Pete Yorn – Caretakers

von am 17. August 2019 in Album

Pete Yorn – Caretakers

In den vergangenen Jahren ist Pete Yorn eigentlich immer nur dann in das (Beinahe-)Zentrum einer breiteren Aufmerksamkeit gerückt, wenn Scarlett Johansson ihm einen medialen Boost verschafft hat. Warum das doch ein bisschen unfair ist, lässt sich auf Caretakers noch besser nachhören, als auf beinahe jedem anderen Werk seit Musicforthemorningafter.

Mit seinem siebten Soloalbum – dem ersten seit übrigwns knapp drei Jahren – hat Yorn im typischen Spannungsfeld aus Singer-Songwriter-Pop/Rock immerhin einen zutiefst angenehmen Sommer-Soundtrack geschrieben, der im Grunde soviel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als weitaus weniger qualitative Werke etwaiger Kollegen sie bekommen – auch wenn Caretakers diese eben nie explizit einfordert (sogar während der Abwesenheit von Ryan Adams).
Nummern wie I Wanna Be the One oder Can’t Stop You laufen ohne nachhaltige Tiefenwirkung mit einer souveräneren Klasse gefällig nebenher, sind unspektakulär im besten Sinne, eingängige Kleinode ohne Representationssucht und schlichtweg nonchalante Ohrwürmer, für die man ins subtile Schwärmen geraten kann. Nur das flotte Do You Want to Love Again? kann in seiner sanften Eingängigkeit ein bisschen zu frontal werden, ansonsten inszeniert Yorn auch markantere Basslinien wie jene von Idols (We Don’t Ever Have to Say Goodbye) mit viel Understatement.
Nicht nur im Titelsong agiert Yorn immerhin weitestgehend reduziert auf eine Akustikgitarre und seine Stimme konzentriert, Produzent Jackson Phillips (Day Wave) lässt auch knackigere Songs ruhig und unaufgeregt in die Gehörgänge plätschern.

It’s just me and Jackson playing everything, and it’s kind of the most—what’s the word?—homogenous record. I’ve done records where I’ve had five different producers and I remember being like, ‚This thing’s all over the place.‘ It’s just me and him pulling from a lot of the same instruments in the same room and it has kind of a consistency in that manner“ erklärt Yorn eine (zwar nicht unbedingt derart homogene, aber durchaus) runde Sache ohne wirkliche Ausfälle (aber eben auch gravierend aufzeigende Über-Highlights), die durchaus abwechslungsreiche Facetten spendiert bekommt, den Fluß bis zum latent egalen Finale auf gefällige Art dynamisch hält.
Hier und da bekommen eher gute als mediokre Kompositionen wie ECT ein paar Synthies spendiert, Opal klingt ansatzweite wie ein Cover des Lay Lady Lay-Covers von Magnet, dem irgendwann ein wenig die Luft ausgeht, und Try kann auch durch einen sanften Backingchor kein Gewicht entwickelten. Calm Down inhaliert dagegen ein bisschen Real Estate-Entspannung, der Titelsong könnte ein Versuch sein, sich mit kontemplativ schleichenden Tempo, Klavierelegien und sanften Bläsern Death Cab for Cutie anzunähern und POV der gar nicht so ungeschickte Versuch, einen Strokes-Song zu schreiben.
Dass man wohl spätestens in wenigen Wochen nicht mehr an all diese Qualitäten denken wird, hat dann eben auch keineswegs etwas damit zu tun, dass diese auf Caretakers nicht vorhanden wären – man wird durch ein bisschen zu viel kantenlose Langeweile zwischen den Zeilen (und gerade hinten raus) wohl nur recht bald wieder darauf vergessen haben.

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