Voxtrot – Dreamers in Exile

von am 23. Mai 2026 in Album

Voxtrot – Dreamers in Exile

Voxtrot hatten schon bei ihrem selbstbetitelten Debüt 2007 ein schwieriges Verhältnis zum Album-Format. Das ändert sich nun auch nicht mit dem Zweitwerk und Comebackwerk Dreamers in Exile.

Waren es beim nichtsdestotrotz tollen Debüt der zwischen 2010 und 2022 getrennten Band von Mastermind Ramesh Srivastava die drei zuvor veröffentlichten, einfach noch besseren EPs Raised by WolvesMothers, Sisters, Daughters & Wives und Your Biggest Fan, die einen Schatten auf den Langspieler warfen, scheitert Dreamers in Exile zum einen am diesmal grundlegend etwas weniger starken Songmaterial (wobei man selbst einen so demonstrativen Filler wie Change nicht nicht mögen kann), zum anderen aber vor allem an der wirklich enervierend handzahmen, so unsäglich harmlosen Produktion – die die Band übrigens selbst zu verantworten hat.

Gleich nach dem soliden Opener Another Fire wirkt die die schöne, wenngleich zu lange ausgefallene Single Fighting Back, ohne den Willen, sich gehen zu lassen, ohne finalen Kick, Killer-Instinkt oder zumindest ein bisschen Reibungsfläche trotz aller Qualitäten einfach redundant.
Was symptomatisch ist. Denn wo sich die nicht unbedingt verbessert inszenierten Neuaufnahmen der in den Jahren seit der Reunion veröffentlichten Singles durchaus rund in das Gesamtwerk einfügen, und Voxtrot entlang eingängiger Ohrwürmer auch sofort charismatisch das typische Ramesh-Feeling erzeugen, tendiert Dreamers in Exile zu einer kaum zwingenden Kantenlosigkeit, lässt seine zurückhaltende Anti-Energie gefällig und gemütlich plätschern, ist geradezu frustrierend inoffensiv.

Ohne Euphorie oder packendes Momentum vertändeln Voxtrot ihr Comeback so beinahe an der Grenze zur Banalität und locken keinen Song dergestalt aus der heimeligen Komfortzone, dass er sein volles Potential erfüllen könnte. Gut ist das alles (mit ambivalentem Beigeschmack) dennoch.
New World Romance drosselt sein Tempo zum polternden Drive und schwelgt – auch wenn es selten angenehm ist, so viel Optimismus ohne sarkastischen Unterton zu hören – mit Streichern und später auch Bläsern einfach nur im Schmalz („It’s a beautiful world, can I please stay in it?“). Einmehmender gelingt dieser Kitsch dem verträumt und ruhig im orchestralen Ballsaal schwofenden The Times, der hinter dem soliden Titelsong-Standard leicht zu bezaubern weiß.

Esprit de Cœur tänzelt mit greifbarerer Rhytmussektion in den überhand nehmenden Streichern und Quiet Noise schippert betörend verträumt, um sich zu den Beatles aufzublähen – und hätte im Sequencing gerne mit Esprit de Cœur den Platz tauschen dürfen.
My Peace wird als Indie-Schmankerl locker und beschwingt so sommerlich aus dem Handgelenk geschüttelt und fühlt sich in den allgegenwärtig weichgespülten Arrangements wohl, derweil nur Rock & Roll Jesus tatsächlich etwas angriffslustiger bratzt, neben dem kammermusikalisch ruhigen, folkig an die Cembalo-Ausflüge von Vampire Weekend erinnernden Babylone aber auch den Sammelsurium-Charakter der Platte im schwächelnden letzten Viertel verdeutlicht.
Was wir auch alle anderen Kritikpunkte an der Platte kein schlimmes Drama ist – Voxtrot sind immer noch Voxtrot. Doch der Umstand, dass wir es auch so problemlos mit einem euphorisierenden Comeback zu tun hätten haben können, wenn ein externen Produzent das alles weniger langweilig (und sich auch sentimental auf die Nostalgie-Bereitschaft der wertungstechnisch aufrundenden Fans verlassend) angelegt hätte, weckt Emotionen, die stärker als die meisten Gefühlsregungen als das manchmal einfach ein bisschen egale Dreamers in Exile erzeugt.

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