Oranssi Pazuzu – Kevät / Värimyrsky

von am 19. April 2017 in EP

Oranssi Pazuzu –  Kevät / Värimyrsky

Okay, die Ende 2016 anhand von Varahtelija getroffenen Prognosen sind nicht eingetreten – der große Boom um Black Metal Bands, die wie Oranssi Pazuzu klingen wollen, lässt zumindest weiterhin auf sich warten. Macht aber nichts, so lange die Finnen selbst ihre originäre Genre-Melange weiterhin derart konsequent abliefern.

Während die breite Bewunderung für das vierte Studioalbum der Freigeister dafür sorgt, dass aktuell vor allem auch der bisher vergriffene Backkatalog von Oranssi Pazuzu aufgrund der gewachsenen Nachfrage neu aufgelegt wird, und die einzelnen Mitglieder der Band an Projekten rund um das Wasteland-Kollektiv arbeiten oder im Fall von Juho Vanhanen auch als Produzent tätig sind, legt sich das Mutterschifff aus Tampere nicht auf die faule Haut, sondern nützt den Rückenwind der gestiegenen Aufmerksamkeit für ein kurzes Intermezzo: Die beiden A-Seiten Kevät sowie Värimyrsky unterstreichen den Ausnahmestatus der Finnen (mal nebensächlicher, mal eindrucksvoller) quasi im Vorbeigehen.

Kevät deutet den Black Metal bedächtig schleichend als atmosphärisches Gothic-Meer mit dezenter The Cure-Färbung in den Gitarren an, treibt melancholisch und düster. Die knapp sechs Minuten leben vor allem von der erzeugten Stimmung, die sich über den greinenden Growls mit einer shoegazenden Unaufgeregtheit hin zum verträumt psychedelisch entspannten Drone – bleiben aber ohne nennenwersten Geistesblitz oder Entwicklung unter dem Strich eher ein zutiefst atmosphärisches Intro für das kommende Värimyrsky.
Was da als typischer Blackgaze-Vertreter zu beginnen scheint, schlägt immerhin alsbald aus dem ambienten Lager auf den Roadhouse-Highway um. Über den sinnierenden Einstieg tauchen Oranssi Pazuzu das Geschehen mit bedrohlicher Kante an und verfallen in einen vergleichsweise straight nach vorne gehenden Spacerock-Modus, der seine Soundschleifen zwar in den Himmel beamt, aber seinen Rhythmus auf den Boden vor der schweißnaßen Bühne bringt. Die beschwörenden Geisterwald-Vocals sorgen für einen angenehmen Kontrast, die verwaschene Produktion nimmt dafür einiges vom vorhandenen Druck. Der angedeutete hymnische Climax will in seiner angerissenen Epik nur teilweise dafür entschädigen, zeigt aber einmal mehr das Talent der Band für vielschichtige Texturen.

Eigentlich nur als (via Svard Records und 20 Buck Spin aufgelegtes) Schmankerl auf der aktuellen 2017er-Tour zum Verkauf angeboten, gibt es das limitierte 10″-Vinyl in den Ausführungen Blue, Clear oder Black auch über einschlägige Dritthändler-Seiten und ausgewählte Plattenläden zu erstehen. Der Aufwand lohnt sich dabei natürlich in erster Linie für bereits bekehrte Fans. Sie werden an dem vielleicht nicht gänzlich essentiellen, aber rundum gelungenen Appendix zu Varahtelija trotz minimal zu verbuchender Abstriche ihre Freude haben und sich nur zu gerne in den hypnotischen Sog verlieren, der zwischen soliden Band-Standards, etwas unbefriedigt entlassender Fragment-Zelebrierung und einer faszinierenden Fingerübung aufzeigt.
Dennoch ist das Kurzprogramm Kevät / Värimyrsky eher als nur sehr gute Fußnote für die Discografie zu verstehen, der das unberechenbare Weirdo-Momentum zur restlosen Extase ein wenig ernüchternd abgeht. Was aber auch daran liegen kann, dass Oranssi Pazuzu auf Albumlänge doch am besten funktionieren.

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