Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs – King of Cowards

von am 6. Oktober 2018 in Album

Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs – King of Cowards

King of Cowards hält, was Feed the Rats als Geheimtipp aus dem Jahr 2017 bereits im Groben versprach: Das Rock ’n‘ Roll ’n‘ Tonic Wine-Quintett aus Newcastle-Upon-Tyne mit dem penetranten Namen fokussiert sein zwischen räudigem Stoner und rörendem Doom zur Heavy Psych-Hatz anschwellendes Gebräu endlich soweit, um windschnittiger an der Genre-Speerspitze mitmischen zu können. 

Bei einer annähernd ähnlich bleibenden Spielzeit bringt es King of Cowards im direkten Vergleich zu Feed the Rats gleich auf die doppelte Anzahl von Songs – Distanzen von bis immer noch zu 9 Minuten sind in Relation zu bisherigen Brocken wie der Vorstellungsrunde The Wizard and the Seven Swines tatsächlich geradezu kompakt gehalten. Diese Hinwendung zur gesteigerten Handlichkeit darf aber durchaus als gesamtes auf die Entwicklung der Band umgemünzt werden.
Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs haben in jeder Hinsicht aus dem Vorgänger gelernt, dessen Vorzüge übernommen und die Mängel weitestgehend zurückgelassen, das Songwriting nicht unbedingt verfeinert, aber auf eine breitere Basis gestellt. Immer noch dominieren wuchtig zwischen Black Sabbath und Motörhead bratende Riffs aus dem Doom-Lehrbuch Marke Hey Colossus, Eagle Twin, Monolord, Part Chimp oder Electric Wizard das nach vorne getriebene Geschehen, prägt ein halluzinierender Vintage-Vibe ala Monster Magnet die Perspektive, während Frontmann Matt Baty seine dunklen Texte in beinahe Conan’scher Schlachtfeld-Manier als heiserer Matt Pike aus dem Gitarrengebirge schreit und Neo-Drummer Chris Morley den motorischen Groove von seiner Ex-Kombo Gnod mitgebracht hat.

Allerdings wurden für das Zweitwerk bisher noch vorhandene Längen und (ein dem Bandnamen in nichts nachstehendes Ausmaß an) Monotonie auf ein Mindestmaß gekürzt, darf sich das Songwriting nun abwechslungsreicher bewegen. Anstelle von ermüdender Repetition setzen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs stärker auf Umschichtungen und Wendungen, halten sogar einige Überraschungen parat.
Das überragende GNT bekommt etwa einen psychedelischen Pink Floyd-Überbau, lässt seine Spannungen auch einmal auf die Folter spannend lauern und schickt sein Riff dann doch mit einem rohen Pragmatismus auf den Highway, als hätte Uncle Acid in den hallschwangeren Sphären der Comets on Fire eine Party mit den versifftesten Kumpels im Backing-Chor gefeiert. A66 klopft beinahe protopunkig in Stooges-Manier nach vorne, ist aggressiv und angriffslustig auf Konfrontationskurs, bevor sich die Truppe später doch für ein paar Tempo- und Intensitätswechsel entscheidet und für das Finale soviel Kerosin in den Tank schüttet, bis die Intensität überkocht – spätestens live wird hier die Lage hierzu eskalieren.
Und Gloamer darf dann als krautige Annäherung an den Noiserock sicherlich primär dem neuen Einfluss von Morley zuzuschreiben sein, obwohl auch Baty sich für den Schlußpunkt der Platte entscheidet zu rezitieren wie Dave Wyndorf in Trance, die Nummer trotzdem immer wieder als manisch heulende Nackenmuskulaturwalze aufplatzt, mittendrin eine zum Gitarrenexzess austickende Exkursion angetäuscht wird und Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs letztendlich doch lieber nach seinen mit angespannten Adern in den Abgrund geschriehenen Durchhalteparolen gegen den Strich bürsten und vor spacigen Synthie-Effekten ausbluten.

Derartige Variablen bleiben natürlich vom konstanten Gesamtsound definiert, doch rufen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs ihr bisher vor allem grob umrissenen Potential im zweiten Anlauf eben generell effektiver ab, kommen endlich zum Punkt. Anhänger von stilistisch nahverwandten Kollegen können also mit der Zunge schnalzen, wenn Shockmaster das Tempo zur mächtigen Planierraupe drosselt, sich transzendiert in Rauchschwaden zurücklehnt, Thumbsucker entspannt die Schwere seiner mächtigen Saitenfraktion zelebriert und hinten raus justament dann noch einen energischen Schub bekommt, wenn sich die Nummer enervierend zu strecken beginnt, oder der etwas zu schablonenhafte Schunkler Cake of Light in seinem simplizistischen Wesen erst wenig inspiriert Standards abspult, weswegen sich Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs irgendwann kurzerhand selbst in einen verqueren Strudel ziehen, aus dem sie mit einem hymnisch dem Solo nahekommenen Höhepunkt die Euphorie finden.
Selbst die schwächeren Phasen der Platte belohnen insofern mit kleinen Geistesblitzen, lassen den Unterhatungswert kurzweilig nach oben schnellen. In der Summe überzeugt King of Cowards deswegen auch vor allem mit dem Kniff, dass die Rezeptur hinter der Platte zwar schon unzählige Male im Genre-Kochtopf vorgekocht worden sein mag, Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs das dickflüssige Amalgam Acid Doomrock aber mit einer derart selbstverständlichen Lockerheit anrühren, die nur die verinnerlichte Gewissheit mit sich bringen kann, wenn man sein Handwerk formvollendet versteht und ordentlich Power in die Darbietung pumpen kann. Tropen und Klischees stellen da kein Fettnäpfchen dar, so lange man etwaige Bauskastenmotive hungrig und vital aus den unnachgiebig stoisch qualmenden Verstärkern bürstet. Passiert alles so in diesem angekurbelten Stück Heavyness.
Das mag deswegen auch genau genommen vielleicht weiterhin so originär sein, wie die Namenswahl der Briten effekthaschend ist – bedient aber aufgrund der Klasse der Kompositionen und Intensität der Darbietung nicht mehr nur die nötigen Grundbedürfnisse, um kategorisch Oberwasser zu behalten, sondern sticht mittlerweile weit über dem Genredurschnitt operierend locker ein Gros der Konkurrenz aus.

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