Daughters – YWGWYW Demos
Die YWGWYW Demos sind in gewisser Weise sicher auch ein Testballon dafür, wie die Welt auf eine Rückkehr der Daughters reagieren würde. Mehr noch ist es aber ein beeindruckendes Zeitdokument, um die Entstehung des 2018er-Meisterwerks besser nachvollziehen zu können.
Nebenbei – und eigentlich: vor allem! – sind die versammelten 71 Minuten ein Demonstration der Klasse von Gitarrist Nick Sadler, der die 15 Tracks starke Compilation nicht nur in Eigenregie aus seinen Archiven zusammengetragen und in physisch limitierter Auflage vertrieben hat, sondern das Material auch im Alleingang komponiert und eingespielt zu haben scheint.
(Stichwort physisch: Der einzige Schönheitsfehler am Vinyl ist die Tatsache, dass die Platten in der Hülle versendet werden und diese dadurch zwangsläufig gebrochen ankommt. Was angesichts der horrenden Versandkosten natürlich besonders frustrierend ist.)
Auf die Präsenz von Frontmann Alexis Marshall verzichtend (und damit grundsätzlich weniger aggressiv und fordernd als die späteren finalen Studioversionen auftretend) funktionieren die YWGWYW Demos als rein instrumentale Ausgangslagen der späteren Songs eher wie ein Soundtrack, lassen aber natürlich gerade im direkten Vergleich so viele interessante Unterschiede entdecken.
Die apokalyptische-hymnischen Wälle am Ende von Long Road, No Turns (Demo) etwa, die fehlenden peitschenden Schläge in City Song (Demo) oder den dominanten Basslauf in Satan in the Wait (Demo), das ursprünglich eine traumwandelnd wogende Fantasie war. The Flammable Man (Demo) kloppt punkig und roh in einem diffusen Mix, der die Ohren wirr mit Ohrenschmerzen vor den Toren des irren Mathcore flackern lässt.
Das ruhiger erdachte Less Sex (Demo) lauert relaxt im Lounge-Krimi einer schwülen, tropikalen Nacht und schimmert reizvoll, wohingegen Daughter (Demo) still durch das Gruselkabinett tänzelt. Ocean Song (Demo) stellt seine postpunkigen Licks weiter heraus und Guest House (Demo) geht in dramatischen Fanfaren auf.
Das tonale Worldbuilding, das Sadler hier erschafft, ist wirklich außergewöhnlich – und eine tiefergehende Reise in die Welt von You Won’t Get What You Want.
Nachdem die YWGWYW Demos dem regulären Album soweit chronologisch folgend begleiten, widmet sich die Platte danach alternativen Realitäten.
Slicer (Demo) zeigt ein Outtake, in dem die Gitarre erstaunlich catchy und zugänglich den Post Hardcore mit anachronistischem Verfolgungsjagd-Feeling auflädt. Long Road, No Turns (Alt. Demo) ist eine von Wahnsinn und Manie befreite Quasi-Soft-Version, deren herrlich geil orgelnde Gitarren im Finale einfach nur staunen machen. Less Sex (First Demo) legt die Wurzeln der Nummer im dunklen Industrial frei und Ocean Song (Alt. Ending Demo) ist ein elektronisch verschrobenes Spiegelkabinett mit scharfen Reverb-Kanten, bevor The Reason They Hate Me (Alt. Demo) im Oldschool-Daughters zielloser und zerfahren mit Ideen spielt.
Was allesamt so interessant und spannend anzuhören ist, wie es stimmungsvoll fesselnd, reizvoll und faszinierend ist: Die YWGWYW Demos bereichern den Daughters-Kosmos essentiell; ganz egal ob retrospektiv, oder ob sie ihn wieder in Bewegung versetzen.

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