Mountain Witch – Cold River

von am 30. Oktober 2013 in Album

Mountain Witch – Cold River

Verdammt konsequent: kaum haben die deutschen Vorzeigedoomer von Kadavar für ‚Abra KadavarThis Charming Man Records in Richtung Major verlassen, hat das Münsteraner Label schon die nächste Sensation in der Pipeline. Allerdings soll folgend gar nicht weiter darauf eingegangen werden soll, dass man längst blind kaufen kann was die Ausnahmeschmiede im Rooster hat.

Vielmehr dreht sich hier alles um tiefhängende Gitarren, galoppierende Riffs und walzende Grooves, so klassische Genrekost wie es der Bandname vermuten lässt: Mountain Witch spielen ihren rasanten Doom an der Grenze zu den 1970ern, als der Heavy Blues sich zum Protometal zu verdicken begann – also bitte nicht mit den ähnlich gearteten aber schwächeren Witch Mountain verwechseln!
An die rein instrumentalen Anfänge der Band erinnert dabei in aller Stringenz nur noch der in bester ‚Paranoid 20.13‚-Manier nach vorne gehende Retro-Opener ‚Snake Wand‚ und natürlich: Originalitätspreis werden die mittlerweile durch Turbostaat Bassist Tobert Knopp kongenial verstärkten Renè Sitte und Renè Roggmann keinen für sich beanspruchen können, speist sich ‚Cold River‚ doch wie unzählige weitere Vintage-Genossen dankbar aus dem Fundus rund um die Götter von Black Sabbath. Was Mountain Witch vielen der nahverwandten Epigonen allerdings voraus haben – und nein, hier soll obwohl zutreffend nicht die alte Leier von wegen Authentizität bemüht werden! – ist eine unangestrengt spritzige, dynamische Herangehensweise an das anachronistische Gebräu, ‚Cold River‚ trumpft in seinen sportlichen 40 Minuten neben all den ‚Iron Man‚ und Deep PurpleDéjàvus mit enormen Spielwitz, enthusiastischem Tatendrang und dem ständig aufzeigenden Händchen für zündende Details auf, macht in den headbangenden kleinen Songmonolithen einfach zuviel goldrichtig, um in der Masse unterzugehen.

Ein druckvolles Stonerbrett wie ‚The Covey‚ bringt jedenfalls sogar The Sword in Verlegenheit, das schwerfällige ‚Shrubbery The Warlock‚ wattet in einer Slo-Mo-Coolness bis hin zu beißenden Unheilsknurren und ‚Sleepers Chant‚ groovt sich mit einer Lässigkeit aus der Hüfte heraus ein, bis Mountain Witch das Szenario nach knapp der Hälfte der Spielzeit in eine Achterbahnfahrt rund um einen hypnotischen Schamanengesang umlenken – leider aber letzten Endes das aufgebaute Potential etwas verschenken. Effektiver geht da schon das immens mächtige ‚School of Night‘ mit seinen explodierenden Verstärkern um: Electric Wizard Magie liegt zum Greifen nahe in der Luft!
Das überragende ‚Once I Am King‚ lässt dann mit verschobener Rhythmik im stoischen Marsch aufhorchen, während Drummer Roggman seine nebulösen „Ohoos“ in bester Queens of the Stone Age-Gangart über den Song legt, bevor sich Mountain Witch plötzlich in den jammenden Psychdelikmodus zurücklegen, dorthin, wo Witchcraft ansonsten ihre Pfeife kreisen lassen: der Hamburger Band stehen gerade die Momente abseits der schweißtreibenden Riffritte besonders gut. Weswegen auch der so gefühlvoll die Augen schließende, zurückgenommen im Blues fußende Titelsong am Ende ganz großes Kino ist, mit seiner trocken grätschenden Heavyrock-Gitarre sowie zarten Pianotupfern den aktuellen Klassenbesten von Graveyard zumindest Respekt abverlangen wird.

Diese stärksten Momente von ‚Cold River‚ (also vor allem die superben letzten 15 Minuten der Platte) sind es dann auch, die beinahe vollends vergessen machen, dass Mountain Witch hier phasenweise noch ein klein wenig zu stringent den Regeln des Genrespiels folgen, die eigene Handschrift zugunsten einer ehrwürdigen Heldenverneigung erst perfektionieren müssen und ihren Songs in Zukunft auch gerne noch mehr Platz zum wandern einräumen dürfen. Allzu weit aus dem Fenster lehnen muss man sich hiernach allerdings dennoch nicht um zu orakeln: spätestens mit der nächsten Platte werden Mountain Witch wohl die Früchte dessen ernten, was mit ‚Cold River‚ ausgesät wurde. Hier köchelt jedenfalls ein großes Versprechen an der Mündung von Doom und Stoner. Womit This Charming Man Records mal wieder den richtigen Riecher bewiesen zu haben scheinen.

07

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