Ratking – So It Goes

von am 13. April 2014 in Album

Ratking – So It Goes

Das Harlemer Hip-Hop-Trio Ratking inszeniert sich auf seinem Debütalbum als Bande futuristischer Soundtüftler mit den richtigen Vorbildern.

Most of these rappers now, they’re of a different generation/…/ Completely different from Biggie and Pac“ stellt Bandkumpel Raymond Mitchell gleich zu Beginn fest – nur um unmittelbar auzuzeigen dass Ratking ihre  Hausaufgaben sehr wohl gemacht haben: ihr Vorschusslorbeerenreiches Debüt bietet sich nicht feil, ist aus dem Underground heraus gebaut aber mit genug griffiger Sprengkraft ausgestattet um die Akzeptanz der Masse zu erfahren. ‚Remove Ya‚ greift die diskriminierte Wut von ‚Fuck The Police‚ („What’m I getting arrested for?/ For being a fuckin‘ mutt„) mit den Mitteln des seligen Def Jux auf; Szenegiganten wie The Diplomats, Wu Tang Clan (alleine die Shaolin-Samples in ‚Take‚) oder Death Grips haben Ratking nachhaltig geprägt.

Der 32 jährige Bandmethusalem und Beatbastler Sporting Life hat ein Faible für hynpnotisch verlinkte Samples und collagenartige Sounds, gespeist aus dem Fundus der New Yorker Underound- und Indiekultur: karg stolpernde Beats, blinkende Synthieschichten und kaleidoskopartige Avantgardemiasmen vermengen sich tranceartig mit den Upperclass Möglichkeiten der Studios von DJ Dog Dick und Just Blaze. Auf rein instrumentaler Sicht klingt ‚So it Goes‚ oft nach der bestmöglichen Entsprechung den Experimentalpop des Animal Collectives in einen sperrigen Rapkontext zu übertragen – überfrachtet und minimalistisch zugleich, wuchernd, aufregend anders: das zur Mitte hin seinen Gewand vollständig wechselnde ‚Snow Beach‚ bremst sein calypsoartiges Raggaeflair etwa kurzerhand gegen einen halluzinogen wabbernden Saxofonfieberwahn ein – muss man so auch erst einmal bringen.

Am Mikrofon zeichnen Bandkopf Patrick ‘Wiki’ Morales (die Schnittmenge aus dem jungen Eminem und einem noch jüngeren Zach DeLaRocha) und MC Hak (geprägt von den Rapskills des mittlerweile leider im Massenklimmbimm ersoffenen Dizzee Rascal und des Londoner Grime) in gestärkter Wechselwirkung eine nihilistische Sicht auf die Schattenseiten der Welt im Allgemeinen und New York im Speziellen: „The earth is fucked, the city is gone„. ‚So it Goes‚ setzt die Daumenschrauben mit der Lupe an, ist als pessimistische Chronik und dunkle Milieustudie zu hören: aufgehübscht oder geschönt wird anderswo, Wiki und Hak ziehen die Zügel über den oft ratlos hinterlassenden – überfordernden? – Intrumentalspuren mit überschäumender Energie eng. No-Bullshit Rap ohne Rücksicht auf Verluste. Eine schonungslose, radikale Platte, jedoch kein Terrorakt, sondern nach und nach durchaus einen fesselnden, entspannten Flow entfaltend.

Für handfeste Melodien und greifbare Hooks im letztendlich nicht ohne Längen auskommenden Geschehen sorgen die aufgefahrenen Gäste: King Krule macht aus ‚So Sick Stories‚ praktisch im Alleingang einen catchy Hookline-Ohrwurm im Dämmerzustand; ‚Puerto Rican Judo‚ mit Wavy Spice wird zur pumpenden 90er Reminiszez an Dub, Drum and Bass und Dancehall; und das zweigeteilte‘Take‚ featured Salomon Faye auf dem langen Weg von harter, unruhiger Psychedelik zu einem versöhnlich driftenden Soulversatzstück.
Die Entwicklung der Kombo seit der ‚Wiki93‚-EP ist damit eine beachtliche. Zwar hinterlässt ‚So it Goes‚ immer noch mit dem Gefühl nicht das volle (weil: immense) Potential von Ratking optimal auf den Punkt zu bringen. Allerdings werden hier die Weichen gestellt um die Erwartungshaltungen zu stemmen, die viele vergeblich in Odd Future und Pro Era setzten. Am Ende des Jahres wird ‚So it Goes‚ deswegen verdientermaßen nicht nur in genrespezifischen Listen auftauchen.

07
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