James Blake – Are You Even Real?

von am 12. Juli 2020 in Single

James Blake – Are You Even Real?

James Blake hat immer noch Herzchen in den Augen, kommt mit Are You Even Real? aber unter einem Violinen-Himmel auch auf einem Plateau der Glückseligkeit an.

Im Windschatten seiner 2019er-Liebeserklärung Assume Form hat sich Blake heuer ja primär Pandemie-bedingten Coverversionen auf seinen Social Media-Kanälen verschrieben – aber auch einer Reihe an Standalone-Singles, wie zuletzt You‘re Too Precious.
In diese Kerbe schmiegt sich nun Are You Even Real?, das trotz weitläufiger Kooperationen zudem endgültig alles Verlangen nach Kontrasten aufgegeben zu haben scheint, seine Romantik wunderbar an der Schwelle zur cheesy-süßlichen Schmalzigkeit positioniert und den Ambient und Trip Hop als Alternative R&B mit dezidiert bekömmlicher Pop-Sucht auslegt.

Schon der Einstieg bedient sich dafür in verhaltener Manier dem Kitsch und skizziert eine epische Ader, der sich jedoch in ein zartes Piano-Rührstück zurückzieht, behutsam balladesk produziert. Blake intoniert in Watte gepackt immer dringlicher, verfällt in einen beinahe rappenden Fluss – belohnt sich selbst aber mit unfassbar bezaubernden Violinenarrangements, die das klare Highlight einer auch atmosphärisch dichten, aber wenig Raum für Entdeckungen parat haltenden Nummer darstellen.
Blake fühlt sich in dieser auf Assume Form aufbauenden Komforzone merklich wohl, verschwendet also vorerst offenbar keine Gedanken mehr an stilistische Radikalität oder Wagnisse, sondern badet (bis zu einem etwas zu abrupten Finale) ganz in verträumter Anmut. Das ist wirklich schön, so unheimlich schön, wirft allerdings schon jetzt auch die Frage auf, wie lange er diesen Kuschelkurs fahren wird können, ohne gänzlich an spannenden Reibungspunkten zu verlieren.

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