Rufus Wainwright – Out of The Game

von am 26. April 2012 in Album

Rufus Wainwright – Out of The Game

Raus ist Rufus Wainwright höchstens aus dem stickig werdenden Opernpomp, den exzentrischen E-Musik Anleihen. Keine Shakespeare-Sonette mehr, der Gay Messiah hat zurück in den Pop gefunden.

Da hat Retromeisterproduzent Mark Ronson ganze Arbeit geleistet, als er dem nach ausladenden Gesten nur so lechzenden Stimmwunder aus der Musikerdynastie die Flügel gestutzt hat. Als er Wainwright die eigene Backingband ausredete und stattdessen die Amy Winehouse erprobten Dap-Kings antanzen ließ, Sean Lennon, Yeah Yeah Yeahs Allroundgitarrist Nick Zinner und Wilcos ureigenes Genie Nels Cline auf ein Gastspiel herbei rief, dazu sogar das Klavierspiel in fremde – Victor Axelrods – Hände übertrug. An Mikro reagiert Wainwright darauf, indem er songdienlicher intoniert, als er es seit Ewigkeiten getan hat, vielleicht jemals getan hat. Von einer neuen Zurückhaltung in dessen Soundgewandt zu sprechen, ist da ebenso richtig, wie es genauso falsch  wäre, denn hier jubilieren noch immer Saxofone und sonstige Blechblasinstrumente, breite Streicherarrangements feiern sich selbst, da heult viel blutender Soul und größenwahnsinniger R&B. ‚Barbara‚ wagt sich gar  in den schwelgenden Funk und am Ende von ‚Candles‚ holen der exaltierte Paradiesvogel und sein kongenialer Partner Marschschlagzeug und Dudelsack mit ins Boot. Over the Top eigentlich, doch dosiert Ronson die Ingredenzien der meist gemächlichen Songs wohlüberlegt und mit feinem Händchen für Nuancen in zeitloser Szenerie. Damit macht er das Schaffen von Rufus Wainwright mit einem Handstreich soviel kompakter, nachvollziehbarer und ja, vor allen auch schlicht unterhaltsamer, als man das nach zwei erschöpfenden Livealben inklusive mehrstündiger Judy Grland Verneigung, einem in anderen Sphären schwebenden Klagegesang am Piano und der erschlagenden, 19 teiligen Regtospektive noch für möglich gehalten hätte.

Der Wainwright bleibt selbstredend der schillernde, sympathisch präsentierende Pfau im strahlenden Gewandt, der seine Songs eben schlicht in anderen Dimensionen denkt als andere Musiker das tun. Nur ist groß diesmal einfach mal groß genug – aus den Opern dieser Welt auf die Bühnen der Konzertsäle. Anderswo kann und will man sich Stücke wie das ausladende ‚Montauk‚ gar nicht vorstellen. Dafür darf der sexy groovener Tanzflächenpopper ‚Perfect Man‚ durchaus im durch sommerlichen Gefilde brausenden Auto tönen, der Titelsong in seiner souligen Beschwingtheit geradezu entspannt becircen. Letztendlich klingt ‚Out of the Game‚ eben genau wie die Platte eines Mannes klingen muß, der den Tod der eigenen Mutter endlich überwunden hat, seinen deutschen Lebensgefährten demnächst ehelichen wird und mit Leonard Cohens Tochter den zur Ehe passenden Nachwuchs gezeugt hat.

Vom „poppigsten Album, dass er je aufgenommen habe“ spricht Wainwright – das kann man so stehen lassen. Ihm gegenüber posaunt Ronson über „das beste, was dieser bis dato gemacht habe“ – was man dann nicht unterschreiben muß, kann man aber auch schlecht einen Streit darüber vom Zaun brechen. Würde aber auch nicht passen zu diesem würdevollen Akt der eingängigen Grazie. Also lieber von der Hymnik, dem Pathos, dem Drama, der Eleganz, dem galanten Bombast, den Ohrwürmern in den Arm nehmen statt sich wie in jüngster Zeit davon erschlagen lassen. Und darüber staunen wie gut dem Ausnahmesänger diese Form der Zurückhaltung doch steht. „I’m out of the game /I’ve been out for a long time now“ heißt es gleich zu Beginn dieses Reigens des (Wieder-)Ankommens. Dass Wainwright seine Punkte natürlich weiterhin in seiner ganz eigenen Liga einfährt, ist ein anderes Kapitel im Buch der zeitlosen Popmusik.

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