Malady – Toinen Toista

von am 26. Februar 2018 in Album

Malady – Toinen Toista

Der größte Fehler von fünf Finnen bleibt auch anhand von Toinen Toista die ursprüngliche Namenswahl: Malady ist immerhin seit 2004 im Herzen auf ewig von der kurzlebigen Post Hardcore/Screamo-Legende aus Richmond besetzt, die aus der Konkursmasse noch legendärerer Bands wie City of CaterpillarPG. 99 und Pygmylush hervorgegangen war.

Die prägenden Referenzen für Malady aus Helsinki sind jedoch ohnedies und ganz generell anderswo zu finden: Bei Pink Floyd und King Crimson, bei Yes und ansatzweise auch aktuellen Opeth oder Kairon; IRSE!. Im psychedelischen Heavy Rock, Svart-Katalog und vitalen Canterbury-Sound also, jedoch so entspannt weich und unaufdringlich progressiv gespielt, dass eine melanchollisch-luftige Zärtlichkeit den smoothen Fluss von Toinen Toista permanent definiert: Scharfe Konturen oder tatsächlich heavy anziehende Passagen bleiben praktisch über die gesamten 42 Minuten außen vor.

Womit Malady ihr selbstbetiteltes Debüt von 2015 inhaltlich und stilistisch nicht nur aufgreifen und weiterspinnen, sondern dessen noch etwas weniger homogen nebeneinander herlaufende Fäden deutlich kohärenter und selbstverständlicher zusammenbringen: Derart mit sich selbst im Reinen wie die Finnen es auf ihrem Zweitwerk tun, muss man erst einmal klingen.
Dadurch lässt sich auch bedingungslos darüber hinwegsehen, dass das grundlegende Songwriting sowie die Unverkennbarkeit in der eklektische Genre-Identität der Epigonen Malady an sich nicht ausgeprägter oder eigenständiger, ist als bei etwaig nahverwandten Retro-Kollegen. Dafür verstehen es Malady jedoch umso ansatzloser, eine faszinierend einnehmende Stimmung zu weben, den direkten Epochentunnel in die 70er zustiefst authentisch und vor allem mit nonchalantem Understatement zu öffnen, der Zeitlosigkeit als natürlichste Sache der Welt erscheinen lässt.

Zudem fesselt vor allem der in sich geschlossene Spannungsbogen der Platte: Toinen Toista entwickelt hinter einer relativ gleichförmigen Intensität einen eleganten Fluss, in den man sich dösend verlieren kann.
Dafür müssen die warmen Gitarren, der organischer Bass und das lose taumelnde Schlagzeug sich im eröffnenden Titelsong erst einmal aufeinander einspielen. Spätestens mit dem Einsatz der in weiteren Folge prägenden Hammond Orgel von Keyboarder Ville Rohiola grooven Malady jedoch schon geschmeidig nach vorne, gönnen sich gleich zu Beginn einen unbekümmert streunenden Jam. Nach knapp 5 Minuten setzt der verträumte (finnische) Gesang von Babak Issabeigloo ein und fügt sich in seinem elegischen Schwelgen mit wattierer Harmonie in das Szenarium. Danach variieren Malady das installierte Setting nur dezent, schrauben aber doch immer wieder nuanciert in den Feinheiten.

Laulu Sisaruksille wagt als kurzes Interlude den Umweg über die klassische Abteilung in der Streichersektion des Orchestergrabens, bevor Tiedon Kehtolaulu wie eine ansatzlos-legere Adaption von Jonathan Wilsons Desert Raven aus der Folk-Ecke, die jedoch alsbald über retrofuturistische Synthieschichten und jubilierende Flöten in andere Sphären zur Trance schickt – was letztendlich weitaus ungezwungener und natürlicher klingt, als es sich lesen mag.
Etsijän Elinehto legt sich danach in einen latenten Dungen-Vibe und hat die vielleicht eingängigsten Gesangslinien einer Platte parat, die niemals wirklich greifbar werden möchte. Weswegen hier auch die Frage im weit offenen Raum schwebt, ob den Kompositionen oder Arrangements hier und da nicht ein etwas kräftiger zupackendes Element gut getan hätte, um die Kanten in der Performance zu schärfen.
Stattdessen baut sich das abschließende Nurja Puoli zum überragenden Monolithen der süchtig einlulelnden Platte auf und stellt mit seinen knapp 23 Minuten alles davorgewesene nicht nur spielzeittechnisch in den Schatten: Über zahlreiche Passagen deuten Malady das hinten raus in majestätischer Klarheit aufgehende Finale von Toinen Toista immer wieder an, das letztendlich mit schunkelnder Grandezza und grandioser (aber wie alles hier im Gesamten aufgehenden) Bassarbeit über den Horizont hinausheult und damit ohne Längen auch unterstreicht: Das Quintett mag als einer der formvollendesten Geheimtipps des Genres zwar immer besser werden, am Zenit sind sie jedoch vorerst noch nicht angekommen.

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