Indigo Sparke – Echo

von am 12. März 2021 in Album

Indigo Sparke – Echo

Ein minimalistischen Herantasten an Singer-Songwriter-Kleinode und stimmungsvollen Contemporary Folk: Die Australierin Indigo Sparke hat nach nach langer Vorlaufzeit mit prominenter Szene-Unterstützung ihr Debütalbum Echo aufgenommen.

Das beginnt in Colour Blind, als wäre What’s Up ein verlorenes Stück, das Weyes Blood für Sea Change geschrieben hat. Später wird Bad Dreams Angel Olsen assoziieren und Carnival wie eine Erinnerung von Marissa Nadler an Lana Del Rey im sparsamen Lagerfeuer-Instrumentarium anmuten.
Womit man schon bei einem der Schönheitsfehler von Echo ist: Musik, wie sie hier gepflegt wird, hat man schon aus unzähligen anderen Quellen verdammt ähnlich vernommen – es fehlt Indigo Sparke bei aller Sympathie einfach an einer originären Handschriften und einem individuell geprägten Sound.

Was auch daran liegt, dass mit der Big Thief-Riege um Adrianne Lenker und Andrew Sarlo (wie auch Philip Weinrobe sowie Shahzad Ismaily) zwar namhafte Genre-Liebkinder auf den Produktionssesseln sitzen, sie neben James Krivchenia (drums, synth), Max Oleartchik (bass), Nick Hakim (glockenspiel), Shahzad Ismaily (guitar, synth, vocals) und Lenker selbst auf der Gästeliste auch das Portfolio aufwerten – das ästhetische Spektrum der Platte aber genau genommen doch sehr überschaubar und gleichförmig geraten ist: Eine Akustikgitarre und die Stimme der Frau aus Sidney sind meist alles, was durch die Wahrnehmung der 33 Minuten von Echo streift. Sparsame Percussion in Schellen-Form wie im Opener bleiben eher die Ausnahme der Regel, wenn entschleunigte Tempi und sehnsüchtiger Hall ein Meer der Melancholie in ruhiger Sehnsucht zeichnen. Unaufgeregt und sphärisch schippert Sparke in bittersüßer Elegie und wird den Klangraum erst ganz am Ende merklich öffnen.
Das versöhnlich tröstende, bluesig perlende Baby gönnt sich dort ein paar schimmernde Synth-Hintergründe und gedoppelter Gesang sorgt für vielschichtigere Texturen und Facetten vor den Tallest Man On Earth‘esken Gitarrengeplänkel, die stimmliche Performance von Sparke wird zudem beinahe für Augenblicke ein wenig dringlicher, dramatischer. In Everything Everything geistert ein Piano körperlos durch den Äther, erschafft mehr Volumen und Struktur, verzaubert imaginativer und räumlicher.

Dann ist Echo vor allem ein Versprechen für die Zukunft, das davor jedoch schon jetzt seine Reize über eine tiefenwirksame Atmosphäre mit subversiver Klasse und dezenten Mitteln kreiert. Wie betörend das einsame Undone etwa still im Kerzenlicht liegt oder das fabelhafte Wolf seine ergreifende Traurigkeit so weich und sanft zeigt.
Dog Bark Echo zeigt als in Trance rezitierendes Herzstück auf, das in Zeitlupe wie ein Fragment zwischen Interlude und Song eine Erzählung mit experimenteller Struktur ist, schön ziellos nachdenklich, wohingegen Golden Age in Relation kompakter und knackiger auftritt, direkter und flott geradezu, vielleicht sogar als Quasi-Acoustic-Variante eines griffigen Indie-Ohrwurms.
Die Variabilität einer in Summe (und auch seiner kompositorischen Substanz) doch zu asketischen Platten liegt also im Detail. Weswegen es sich nicht nur wegen der tollen Texte lohnt umso hingebungsvoller in ein Debüt jenseits seiner selbst gewählten (und mit Ambivalenz zum Vor- wie Nachteil gereichenden) Limitierungen einzutauchen.

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