Guardian Alien – Spiritual Emergency

von am 10. Januar 2014 in Album

Guardian Alien – Spiritual Emergency

Ex-Liturgy Drummer Greg Fox nimmt mit Guardian Alien Alben auf, die man nicht verstehen muss/kann, die man problemlos in die Esoterik-Ecke stellen darf, denen man jegliches kompositorische Fingerspitzengefühl absprechen möchte und die Sätze provozieren wie: Live mag das ja durchaus seinen Reiz an der Grenze zur körperlichen Erfahrung entfalten, auf Platte funktioniert das alles aber nur bedingt. Stimmt soweit auch alles – spätestens mit dem Titeltrack kriegen einen Guardian Alien dann aber doch wieder irgendwie an den Haken.

Das Endlos-Cover mir Rastafari-Alien im Trainingsanzug und Heile-Welt-Szenario ist zwei Jahre her, inzwischen herrscht unterm Tisch liegend der ‚Spirutual Emergency‚. Ein Trugschluss allerdings, dass die Dinge im dritten Anlauf für Guardian Alien konventioneller – oder: weltlicher – werden würden. Tatsächlich kommt Greg Fox dem Hörer diesmal mit seiner inzwischen gar nicht mehr so neuen Band zwar insofern entgegen, dass im Gegensatz zum großartigen, ganzheitlichen 37-Minuten Dauertrip ‚See the World Given to a One Love Entity‚ Trackmarks gezogen wurden – was aber insgeheim wohl den Grund hat, dass die Dinge auf ‚Spiritual Emergency‚ eben einfach zerfahrener wirken, oftmals Stückwerk-Ideen bleiben und sich nicht in einen steten Fluß zusammenschließen ließen. Wo der Vorgänger zwischen all seinen Interessen trotz (inzwischen restlos ausgerissener) Black Metal-Wurzeln friedlich umhergleiten durfte, springt Studiowerk Nummer Drei irritierend unfokussiert zwischen noch mehr Ansätzen umher, verliert vor allem im Mittelteil jegliches Interesse daran ein kohärenten Albumfluss zu kreieren und konzentriert sich stattdessen lieber auf Tugenden wie Improvisationskunst, Experimentalwut und atmosphärische Ambientfaszination.

Mirror‚ und ‚Vapour‚ gehen als Interludes Hand in Hand, benutzen spirituelle Spoken Word-Gedankengängen und geloopte Stimmsamples, repetitive Schlagzeugrhythmen und Tribalklänge,  Noisewände und Feedbackhintergründe. Zwei Tracks – nein, niemals sind das hier Songs – in nicht einmal drei Minuten, die nicht ausformuliert wirken, Andeutungen machen und mehr noch wie vieles hier schlichtweg ratlos hinterlassen.
Auch das grandios (aber viel zu kurz) zwischen Sunn O))) und Grouper liegende Dronemeer ‚Mirage‚ lehrt: man kann die Klangkonstrukte von Guardian Alien nicht per Definition verstehen, man kann das Schaffen der Band auf ‚Spiritual Emergency‚ noch nicht einmal mehr derart genießen oder wie auf ‚See the World Given to a One Love Entity‚. Aber man kann sich darin verlieren, sie Musik als reflexiven Leitfaden nehmen, vor allem, wenn die Stärke dieser Band doch auch darin liegt ihre Stücke in die Länge zu dehnen, sie zur akustischen Meditation auszureizen, wenn der Rezipient umspült wird und man eintauchen kann in die Welt von Guardian Alien. Weswegen das zielloser wirkende ‚Spirutual Emergency‚ mit all seinen verhältnismäßig kurzen Sprints anstelle eines langen Auslaufs auch nicht so nahtlos wie sein Vorgänger als eine Annäherung an die potente Konservierung der allerorts gepriesenen Live-Macht der Band funktioniert.

Wenn Fox, Alexandra Drewchin (Vocals/Electronics), Bernard Gann (Gitarre), Turner Williams (Shahai Baaja) und Eli Winograd (Bass) also im eröffnenden ‚Tranquilizer‚ über zehn Minuten einen minimalistischen Jam aus Nonstop-Tabla-Hetze und gecuteten Vocals in der Nähe der Master Musicians of Bukkake brauen, dann mag das durchaus interessant klingen und auch stimmungsvoll als Ethno-Hintergrundbeschallung funktionieren – ohne etwaige halluzinogene Stimmulantien will das alles aber auch nicht wirklich restlos zünden. Hier fehlt es nicht am Songwriting, nicht an den Songs – hier fehl schlichtweg die Sogwirkung, das Rauschhafte, das Zwingende das derartike akustische Reisen selbst im entspannten Modus benötigen.
Wozu Guardian Alien fähig wären führt die Band dann am eindrucksvollsten im knapp 21 minütigen Abschluss und Titeltrack vor: Fox trommelt sich vor fiependen Hintergrundgeräuschen einen Wolf, der Rhythmus ist vor allen Soundkaleidoskopen König, die Gitarre schwurbelt sich psychedelisch in den Orient und über mehrere Anläufe kulminiert das alles in einem hysterisch geschrienen Finale, einem zwingenden, nervenaufreibenden Exzess. Hier  spielen Guardian Alien ihr experimentelles Weirdo-Klanggebilde kompromisslos und faszinierend. Hier ist ist man gefühltermaßen nahe daran am transzententalen Synapsentanz, der Live aus all diesen Anknüpfungspunkten entstehen kann, hier macht es plötzlich Sinn diese inszenatorisch polarisierende Grenzerfahrungen überhaupt auf Tonträger zu bannen.

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