Parquet Courts – Human Performance

von am 6. Mai 2016 in Album

Parquet Courts – Human Performance

Parquet Courts biegen nach dem personaleinschränkt produzierten Langspieler-Intermezzo unter ihrem Alter Ego Parkay Quarts mit Human Performance wieder auf die Band-Hauptfahrbahn ein. Dort lässt es sich mit demonstrativem Desinteresse halt auch einfach noch besser mit ihren gegen die Wand gefahrenen Hits zwischen Slackertum, Indierock und DIY-Punkattitüde kokettieren.

Als besonders pedantische Ordnungsliebhaber und Sauberkeitsfanatiker wären einem Parquet Courts bisher nicht aufgefallen. Weswegen der Start in Human Performance durchaus (und bei dieser Band auch ein bisschen: natürlich) auf dem falschen Fuß erwischen kann: Dust gibt hibbelig polternd die Hymne auf den Kampf gegen den Hausstaub, bevor Parquet Courts kurzerhand den Auffahrunfall provozieren. „It comes through the window/ It comes through the floor/ It comes through the roof/ And it comes through the door/ Dust is everywhere/ Sweep“ tönt es da im unenthusiastischen Sprechgesang rezitierend. Und ja – wenn die beiden Leadsänger Andrew Savage und Austin Brown sich im Wechselspiel diesen bemühten Stil am Mikro wählen, kann das weiterhin auf monotone Art und Weise ziemlich bald sehr nervend sein (siehe etwa auch Captive of the Sun als polternde Ansprache in der Lava-Lounge). Doch der eigentliche Punkt ist: Sie schildern hinter der vermeintlichen Offensichtlichkeit tatsächlich trocken das beklemmend Siegen der krankhaften Neurosen – am Cover räkelt sich übrigens auch kein weiteres sonnenbadendes Tier, sondern ein Mensch im akuten Epilepsieanfall.
Man lernt also schnell: Im Grunde sind die so latent angehangen daherkommenden Parquet Courts mittlerweile eben doch längst hintergründiger, als ihre vermeintlich so teilnahmslos aus den Handgelenken geschüttelte Attitüde glauben machen will.

Und wie man spätestens seit dem regulären Vorgänger Sunbathing Animal weiß, auch musikalisch ambitionierter, vielseitiger, zerrissener. In Ausnahmefällen – wie eben dem Opener – kann und will das  auch bewusst immer noch ein bisschen mühsem und verwirrend gegen den Strich gebürstet sein, weil Parquet Court sich partout nicht festnageln lassen wollen, lieber eigenwillig exzentrisch auftrumpfen, als sich der Schmissigkeit ihres Songwriting auszuliefern.
Im Vergleich zu Ihrem insofern ein wenig ratlos hinterlassenden, aber den endgültigen Durchbruch bringenden 2014er Werke  gelingt es den Brooklynern nun aber, ihre unverbindliche Kombination aus Verneigungen vor Lou Reed und The Velvet Underground, Wire, Pavement oder den Wipers kohärenter und stimmiger zu einem Albumpaket zu schnüren – man springt weniger beliebig zwischen Highlights und repetitiven Ausfällen umher. Oft sind dafür nur Kleinigkeiten nötig, wie der gelungene Kniff I Was Just Here zwar über weite Strecken so bemüht anstrengend stacksen zu lassen, als würden Ought besoffen durch das Pub taumeln – durch einen Punk-Coup auf die letzten Meter aber für mehr Spannung und den Bau einer stimmigeren Gesamtdynamik sorgen.
In Summe ist es aber vor allem die Qualität der vielseitig einsetzbaren Kompositionen, die weniger aufregend als bisher geradezu abgebrüht um ihre individuelle Klasse weiß.

Da finden sich schlau konstruierte Postpunker mit hyperventilierenden Ausbrüchen und harmonischen Auflösungen in bester Protomartyr-Manier (Paraphrased) neben politisch bissig/musikalisch simplizistischen Uff-Ta-Rabauken (Two Dead Cops), pointierte Ohrwürmer (Pathos Prairie) und selbst das psychedelische Jam-Mäandern durch weite Ausläufe bekommen Parquet Courts diesmal beinahe auf den Punkt dösend hin (One Man, No City).
Am besten aber ist das Quartett ohnedies immer dann, wenn es sich gar nicht erst gegen die Tatsache strebt, dass Parquet Courts im Herzen schlichtweg eine fantastische Popband sind. Dann ist der Titelsong eine melancholisch dräuend plätschernde Schönheit mit nostalgischen Überbau und psychedelischen Zusatzlagen im Refrain, die auch Blur gefallen dürften, oder Outside eine catchy Fingerübung, die sich beinahe zufällig auf die Platte geschummelt zu haben scheint. Durch Keep It Even schlendert der Country nur noch, nachdem er aus dem entwaffnend leichtgängigen Berlin Got Blurry den vielleicht herausragendsten Hit der Platte fabriziert hat. In Steady On My Mind klingen die alten Romantiker dafür, als hätten sie im Backstagebereich ein Lagerfeuer angezündet und das mit müden Augen schunkelnde It’s Gonna Happen beendet Human Performance schon ganz so, als hätte die Band sich in der so famosen ruhigeren Gangart tatsächlich zu einem  konventionellen Album hinreißen lassen. Der Weg könnte dorthin zu führen, doch einstweilen gelingt Human Performance in gewisser Weise – und als das zweitstärkste Album einer qualitativ dann doch verdammt konsistenten Band – schon einmal nahezu all das, was bereits Sunbathing Animal wollte, aber noch nicht konnte.

07

Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Related Post:

Print article

1 Trackback

  • Honorable Mentions 2017 - HeavyPop.at - […] in ihrer Ziellosigkeit eine visionäre Stringenz an den Tag, die nahverwandten Vorgängern wie Human Performance, Sunbathing Animals, Mosquito oder…

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen