Black Sabbath – 13

von am 17. Juni 2013 in Album

Black Sabbath – 13

Von wegen Relevanz, Krankheit und Senilität: Black Sabbath sind 18 Jahre nach dem letzten Studioalbum näher dran an der Originalbesetzung als jemals sonst seit dem 1983er Ozzy-losen ‚Born Again‚ – ‚Reunion‚ von 1998 mal außen vor.  Weil mit Bill Ward zwar (inzwischen) (wieder einmal) niemand kann (oder will) sprang kurzerhand Rage Against The Machine– und Audioslave-Trommelvieh Brad Wilks an der Schießbude zu Hilfe, während sich Black Sabbath mit Rick Rubin im Studio trafen um einen klassischen Black Sabbath-Brocken aus den gar nicht so steifen Hüften zu rocken.

13‚, das insgesamt 19. Album unter dem Black Sabbath Banner, steckt nicht nur knietief in der Ambition den ersten vier Meisterwerken der Metal-Initialgebern aus Birmingham fast viereinhalb  Jahrzehnte später einen adäquaten Abschluss zu verpassen, sondern wagt mit den ausfadenden Donnergrollen in ‚Dear Father‚ gar den abrundenden Schulterschluss zum eröffnenden selbstbetitelten Song auf dem selbstbetitelten Album, mit dem 1970 alles anfing: „Is this the end of the beginning?/ Or the beginning of the end?“ schmettert Ozzy gleich zur Eröffnung von seiner Kanzel. Black Sabbath lassen die Fragen im Raum stehen, antworten aber mit einem Ausrufezeichen, dass völlig unpeinlich (vielleicht die größte Überraschung bei diesem Comeback!) an die Heydays der Metal-Erfinder anzuschließen versucht.

Unter der wuchtigen (und auch etwa zu sauber inszenierten) Regie des zuverlässigen Wurzelsuchers und Alterswerk-Aufpäpplers Rick Rubin (hat er ja auch schon bei Johnny Cash und Neil Diamond hinbekommen) haken Ozzy Osbourne (greint wie zu seinen besten Zeiten, keine Spur von der trotteligen The Osbournes-Clownerie, die den 64 jährigem wohl bis ins Grab verfolgen wird), Tommi Iommi (eine zuverlässige Rifffabrik in den dunklen Landen zwischen Doom und Metal, der auch beim recyceln nichts falsch macht), Geezer Butler (druckvoll versiert und atmosphärisch dienend, wie gewohnt) und Brad Wilks (Brad Wilks eben) in der Zeit vor jedweden Synthie-Experimente ein, dort, wo Riffs tonnenschwer aus den Verstärkern als flotte Lavamasse fließen und kleine Tempo-Anstiege wie das hardrockige ‚Loner‚ die Slo-Mo-Walze Black Sabbath immer wieder auf die Überholspur schickt.

13‚ ist damit so sehr Black Sabbath geworden, wie man das der alten Herrenriege trotz unterhaltsamer Aufwärmrunde kaum mehr zugetraut hätte. Ozzy thront fies über energischen Riffkaskaden, die Rhythmen rudern unnachgiebig, selbst in den proggressiver ausladenden Songs offenbart die Band ihr Händchen für absolut eingängige Melodien und Hooklines. Das klingt zwar stellenweise eher beinhart souverän und zielgenau ambitioniert als wirklich ausgehungert und gefährlich, zeigt aber trotzdem  imposant auf, dass Black Sabbath selbst im Alter nicht verlernt haben, ihre ureigene Genrekreation auch Jahrzehnte nach der letzten Kreativexplosion zu meistern, wie das zahlreiche Sludge-Jünger wohl nicht einmal in ihren kühnsten Träumen ausmalen könnten.

Schon ‚End of the Beginning‚ beginnt catchy und schaltet effektiv am Tempo, der unheilvolle ‚War Pigs‚-affine Vorabbote ‚God is Dead?‚ zündet mit der selben unterhaltsamen Selbstsicherheit und Nachdrücklichkeit. Immer wieder grätscht Iommi mit exaltierten Solos durchs Geschehen, am imposantesten wahrscheinlich in ‚Age of Reason‘, während sich epische Chöre im Hintergrund dezent abzuzeichnen beginnen. ‚Live Forever‚ ist der vielleicht größte Hit in diesem Reigen aus klassischen Ohrwürmern, ‚Damaged Soul‚ lässt die Mundharmonika wild durch das schlammige Gewächs aus groovendem E-Blues treiben, räudig und zeitlos. Derart sonnen sich Black Sabbath auch nur zu gerne in den eigenen Errungenschaften, erweisen sich als würdige Erbverwalter ihres Reiches, „philosophieren“ vor allem über Gott und mehr oder minder existentialistische Fragen, da darf ein ‚Zeitgeist‚ guten Gewissens als ‚Planet Cravan 2.0‚ durchs Universum driften und ‚N.I.B‚ anhusten.

13‚ erfindet das Rad damit natürlich nicht neu – zum Glück möchte man meinen. Black Sabbath fühlen sich so tatsächlich nach Black Sabbath an und umspielen den gerne aufkeimenden, fahlen Reunion-Geruch achtmal ausfallfrei mit kraftvoll zulangenden Songs, die ihre Trümpfe der Ausgangslage nach beinahe ideal ausspielen. Musik die den schnellen Reibach als einzige Zielvorgabe hat klingt jedenfalls anders, vielmehr wollen es Iommi, Butler und Osbourne noch einmal wissen. ‚13‚ begeistert zwar vor allem, weil es die (geringen?) Erwartungshaltungen überspringt, sollte aber gar selbst jene Skeptiker überzeugen, die für dieses Comeback vorab ausnahmslos schwarz gesehen haben: mit knappen 55 Minuten Geschichts-Stunde, die nicht nur authentisch wirkt, sondern vor allem Spaß macht. Womit die Schließung des Kreises zur Anfangsphase der Band unglaublicherweise – wenn natürlich auch nicht auf Augenhöhe – weitestgehend gelingt.

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