Power Trip – Precinct 3 / Scavenger

von am 14. Oktober 2026 in Single

Power Trip – Precinct 3 / Scavenger

Mit Seth Gilmore als neuen Sänger starten Power Trip in das Leben nach Riley Gale. Mit einem dritten Studioalbum vor Augen gelingt dieser anhand der zwei neuen Songs Precinct 3 und Scavenger bisweilen überraschend triumphal.

Und das, obwohl der lange hinausgezögerte und über ein paar sorgsame Live-Auftritte kultivierte Neustart neun Jahre nach Nightmare Logic trotz aller hoffnungsvolles Zuversicht mit einer immensen Erwartungshaltung konfrontiert sehen muss: einen der charismatischsten Frontmänner des Genres zu ersetzen ist freilich alleine schon eine Mammutsufgabe – ganz abgesehen davon, dass Manifest Decimation und sein 2017 alles noch besser machende Nachfolger die Messlatte ohnedies schon so hoch gelegt haben.
Die Band aus Texas, der mit Gilmore nun der Sänger von Skourge (bzw. durch seine Tätigkeiten bei Fugitive auch ein langjähriger Kollege von Power Trip-Gitarrist Blake Ibanez) vorsteht, ist jedoch smart genug, diesen Umstand bei ihrer Rückkehr von vornherein durch ein paar Feinjustierungen – wenn schon aufgrund überdeutlicher Verweise auf die eigene Vergangenheit hier und da nicht auszuhebeln, dann doch zumindest – zu untertauchen.

Wo die Vocals gar nicht wirklich versuchen Gales Fußstapfen auszufüllen, deutlich harscher ausgefallen sind und an Obituary erinnernd weniger auf catchy Hooks setzen, ist das Songwriting immer noch im Crossover verankert, visiert jedoch dennoch ein klassischeres Oldschool-Territorium im Thrash Metal an.
Was besonders im eröffnenden Precinct 3 bestechend gelingt. Flott galoppierend kloppt die A-Seite herrlich aggressiv, streut Gang Shouts und heulende Soli ein, macht progressiv schimmernd auf und dreht letztlich das moshende Pit-Ringelspiel. Wie hungrig und giftig Power Trip hier mit der Tür ins Haus fallen und gleichzeitig ihre Bandbreite demonstrieren, stemmt – um ein bisschen Understatement walten zu lassen! – die Ansprüche euphorisierend locker.

Das folgende Scavenger gibt sich danach abgeklärter und weniger spektakulär, ist aber eigentlich kaum schwächer. Im Midtempo-Groove rockend dreht die Nummer spätestens gegen Ende fett auf, ohne die erdige, griffige und keine übertriebene Heaviness bemühende Produktion auch nur einen Millimeter aufzublasen.
Die sieben (keineswegs mit der Vergangenheit brechenden, jedoch einen spürbaren Paradigmenwechsel anhebenden) Minuten haben also die Qualität, jedwede Bedenken über ein erdenklich schwieriges Comeback ansatzlos wegzufegen – da darf sogar ruhig Euphorie aufkommen, was Album Nummer 3 angeht.

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