John Frusciante – Maya

von am 30. Oktober 2020 in Album

John Frusciante – Maya

Damit hätte man gerade nach dem abermaligen Wiedereinstieg von John Frusciante bei den Red Hot Chili Peppers (und trotz einiger ordentlicher vorausgeganger Trickfinger-Releases) nicht rechnen müssen: John Frusciante kann elektronische Musik also doch, wie Maya beweist.

Was dann gemessen an der Tatsache, dass der heute 50 Jährige mit (den hier rückblickend allesamt zu wohlwollend bewerteten) PBX Funicular Intaglio Zone, Outsides, Enclosure und Renoise Tracks 2009 – 2011 im vergangenen Jahrzehnt doch erstaunlich talentfrei anmutende Rohrkrepierer aus dem Computer malträtiert hatte.
Wo diese direkten Vorgänger ihren Dilettantismus jedoch eine betont zerschossenen Penetranz zelebrierten, wirkt Maya nun absolut kompetent in seinem Wesen. Schon der starke Opener Brand E verdeutlicht jedenfalls, dass Frusciante es mittlerweile versteht, kompositionell runder und gefühlvoller zu agieren, atmosphärisch dichter zu arbeiten und Spannungsbögen zu kreieren, die nicht im Clusterfuck-Wahn gegen die Wand gefahren werden. Was so auch gilt, wenn selbst (das nicht grundlos so betitelte) Blind Aim mit seinen verschwurbelten Beats einen ähnlich lockeren Fokus zeigt, wie das ebenso mit sporadischen Gesangs-Samples experimentierende Reach Out.

Das Frusciante’sche Amalgam aus Drill and Bass, Jungle, IDM und Glitch-Versatzstücken entlohnt also nun weitaus überlegter und gefühlvoller, dass alleine die Songnamen weitestgehend konventioneller gewählt sind, ist symptomatisch.
Wenn Usbrup Pensul (Ausnahmen bestätigen eben die Regel) hibbelig aufgedrehte Hektik mit knubbligem Pumpen vermengt oder Flying seinen zwingend abholenden Rhythmen den nötigen Raum zur Entfaltung gibt, bevor der ätherische 80er-Space Invaders-Twist vollzogen wird. Pleasure Explanation klingt dagegen, als hätte Aphex Twin eine abgründige Jazz-Perspektive auf Batman am Gameboy erhascht und löst die Handbremse erst spät. Amethblowl stellt cineastisch knisternde Soundscape-Texturen Beats gegenüber, die in Säure-Distortion angebrutzelt wurde und Zillion kanalisiert als diffuse Traum-Trance nach der Skizze simpler Melodik noch eine treibende Dynamik, bevor Anja Motherless im Ambient dösend von frickeln Drumpattern als Katalysator kontrastiert wird.
Wer darauf wartet, dass Frusciante stilistisch noch einmal an sein fabelhaftes 2009er-Album The Empyrean anschließt, wird somit zwar weiterhin enttäuscht werden, alle anderen dürfen durch diesen 90er-Anachronismus voller UK Breakbeat und Hardcore-Liebe aber durchaus von einer Annäherung an eine lange nicht mehr so vom New Yorker gehörte Form sprechen.

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