Incubus – HQ Live

von am 28. August 2012 in Livealbum

Incubus – HQ Live

Was schenkt eine Band mit wankelmütiger Gegenwart und klassikergespickter Vergangenheit, welche die Best-of-Collection inklusive endloser Hitliste und Livedokument im Machtgewand bereits hinter sich hat, sich selbst um der treu ergebene Anhängerschaft zum 20 jährigen Jubiläum?

Incubus beantworten diese frage mit ‚HQ Live‘, dem kreativen Rundumschlag durch die eigene Discographie und Verbindungspunkt sowie Reflektionsfläche zu den Gedankengängen der unzähligen Fans aus aller Welt ebenso geschickt wie geschmack- und künstlerisch wertvoll. Dafür mieteten sich rechtzeitig vor ‚If Not Now, When?‚ eine Woche lang in Downtown LA in einem schicken Club ein, gestalteten die Location nach eigenen Vorstellungen um und luden Fans aus aller Welt zu Alben-zentrierten Gratis-Gigs, Workshops und Kunstaktionen ein bzw. ließen alle Zuhausegebliebene wahlweise online hinzuschalten. Heraus gekommen ist dabei eine bunte Interaktion, deren Herzstück ein Jahr später 28  dokumentierte Livenummern darstellen, die nun auch ihren Weg auf musikalischen Datenträger gefunden haben. In beinahe heimeliger Atmosphäre würdigen Brandon Boyd und Co. ohne Barriere zum Publikum jede Phase ihrer Karriere ausgiebig, spannen Incubus technisch versiert und gnadenlos aufeinander eingespielt ein durch und durch homogenes Gesamtbild der sieben Studioalben weshalb den Daheimgebliebenen abseits von spannenden Live-Art Interaktionen eine (eigentlich mehrere, von den Zusehern bestimmte, sich ursprünglich chronologisch durch das Schaffen der Band arbeitende) Setlist bleibt, die kaum Wünsche offen lässt.

HQ Live‚ versammelt nämlich beinahe (und natürlich doch ganz und gar nicht) alles, was man von Incubus lieben, zumindest aber kennen muss: von den ganz großen Hits (‚Drive‚, ‚Wish You Were Here‚, ‚Megalomaniac‚, ‚Love Hurts‘ etc. ) bis zu  famosen Kleinoden neben dem Scheinwerferlicht – immer versteht es die mittlerweile blind miteinander kommunizierende Einheit Incubus, diese makellos und frei beweglich auf die Bühne zu bringen, ohne sich kleine Späßchen mittendrin verkneifen zu müssen. So darf geblödelt werden, bevor der Fokus auf das unsterbliche ‚Morning View‚ gelenkt wird, danach immer wieder gerne. In dieser losgelösten Atmosphäre wird die Durchbruchssingle ‚Drive‚ ein balladesker Rocker, der erst spät die ganze Bandbesetzung in Anspruch nimmt und im grandiosen Solo mündet, hier und da schreitet der euphorische Publikumschor ein, obwohl Produzent Marc Scarpa den akustischen Fokus natürlich auf die Band legt, die dann etwa plötzlich ‚Riders on the Storm‚ vollkommen ungestelzt durch das heulende ‚Are You In‚ grooven lässt oder ‚Aqueous Transmission‚ mit orientalischem Blut und spanischer Flamencointention zum ganz großen Mandolinenkino aufzieht. Nebenbei rufen Incubus in Erinnerung, dass ‚Make Yourself‚ schier unednlich viele Klassiker in petto hat, vernachlässigen das grandiose Frühwerk ‚S.C.I.E.N.C.E.‚ leicht und die Funkanfänge nahezu komplett, pflücken nicht unbedingt restlos nachvollziehbare Momente von ‚Light Grenades‚ (etwa: kein ‚Oil and Water‚?!) und zu wenige der progressiven Technikexplosion ‚A Crow Left of the Murder‚ auf Tonträger, lüften danach schrittweise das damals noch gut gehütete Geheimnis und letztendlich versöhnliche angezeigte Alterswerk ‚If Not Now, When?‚.

Mit kurzweiligen Überraschungen und spontanen Färbungen halten Incubus die Sache so auch über die mit 130 Minuten rappelvoll gefüllte Spielzeit spannend und unterhaltsam, mehr noch, ‚HQ Live‚ ist eines jener wenigen Live-Alben, die einem das Gefühl vermitteln, tatsächlich gerne bei dem Happening – und nichts anderes ist diese Session mit all seinem bunten Drumherum letztendlich! – teilgenommen zu haben.Was durch die grandiose DVD noch einmal nachdrücklich unterstrichen wird, die neben Interviews und Behind the Scenes– Ausschnitten, Scratch-Übungen (‚Dj Killmore Clinic‚), Jameinlagen und ‚Drive‚ in der Gitarrenarmada-Fan-Version allerhand unterhaltsames und gehaltvolles zu bieten hat. Weswegen ‚HQ Live‚ in seiner Special Edition ausnahmsweise nicht nur für Hardcore Fans die interessanteste Version darstellt, sondern auch dem Gelegenheitshörer ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird, einfach. Allein für die Kreativität hinter der Veröffentlichung, dem transportierten Spielwitz auf ihr und der Gewissheit abseits, dass Incubus nach wie vor eine der besten, trotz in den letzten Jahren aufkommender Kratzer in der Makellosigkeit auf ihre Weise auch zuverlässigsten  Bands da draußen sind: Veröffentlichungen wie diese geben dem Metier „Live Mitschnitt“ überhaupt erst seine wirkliche Existenzberechtigung.

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