Holy Motors – Heaven’s Night

von am 4. November 2026 in Album

Holy Motors – Heaven’s Night

„Holy Motors’ third studio album, Heaven’s Night, pairs the band’s signature Western dreamscapes with pop hooks and new-wave textures that mark new territory for the Estonian band“ verspricht der Pressetext zum Quasi-Comeback der Esten.

Während sich an der grundlegenden Signature-Formel wenig geändert hat – Holy Motors spielen weiterhin eine im Twang und Reverb schlendernde, ungemein einnehmende Melange aus hazy Dreampop und Shoegaze für Alt.-Country-Prärien zum Sehnsuchtsort des wilden Americana-Westen, „sweet as dripping honey, sad like summer rain„, irgendwo zwischen Beach House, Widowspeak, Howling Bells, Murder by Death und Shivaree  – ist das Klangbild durch den Einstieg von Gitarrist Ivar Mägi und Multi-Instrumentalist Villem Sarapuu (electric guitar, synthesizer, acoustic guitar, bass guitar, tenor saxaphone, piano) zur aus Eliann Tulve (vocals, percussion), Lauri Raus (electric guitar) und Caspar Salo (drums, percussion) bestehenden Stammbesetzung tatsächlich merklich gewachsen.
Man höre, um das eingangs vorangestellte Zitat unmittelbar nachvollziehen zu können, alleine (das zu abrupt beendete) Hellishly Hot, das den gemeinsamen Nenner der Dire Straights, Chris Rea und The Cure sucht, Under My Tongue (als Noir-Duett mit einem sprechsingenden Reid Bateh von Bambara, das seine laszive Aura auf einem cool zurückgelehnten Beat mit latentem R&B-Aroma verführt), oder Lonesome Sinner, das den Heartland Rock von The War on Drugs in die Zeitlupe der 80er taucht.

Heaven’s Night klingt deutlich voller, zugänglicher und runder als die beiden Vorgänger Slow Sundown und Horses, auch schöner und sauberer – sogar mehr, als der nun oft zu glatt und austauschbar produziert auftretenden Band unbedingt gut tut.
Phasenweise – vor allem im (Schlagzeug)Sound des so vielversprechend in seinen Bann ziehenden, jedoch auch latent generisch angelegten Tough Crush – taucht das Geschehen mit seinen breitenwirksameren, noch leichter verdaubaren Absichten nämlich zu gemütlich in die gefällig den Hintergrund berieselnde Komfortzone ab, begnügt sich mit dem primär ästhetisch ausgelegten Weichspüler, und wirkt abseits seiner reizvollen Auftrittsfläche belangloser, als es die komponierten Geschichten der Gruppe eigentlich sein müssten.

Doch nicht nur God Is A Feelin, sondern auch der (in betreffendem Stück eine beinahe transzendent psychedelisch jammende Wirkung entfaltende) Zauber von Holy Motors. Als idealer Soundtrack für ein imaginäres Spaghetti Western-Roadmovie von David und Tarantino ist die filmische Atmosphäre, die die Band mit ihren balladesken Songs voll bittersüßer Noir-Romantik kreiert, weiterhin bestechend. Gerade, wenn im richtigen Moment konsumiert (während dem man die hier wenig schmeichelhaft abgerundete Bewertung dann auch um einen Punkt nach oben korrigieren darf).
Deswegen schmerzt es auch nicht, wenn das nach Twin Peaks entschleunigte Zwischenspiel In Flames leider zu inkonsequent verpufft oder das lange Anlauf nehmende Howlin‚ unendlich geduldig einen subversiven Galopp unter die bekümmerte Elegie schiebt, dann mit unverhohlen triumphierender Geste durch den Goth jenseits von Other Lives reitet – nur um den sorgam aufgebauten Spannungsbogen ohne Klimax in der Luft hängen zu lassen.
Wie es besser gegangen wäre, zeigt trotzdem schon der Opener und Titelsong, der sich mit seinem die allgemeine Stimmung vorwegnehmenden getragenen Tempo, der ruhigen Melancholie sowie der sogar ansatzweise euphorisch suchenden Aufbruchstimmung hintergründig zu einer epischen Breite spannt. Und dem nahezu grenzenlos angenehmen Heaven’s Night den verdient großen Rahmen substantiell füllt.

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