Likewise – The Horror

von am 22. Februar 2013 in EP

Likewise – The Horror

Die schlechte Nachricht vorweg: den Wahlwienern gelingt es knappe 8 Monate nach dem vielversprechenden Debütalbum ‚Prometheus Run‚ abermals nicht, ihre fesselnde Live-Energie im Studio adäquat auf Tonträger zu bannen. Weil Likewise hierzulande aber längst kaum eine andere Band in Sachen Folkrock das Wasser reichen kann, fällt wegen solcher Bagatellen bei derartigen Songs niemandem ein Stein aus der Krone.


Dass sich Likewise für die derartig schnell an den Albumerstling nachgeschobene EP ordentlich ins Zeug legen würden, davon kündigten ja bereits live einige vielversprechende Appetithappen. Die nun unter dem Banner ‚The Horror‚ versammelten 19 Minuten bestätigen diesen Eindruck spielend, passen doch bereits die Grundvoraussetzungen: die Oberösterreicher/Wiener haben mit Niki Hofmüller einen Sänger in ihren Reihen, dem man alleine wegen seiner gefühlvoll-rauchigen Stimme in die Schule der zeitgenössischen Springsteen-Jünger stecken möchte, die romantisierende Bildsprache seiner versierten Band verlangt dazu passend nach weiten Straßen, Sonnenuntergängen und gebrochenen Herzen. Wo andere aber auch im Studio penetrant zu schwitzen versuchen, strahlen Likewise mit ihrem eleganten Folk(rock) stets eine gewisse Grundanmut aus, welche in aller Schönheit nun auch ‚The Horror‚ dirigiert.

Das zurückgenommene ‚Daddy Issues‚ strahlt etwa als verträumter Ziehsohn von Two Gallants aus melancholischen Augen, nostalgisch schwermütige Songs wie das doch so unbeschwert tänzelnde ‚Love Is Not‚ konnte Connor Oberst früher einmal schreiben. ‚Up Up And Gone‚ forciert dann gemeinschaftlich das Händchen der Band für eingängige Melodien so unangestrengt, wie das adrette ‚FWWL II‘ mitsamt beschwingt-perlendem Piano seine Ohrwurmqualitäten beinahe zu sehr ins Rampenlicht karrt. Weil Likewise bis zum ausladenden Chor-Finale trotzdem in die Nähe von unschrulligen The Hold Steady und Craig Finn kommen, ist der Lagerfeuer-Appendix gleich noch schöner. Da macht es auch nichts, dass das abwechslungsreich gestaltete ‚The Horror‚ seine Sternstunde und Messlatte bereits zu Beginn von Stapel gelassen hat, der Beinahe-Titeltrack alles überstrahlend von der ersten Sekunde an mit bluesig heulender, anrüchiger E-Gitarre vor Gefühl überläuft und sich gerade deswegen zum astreinen Hit treiben lässt. Kein Wunder, dass diese drei Minuten nicht bis zum nächsten Album warten konnten.

Die Selbstverständlichkeit mit der sich Likewise weiterhin durch Folkrocklande von internationaler Qualität bewegen hinterlässt dennoch nicht restlos zufrieden, will sich der intensive Rausch, den das Quintett auf der Bühne zu entfesseln versteht doch auf Platte nie wirklich einstellen, bleiben durch die Bank starken Songs etwas zu adrett, sauber und geradlinig gewandet. Man ertappt sich bei dem Wunsch, die harmoniesüchtige Band auch auf Konserve in weniger manierlichem Licht präsentiert zu bekommen, impulsiver, idealerweise mit einer Produktion irgendwo zwischen The Low Anthem und Titus Andronicus. Aber Platte ist nun mal nicht Live, die vorhandenen Qualitäten des durch und durch (mehr als nur) soliden Songwritings verschwinden zudem ja nicht, sondern verlagern sich eben in die feineren Nuancen. Letztendlich ohnedies Jammern auf hohem Niveau. Denn wer wenige Monate nach einem überzeugenden Langspieler bereits wieder derartiges Material wie die hier versammelten (praktisch ja bereits im Sommer 2012 aufgenommenen) fünf Songs auf Lager hat, macht grundsätzlich so einiges verdammt richtig. Likewise unterstreichen ihr Versprechen an die Zukunft des hiesigen Folk jedenfalls nachdrücklich.

07

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