Kryatjurr of Desert Ahd – Devastating Losses of Ecological Doom

von am 4. Januar 2023 in Album

Kryatjurr of Desert Ahd – Devastating Losses of Ecological Doom

Nachdem die Australier von Kryatjurr of Desert Ahd sich über zwei EPs in kurzer Zeit im Atmospheric Black Metal aufgewärmt haben, sind sie auch noch bereit, mit Devastating Losses of Ecological Doom im raschen Tempo ihr erstes Album vorzulegen.

Devastating Losses of Ecological Doom nimmt dabei den von den beiden Kurzformate Unbearable Nightmares of Heat and Desertification und Ecological Grief – Relentless Visions of Fire and Aridification ausgelegten Nährboden, adaptiert daraus bekannte Motive und Ideen (Crude Structures Retrieve Insufficient Freshwater klingt etwas wie eines der Interludes der ersten EP, jedoch erweitert um eine Art prägnant repetitiven Harmonika(?)-Alptraums, torkelnd den Suspense in schreitender Schieflage verstärkend), baut diese Ausgangslage allerdings zu einer vollwertigeren, kompletteren Interpretation des MO aus: Kryatjurr of Desert Ahd leben in einer dystopischen Black Metal-Welt von lovecraft‘schem Horror, der Markov Soroka als fester externer Bestandteil des Gefüges (und Gastsänger im Titelstück) wieder einen fast absurd die Höhen in dünner kHz-Frequenz anspannendes Soundgewand verpasst hat.

Dehydration Among Rotting Corpses (was für ein Titel!) lehnt seine ambiente Aura des Unwohlseins in eine psychedelische Trance, die gurgelnden Vocals greinen im Morast und eine hypnotische Rhythmik wird im Shoegaze-Schleier erahnbar: die Synergie aus Sound, Ästhetik und Songwriting verspricht hier gleich zum Einstieg auf dem Weg zum stellaren Märchen des mystischen Orients großes, bevor Hopelessness in the Face of Burning Ecosystems ohne tiefen Grundierungen kreischend den mit Blastbeats näher am konventionellen Black Metal ausgelegten Weg dagegen als zu konservativ nach gängigen Schemen angelegt zeigt.
Das kontemplativere Titelstück agiert dagegen wie das Delirium eines scheppernder Rausches, die Ahnung eines schleierhaft rockenden Malstroms: Manchmal wäre es in derartig veranlagten Szenen ganz interessant, wenn mehr Fleisch an den energischen Drums wäre, und nicht alles in einer so dünnen Lofi-Rohheit angelegt. Dass die Beleuchtung von Soroka jedoch Gold wert ist und niemals als Klischee verkommt, ist stets augenscheinlich.

Etwa in Torrid Earth Absorbs Our Dead, wenn die Band mit punkiger Attitüde kloppt, das Schlagzeug dem Ganzen eine ausgelassene Happy-Groove einverleibt, der Sound aber wie ein herrlich würzender Kontrast den Wahnsinn becirct und in einer herrlich eskalierenden Lead-Konturlosigkeit mündet.
Das abschließende And the Dead Feel It All (in dem – wie im Opener – S. am Mikro auf der Gästeliste steht) besticht dagegen mit einem latenten Industrial-Anstrich samt ritualistischer Percussion im hirnwütigen Strom aus tauendundeiner Höllennacht in Zeitlupe – funktioniert dabei aber eher wie ein Interlude und eine offen gelassene Hintertür, die manches an diesem Debüt zu überstürzt erscheinen lässt, viellerorts all die fantastischen Ansätze gerne stärker wachsen hätten dürfen.
Tatsächlich kann man Devastating Losses of Ecological Doom ungeachtet seiner bisweilen generischen Tendenzen und nur angedeuteten Grandiosität jedoch alleine den Vorwurf machen, dass es eine grottige Entscheidung war, einige der einzelnen Songs an ihren Enden ausfaden zu lassen um eine kurze Pause vor dem nächsten Track einzulegen – wobei der rote Faden eigentlich nahtlos aufgenommen werden würde. Das bricht die Stimmung und Spannung nämlich einfach so dermaßen unnötig, dass es schlichtweg frustriert. Weswegen das Erstlingswerk von Kryatjurr of Desert Ahd zwar eben auch vollständiger als seine beiden Herolde wirkt – aber trotzdem nicht restlos rund zu Ende gedacht. Nichtsdestotrotz zementieren die Australier hiermit ihren Ruf als eine der Entdeckungen des Jahres 2022 nahezu meisterhaft.

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