Quicksand – Bring On the Psychics

von am 28. Juli 2026 in Album

Quicksand – Bring On the Psychics

Quicksand haben auf dem dritten Album ihres dritten Lebens endgültig keinen Druck mehr und müssen wahrlich niemanden mehr etwas beweisen. Diesen Umstand nutzt Bring On the Psychics als Fokus.

Es fällt eigentlich kaum ins Gewicht, dass die Produktion von Jon Markson nicht ganz die Prägnanz der Arbeiten von Will Yip für Interiors (2017) und Distant Populations (201) auf den Punkt bringt, oder dass Bring On the Psychics um das minimale Quäntchen schwächer als sein direkter Vorgänger ausgefallen ist: Walter Schreifels, Alan Cage und Sergio Vega bewegen sich mit ihrem charakteristischen Post Hardcore nicht nur weiterhin scheinbar mühelos auf Referenzlevel-Niveau, sondern kochen ihren Sound diesmal auf unter eine halbe Stunde Spielzeit destilliert auch besonders kurzweilig und dynamisch straight ein.

Der nahtlos integrierte Split-Beitrag Supercollider gibt zwischen seinem Morello‘esken Bouncen und ausgewogener Ruhe sowohl strukturell als auch ästhetisch weite Strecken einer Platte vor, die sich wieder etwas weiter von den Rival Schools entfernt hat. Der Kontrast aus Schnell/Langsam diktiert vom heiser nach nach vorne attackierenden, dann wieder nickend auf der Bremse groovenden Doppel aus Get to it und Regenerate den (diesmal allgemein etwas formelhafter angelegten) Modus Operandi des Songwritings.
Das schmissige Agency klackert zum Einstieg heavier und wuchtiger pressend, ruft eine aggressive ASG-Attitüde hinaus und pflegt im Chorus die Einkehr. Das den Spannungsbogen knackig anziehende In Full Color gönnt sich ebenso einen bedächtigen Refrain.
Crystallize und das unaufgeregte Moving Forward brettert gediegen rockend mit einem latenten Queens of the Stone Age-Vibe am Gaspedal, die beiden tollen Standards Cool Guy und das Titelstück schließen den Kreis dahinter souverän.

Was der so zuverlässigen, immer mindestens sehr guten Platte entlang ihrer vielen Understatement-Highlights dabei ein bisschen abgeht, ist der begeisternde Überraschungseffekt, den Interiors und Distant Populations gerade im Ganzen entfachen konnten.
Vielleicht lassen die bis auf eine Ausnahme niemals die 3-Minuten-Marke erreichenden Kompositionen einfach zu wenig Raum für Wendungen und Herausforderungen, während man von Schreifels zugegeben emotional packendere Gesangslinien gewohnt ist? Wie gesagt: eigentlich egal!
Am besten ist Bring On the Psychics dennoch, wenn Quicksand die Intensität umpolen und auf eine puristische Reduktion setzen: Das gedrosselte Days You Run to ist melodisch und wehmütig zurückgenommen, betört sanft und weich, plätschert hinten raus luftig und klingt ein bisschen so, als hätten Slint ihre eigene Version von Ordinary World aufgenommen.
Was man außerdem nicht vergessen darf: nach dem Augenkrebs-erregenden Artwork vor fünf Jahren liefert die Band diesmal auch in Sachen Cover-Auswahl wieder absolut fehlerfrei ab.

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