Purity Ring – Shrines

von am 29. Juli 2012 in Album

Purity Ring – Shrines

Die Hypemaschine rotiert seit über einem Jahr zu den Vorabsingles des Phänomens Purity Ring. Das dazugehörige erste Album fasst nun nicht nur zusammen, warum das so ist, sondern unterstreicht das Potential der beiden Jungspunde aus Kanada nocheinmal zusätzlich.

Nach bombastischen Singles wie dem unhaltbaren Quartett ‚Ungirthed‚, ‚Belispeak‚, ‚Obedear‚ und ‚Fineshrine‚ konnte man sich der Faszination, die das gemischtgeschlechtliche Duo Megan James (Gesang) und Corin Roddick (Instrumente) schwerlich entziehen. Das Auffangbecken ‚Shrines‚ zeigt nun anhand derer vier und weiterer sieben Songs nocheinmal nachdrücklich warum und hat Richtung und Linie dabei schon klar gewiesen bekommen. Purity Ring spielen gefinkeltes Verstecken mit Chillwave,  Synthieexperimenten und wilden Laptoparbeiten, haben Burial und The Knife gleichermaßen studiert und auch verstanden, dass Björk immer noch am besten ist, wenn sie verständlich bleibt, schwimmen deswegen hinter der ständig durchblitzenden kanadischen Landsfrau und Kollegin Grimes an die Oberfläche – aber noch mehr als das alles kaschieren hier zwei Jungspunde eher schlecht als recht umständlich umwerfende Popnummern.

Denn da kann Roddick noch so viele unterkühlte Beats gegeneinander driften lassen ,noch so viele geloopte Filter über die schiebenden R&B Nummern stülpen, Sounds übersteuern und wild zerschnipselnde Versatzstücke repetetiv zusammenstückeln: die mädchenhafte Feenstimme von Roddick schneidert diesen The Xx geschulten Songs mit mehr Fett derartig einnehmende Hooklines und Melodien auf den Leib, dass man sich der traumwandlerschen Faszination von Purity Ring kaum entziehen kann. Alles flimmert vor Augen, die clubtaugliche Atmosphäre zieht ätherisch in den Halbschlaf, ob man sich dazu lieber bewegen oder eindösen soll, darüber klären Purity Ring niemals restlos auf – drehen in ‚Cartographist‚ stattdessen die Regler soweit hinunter, bis die Tanzfläche in Zeitlupe pulsiert, machen ‚Saltkin‚ zur neonhell pumpenden Ballade im Stroboskop und zeigen gleich mit ‚Crawlersout‚ vorneweg, dass sie das Niveau der Singles spielend halten mögen.

Die klaren Strukturen bleiben dabei wie alles hier hinter einem nebulösen Schleier, Songtitel verstecken sich hinter Wortspielen. „Get a little closer, let fold/ Cut open my sternum and pull/ My little ribs around you/ Through arms, or maybe under, under you“ singt Roddick und tut dies dabei amouröser und zärtlicher, als das eigentlich zum Text passen möchte. Purity Ring verschanzen ihre atmosphärische Dichte dabei hinter einer ansatzlosen Sammlung an Hits und hartnäckig verschobenen Ohrwürmern jenseits des Synthie- und Electropops, erschöpfen sich in ihrer Stilvielfalt aber auch gerade wegen dem markanten Soundstempel, den sich die beiden Anfang Zwanzigjährigen verpasst haben, in einer vermeintlichen Sacjgasse – ohne das Korsett zu eng zu ziehen. 4AD hat damit wieder einmal den richtigen Riecher bewiesen, und auch wenn Purity Ring in den 38 Minuten nicht zwangsläufig in die Zukunft des Pop lauschen, malen sie sich die Gegenwart doch als ungemein kurzweilig-betörende Rundfahrt aus, ohne deren Ingredienzien am Ende des Jahres kaum ein Hit-Sampler von 2012 auskommen wird. Ob sich ‚Shrines‚ im Gesamten bis dahin so wacker hält wie seine Singlevorboten, darf man wohlwollend bezweifeln und trotzdem toll finden.

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