Darkthrone – Pre-Historic Metal
So stark, wie es das Cover-Artwork verspricht: Fenriz and Nocturno Culto feiern den 40. Geburtstag von Darkthrone mit einem Prachtstück ihres eklektischen Pre-Historic Metal.
“Prehistoric is a loose term. I just figure it’s our vibe, our take on things and it’s more a statement that we use old style to create something new“ sagt Gylve Fenris Nagellack.
Kann man so stehen lassen, weil der Albumtitel besagten Vibe von Darkthrone in dieser Phase ihrer Karriere tatsächlich ganz gut skizziert. Auch wenn das, was die Norweger auf ihrem 22. Studioalbum zelebrieren, doch vor allem das Gegenteil von „neu“.
Denn ja, der greinend röhrende Fenriz will diesmal gelegentlich singen und wirft sein vibrierendes Timbre dafür (wie im flotten Enthusiasmus The Dry Wells of Hell oder dem zäh nickenden Melodrama des wie ein alter Bekannter abschließen Serien-Titel Eon 4 mit seiner frustrierend abrupten Abblende) in windschief ausholende Gesten, die den inneren Dickinson anfleht, wie das Artwork der regulären Album-Version den Mond in teuflischem Hedonismus anheult – weil der Status Quo des Duos sowieso längst einer ist, der sich selbst nicht zu ernst nehmen muss. Und wo der Sound diesmal besonders räudig und crustig aus dem DIY-Keller müffelt, laufen Darkthrone auch mehr erinnerungswürdig-räudige Riffs zu, als zuletzt üblich. Dass Fenriz die Platte auch als „Angus Young playing Hellhammer“ angepriesen hat, nimmt den Mund im Celtic Frost-Worshipping insofern nicht zu voll.
Dennoch und vor allem (und zumindest im weitesten Sinne) ist Pre-Historic Metal eine relativ ansatzlose Fortsetzung des spätestens mit Old Star 2019 eingeschlagenen Weges der Band. Soviel macht gleich der fantastische Einstieg mit der von Mercyful Fate startenden primitiven 80er-Hatz They Found One of My Graves klar, in dem die Band ihre ranzige Melancholie aus Proto-Metal und Thrash-Attitüde, Heavy Rock und Doom mit archaischer Pragmatik in die assige Produktion legt, die Saiten treiben und die Vocals wie gedrückte Gruselgeschichten durch die mulmige Theatralik schleichen.
Was neben der stilistischen Prägnanz auch qualitativ maßgeblich für die Platte ist – zumindest für die überragende erste Hälfte von Pre-Historic Metal ist.
Der Titelsong ist ein superber Herold, der der Gitarre zwischen operettenhaft Pathos und punkiger Hatz den Hals umdreht. Schade also, dass das Duo nur den Scherer für ein billig überstürztes Fade Out als Abgang hatte. Siberian Thaw verneigt sich dagegen getragener vor launigen Black Sabbath, und versteift sich in Wiederholungen vor der ambienten Einkehr, bevor die Band den Druck auf die Nackenmuskeln erhöht. Denselben Kniff setzt Deeply Rooted variiert ein, indem es breitbeiniger um ein geiles Riff rockt, sich zäher ausbremst, und zum Abschied nochmal aufs Gaspedal galoppiert.
Dieses Niveau kann Pre-Historic Metal nicht über die volle Distanz halten, zeigt dafür aber andere Vorzüge der Platte auf.
Eat Eat Eat Your Pride turnt nach seinem Gardenia-Einstieg zwar nur als Standard um den MO der Platte, doch unterstreicht dieser, dass ihre Inszenierung mit individuell ausgewogen wahrnehmbaren Instrumenten gar nicht so unüberlegt und impulsiv hingerotzt ist, wie es den Anschein erwecken mag.
Und das durchatmende Interlude So I Marched to the Sunken Empire ist als düster getragener Ambient exakt richtig platziert und hebt das Sequencing des Albums pointiert auf ein Podest, während der Lacher am Ende stellvertretend für all die kurzen Studio-Einsprengsel steht, die zeigen, wieviel Spaß Fenriz and Nocturno Culto an dem nur sich selbst verpflichteten Zeitvertreib Darkthrone haben – und man als Fan gleich mit. Notfalls auch mit weniger perfektem Artwork.


Kommentieren