Luxury Problems – Let Go or Get Dragged

von am 31. August 2025 in EP

Luxury Problems – Let Go or Get Dragged

Luxury Problems sollten sich nicht über den Release-Termin ihrer ersten EP Let Go or Get Dragged ärgern. Ihr digital infizierter, chaotischer Midwest Mathcore glänzt nämlich auch im Schatten prominenterer Genre-Vertreter mit vielversprechendem Potential.

Ben Glass (Vocals/Arrangements/Programming), Randy Roberts (Drums/Arrangements) und Ian Smedbron (Guitars/Arrangements/Programming) kann man eventuell unter anderem von Future Trash, Disgunt oder The Unnecessary Gunpoint Lecture kennen.
Der Einstieg in die Panik-Attacken von 404: SELF_NOT_FOUND muss hingegen direkt mit The Dillinger Escape Plan assoziiert werden, wenn Stakkato-Attacken über vertrackten Rhythmen fauchen und der Algorithmus die Assoziationen danach im gefinkelt zusammengeschraubten Cut-and-Paste zu ähnlich naheliegenden Referenzen wie etwa Under the Pier oder The Armed weitermutieren lässt, derweil harmonischen Ahnungen in einem eklektronischen, cinematographischen Rahmen das periphere Sichtfeld unterwandern.
Wenn das Trio seinen Sound drosselt, um einer ruhigen Melodik Raum zu geben, wirkt das einerseits wie von einer schiefen KI zu bemüht in den Kontext gepresst – gleichzeitig erzeugt man dadurch aber einen seltsam eigenwilligen Reiz, der auch symbolisch dafür zu verstehen ist, dass Luxury Problems in ihrem Eklektizismus eine eigenwillige Ader freilegen wollen.

Auch die restliche EP stemmt so einerseits die vielversprechende Auslage der beiden 2024er Singles Sleepwalker und Systems Favorite Sycophant, erweitert das dortige Portfolio allerdings auch mit der erfrischenden Ambivalenz trendiger Ambition.
Die zähe Groove von WAGE THEFT tickt irgendwann aus, doch die dabei schraffierte Zugänglichkeit hat einfach einen indifferenten faszinierenden Charakter. Und TERMS AND CONDITIONS ist paradoxerweise im besten Sinne ein Clusterfuck – Death-affin und dem Alternative Rock zugetan, während sich ein sinfonisch schimmernder Schleier am Horizont auftut, sich das Szenario dem epochalen Panorama angenähert und die Sprengsel des digitalen Hardcore in die Frequenzen funken.
Der sich an der Vergangenheit festhaltende, nach vorne blickende Titel der EP passt insofern schon ganz gut: Selbst wenn Luxury Problems noch an den Feinjustierungen schrauben können, sollte  das Trio wohl nicht zwischen prominenteren Mathcore-Schlachtschiffen unter.

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