erzählen lässt. In Let’s Meet Marion wächst das Chaos aus dem Suspense von Piano-Moll-Albträumen und Temptation eilt dramatisch orgelnd nach vorne kloppend. Murder ist ein Wechselspiel aus Lauerstellungen und Attacken, derweil Sinking the Car (and the Cash) die Intensität mit Perkussion-Introspektiven und Horror-Streichern lüftet und von den kurzen Spielzeiten der einzelnen Tracks profitiert.
Für The Stairs, from the Bottom to the Top tickt die Uhr abrasiv zu einem catchy Call-And-Response-Wahn, und Up to the Hill rifft erst stoisch, um dann manisch zu hyperventilieren und sich rau gebrüllt zu einem deliranten Synth-Fiebertraum zu schleppen, bevor The Chair and The Swinging Light in the Cellar als ambientes Kammerspiel psychotisch ausklingt: „There’s laughter going on inside of me…/ You can tell from that smile…“
Während The Forest of Knives also nicht an der Fallhöhe des Originals scheitern, sondern es entlang der ausgeweiteten Kompetenzzone von Edge assimilieren, der hier ein paar seiner pointiertesten Ideen über die Ausgangsbasis des Soundtracks weiterdenkt, schärft das kongeniale Duo ausgerechnet damit auch zusätzlich seine eigene Identität: Man verrennt sich nicht in kuriose Liebhaber-Sackgassen, sondern entdeckt vermeintlich neue Horizonte.
Oder anders gesagt: Dass die Rückkehr von Frontierer nicht die alleinige Aufmerksamkeit im Kapper-Kosmos für sich in Anspruch nimmt, grenzt an ein kleines Wunder – der relative Quantensprung Psycho, Adaptations of Bernard Herrmann’s Original Score lässt es in seiner ebenso kurzweiligen, wie spannenden Auslegung aber als natürlichste Sache der Welt erscheinen. Und macht noch mehr Bock auf Mehr.
Insofern bleibt nur die Frage: Wann kommt endlich Decomposition Continuum I: Fragmentation Bloat?


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