Mando Diao – Infruset

von am 13. November 2012 in Album

Mando Diao – Infruset

Die letzte Aufarbeitung poetischer Ergüsse durch bekannte Musiker führte im letzten Jahr bekanntlich zum kreativen Supergau ‚Lulu‚. Die Schwedenrocker Mando Diao beschreiten nun ähnliche Wege, beweisen mit unspektakulär anschmiegsamen Belanglosigkeiten aber doch deutlich mehr Geschmack.

Wo Lou Reed und Metallica 2011 Frank Wedekind vergewaltigten, nehmen sich Mando Diao nun Gustaf Fröding (1860-1911) an, seines Zeichens eine tragische Figur, als von Psychosen gebeutelter Alkoholiker und außerdem einer der wichtigsten, bekanntesten und erfolgreichsten Lyriker Schwedens, dessen Gedichte nun praktisch die Texte von ‚Infruset‚ darstellen. Wer des Schwedischen nicht mächtig ist, wird so also nur Bahnhof verstehen – kein Beinbruch anhand der Großtaten, welche die nach wie vor unverkennbar intonierenden Gustaf Norén und Björn Dixgård nicht zuletzt auf ‚Give Me Fire!‚ (etwa: „Aaaaaahhhhhhh!/ dance, dance, dance, dance, dance/uhhuhuhuhuhuuhuuuuhuhu/uhhuhuhuhuhuuhuuuuhuhuuuuuuhuuuuuuuuuuuuuuu!/Yeah!„) ersponnen haben – und außerdem der verträumten, geradezu unwirklichen Märchen-Atmosphäre von ‚Infruset‚ nur zusätzlich dienlich.

In Verbindung mit den Texten entfaltet das als tatsächlich regulärer Nachfolger des 2009er Hit-Albums geführte Poeten-Crossover eine Stimmung irgendwo zwischen Dungen im Schlafwagenmodus und Mando Diao’s heimlichen Discography-Highlight ‚If I Don´t Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow‚ (damals ja ein ähnlich sympathische Spinnerei auf dem Weg in die endgültige Massenwahrnehmung), allerdings in noch weitaus getragener Folk-Form. Keine offensichtlichen Hits und schon gar kein Rock’n’Roll, weit und breit: ‚Infruset‚ ist eine leise Platte geworden, eine, die oft nicht mehr als kleine Pianoakkorde oder verhuschte Akustigitarrenanschläge benötigt, seine allgegenwärtige Melancholie aber auch gerne mit kleinen Streicherarrangements, zartem Bombast und dezentem Kammermusikpop ausstaffieret – hier einen kleinen Chor auffährt und damit dort in sympathischer Hymnik schwelgt.

In ‚En Sеngarsaga‚ wirkt das schlimmbestenfalls als überlange, potentielle Zucchero-Balllade am Billo-Sythesizer, ‚Strцvtеg i hembygden‚ wird getragen von einer zauberhaften kleinen Melodie, die kalte Seelen erweicht. Im großartigen ‚Titania‚ lockert Gastsängerin Linnéa Dixgårds  die allzu gleichförmige Stimmung auf, ‚Men‚ ist jene Art von Volkslied, die man sentimental um drei Uhr früh singt, bevor es direkt in die Klappsmühle geht.  Obwohl keine Weihnachtsplatte, wärmt ‚Infruset‚ so mit jener Art aromatischer Winterexotik, die man gerne unter den Baum legt, und Freunden der Einkehr ans Herz. All jene könnten das offiziell sechste Mando Diao Album als sympathische Belanglosigkeit der kleinen Gesten und gefälligen Nettigkeiten zu schätzen wissen und sich nicht vom beiläufigen Plätschern der Stücke abschrecken lässt und ‚Infruset‚ als das sehen, was es ist: eine veritable Kauzigkeit als passender Soundtrack, um der Herbsdepression in gefälliger Langeweile zu entschlafen.

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