Greet Death, Oxyjane [20.06.2026: Forum Stadtpark, Graz]
Abseits ihres Support-Jobs für Touché Amoré auf deren Jubiläumsreise spielen die erstmals in Europa verweilenden Greet Death auch einige wenige kleine Headliner Shows in Europa – einen davon in Graz.
Dass dem so ist, ist den Indiepartment-Jungs zu verdanken, die sich schon seit Jahren darum bemüht haben, die Band zu buchen – und die an diesem Abend im nicht nur sich selbst, sondern schätzungsweise auch nahezu allen Anwesenden im gut gefüllten Forumkeller einen innigen Herzenswunsch erfüllend glücklich gemacht haben dürften.
Nach dem regulären Set lässt das begeisterte Publikum das Quintett aus Flint jedenfalls nicht so leicht von dannen ziehen, man will mehr. Und mit New Hell ringt man der schweißnassen Band tatsächlich zumindest eine ungeplante Zugabe ab, die Logan Gaval im Tank Top spielt – sich aber für diese Red Hot Chili Peppers‘eske Style-Notwendigkeit aufgrund der Affenhitze bei seinen Kollegen in einer herrlich lakonischen Art entschuldigt, bevor Greet Death nochmal gemeinsam einen finalen rauschhaften, gewaltigen, monumentalen Sog von einem Gitarrenwand-Wall lostreten – als hätte es nach der vorangegangenen so dicht stehenden Stunde noch einer weiteren Machtdemonstration dieser shoegazenden Indierock-Ausnahmeband benötigt.



Bevor der Abend erfreulicherweise länger dauert als gedacht, beginnt er jedoch auch ein klein wenig später, als geplant: Oxyjane warten pünktlich ab 20.30 Uhr etwas ratlos auf der Bühne, bis auch der Soundguy der Location anwesend ist. Durchaus symptomatisch für den folgenden Auftritt, bei dem nicht alle Zahnräder ineinandergreifen wollen.
Live legen Selina Galka, Lukas Schneeberger und Robert Wiese ihren Sound nämlich tendenziell weniger sauber und brav als auf Platte an, was der grungigen Kante ihrer verträumten Songs grundlegend sehr gut stehen würde. Nur gehen sie dabei gefühlt nie exzessiv genug all in, gönnen den ätherischen Konturen der Nummern keine freien Radikale. Dazu kommt, dass das Schlagzeug klanglich einerseits zu dominant über den Vocals und Saiteninstrumenten arbeitet (und viele tolle Szenen von Bass/Gitarre in eine unverdiente Gleichförmigkeit rückt), während die rockigen, straighten Passagen (in denen der eine oder andere unperfekte Trommel-Einsatz nicht ins Gewicht fällt) gleichzeitig aber auch kein wirklich zwingendes Momentum generieren können und zu selten abseits der Lethargie Feuer unterm Hintern machen.
Was zugegeben Jammern auf hohem Niveau ist – nur vermittelt der Auftritt des Grazer Trios eben mehr als die Studioalben, dass da einfach das gewisse Etwas in einer Band schlummert, die sich subjektiv gerne noch selbstbewusster in die Dramaturgien ihrer Musik stürzen dürfte.


In etwa so, wie Greet Death das tun.
Denn wie die Amerikaner die verletzliche und ruhige Seite ihrer Songs live zurückschrauben und bis zu einem gewissen Grad sogar tilgen, um jedes Stück wie einen vor Kraft und Energie nur so strotzenden Katharsis-Behemoth zu spielen, der über das Publikum in einer intensiven Wucht hereinbricht, ist einfach spektakulär und beeindruckend. Auch in physischer Hinsicht, betont die Gruppe auf der Bühne doch ein packendes, drückendes Extrem, das sich so so laut und wild auf Platte gar nicht konservieren ließe.
Dass ausgerechnet der Opener und Hit Country Girl in diesem Muskelspiel der Gitarren (das die Vocals zwangsläufig übertönt) durch einen zügigen Uff-Zack-Beat (vom ansonsten brillanten Drum-Dynamo Jim Versluis) allzu simpel gehetzt wird, ist ein Schönheitsfehler, den der Kontext eines generell extrem stringenten Sets mühelos aufwiegt.


Stichwort(e) Country Girl: Auch wenn Greet Death das beste oder zweitbeste Album des Jahres 2026 im Rücken haben, liegt der Schwerpunkt der kompakten Setlist doch auf New Hell von 2019, das wie im Falle vom praktisch nahtlos in das groovende I Hate Everything übergehende Entertainment aber auch der ideale Nährboden einer Diskografie-Wanderung ist, indem es in Do You Feel Nothing? sein womöglich fetzendstes Ventil öffnet, bevor Veranstalter Flo mit dem Special Request You’re Gonna Hate What You’ve Done Geschmack beweist.
Da reiht sich einfach ein Wahnsinns-Song an den nächsten, jeder ist (vielleicht mit Ausnahme von Bow) ein Highlight.



Dazwischen gibt es mit Shooting Myself auch eine neue Nummer zu hören, auf dem Greet Death einmal mehr den Bogen vom Jangle Pop aus der Perspektive von The Smiths oder The Cure zu Cloakroom schmissig perlen lassen.
Weil Gaval seine Gitarre davor erst „not smooth at all“ in ein „super emo tuning“ umstimmen muss, da er ja leider seine Doubleneck vergessen habe, hat das Publikum Zeit für eine von vielen nicht enden wollenden Applaus-Ausdauer-Demonstrationen sowie viel gute Stimmung – Kudos an dieser Stelle übrigens an den nicht einmal bei der Band selbst sofort zündenden Weed-Gag aus dem Publikum, als die Sprache auf Merch-Verkäufer George kommt! – was hinter dem erst shakend-tanzenden, dann am Highspeed-Gaspedal die Daumenschrauben abdrehenden Same But Different Now als eigentlich triumphalen Schlusspunkt Früchte tragen wird.
Dass nach etwas mehr als einer Stunde dennoch zwangsläufig so viele eigene Lieblingssongs außen vor geblieben sind, ist an einem Gastspiel ohne Längen nicht so schlimm. Zumal Versluis anteasert, dass Greet Death im kommenden Jahr nach Europa zurückzukehren gedenken. Und für einen solchen Fall der Fälle hoffentlich die Indiepartment-Buben im Hinterkopf behalten werden.
Setlist:
Country Girl
Bow
Motherfucker
Entertainment
I Hate Everything
Shooting Myself
Circles of Hell
Do You Feel Something?
You’re Gonna Hate What You’ve Done
Same But Different NowEncore:
New Hell













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