Marathonmann – Holzschwert

von am 13. April 2013 in Album

Marathonmann – Holzschwert

Man darf dem auf die aufsehenerregende ‚Die Stadt gehört den Besten‚-EP folgenden Marathonmann-Debütalbum phasenweise schon eine dezente Formelhaftigkeit im Songwriting attestieren um letztendlich doch feststellen zu müssen: viel falsch machen die vier Münchner auf dem mitreißenden ‚Holzschwert‚ trotzdem – oder sogar gerade deswegen – absolut nicht.

Die Zutaten bleiben auf den nun nachgelegten, wunderbar kompakten 37 Minuten die selben wie auf der 2012 bereits hohe Wogen schlagenden Hymne ‚Die Stadt gehört den Besten‚ (hier im saubererern Albumsound vertreten). Kraftvolle Riffschleudern zwischen (Post-)Hardcore, Punk und räudigem Rock. Der Metal steckt nicht nur im Detail und den manchmal gnadenlos in den Blast tackernden Rhythmen, die Gitarren arbeiten bei aller Melodik hart und unerbittlich. Marathonmann packen regelrecht muskulös abgehende Parts in die vor Energie überkochenden Songs, die schon auf Platte eine Garantie für verschwitzte Tummelplätze vor der Bühne abgeben: alles hier muss nach vorne drängen und kennt kein halten. In Sachen skandierter Dringlichkeit hat man sich dabei schlau bei Captain Planet informiert, das Erbe von Muff Potter will verwaltet werden. Eine allgegenwärtige Nostalgie bestimmt die getriebene Aufbruchstimmung der Texte, Michael Lettner shoutet sich durch markante Bilder: „Das alles hier soll nie zu Ende sein/ Alle Grenzen Überschreiten war der Plan und wir sind immer noch hier!“ schreitsingt er in ‚Wir sind immer noch hier‚. Wie unfassbar wohltuend pathetische deutsche Songtexte ohne jegliches Fremdschämpotential doch sein können.

Ein wenig zu oft suchen Marathonmann dabei vielleicht für ihre oft gleichförmigen Kompositionen die Auflösung in regelrecht hymnischen Momenten, Gesten der Verbrüderung: Groupshouts finden sich immer wieder auf ‚Holzschwert‘, bieten sich genau genommen aber auch an. Weil sie hier aus einen puren Ehrlichkeit heraus passieren. Da passt es nur zu perfekt ins Bild, dass Tom Mischok von Adolar auf dem Albumhighlight ‚Räume‚ (so graoßartig: nie klingen Marathonmann näher an Touchè Amorè orientiert) vorbeischaut, Richard Meyer von KMPFSPRT in der beinahe mit perlenden Indie-Gitarren arbeitenden Punkschönheit ‚In den Trümmern deiner Sätze‚ das Mikro mitanpackt und Donots-Mann Guido Knollman in ‚Wir sind immer noch hier‚ zu finden ist.

Die Münchner haben also das Kunststück zustande gebracht, ‚Die Stadt gehört den Besten‚ nicht als Bürde zu verstehen, sondern als gemeisterten Prüfstein: der einen Hymne werden mühelos neun weitere Hits nachgeschoben, die dem Vorboten praktisch nie nachstehen. Für Songs wie ‚Wenn du dem Teufel deine Hand gibst‚ oder das hastende ‚Propeller‚ würden zahlreiche längerdienende Kombos jedenfalls ihr letztes Hemd geben und man muss vor dem wahnsinnigen schnell von Statten gehenden, so absolut verdienten Erfolgslauf dieser erst Ende 2011 gegründeten Band schon den Hut ziehen: sowas kann man eben, oder nicht.
Anders sind auch die geschickt gesetzten, ruhigeren  Konterpunkte auf ‚Holzschwert‚ nicht zu erklären – weil eben nicht jede so atemlos agierende Kombo kleine Verschnaufpausen derart anstandslos zu den funkelnden Highlights einer ausfallfreien Platte emporheben kann: ‚Grabräuber‚ stellt das packende Schlagzeug vor seine weit streunenden Gitarren und den gedankenvoll aufblühenden Lettner, das majestätische ‚Schiffe versenken‚ ist schielt als überragender Schlusspunkt ansatzweise episch zum Ende eines fulminanten Einstandes, der die aufgenbauten Erwartungshaltungen in seinen besten Momenten nicht nur spielend erfüllt, sondern sie sogar übertrifft.

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