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Nur vier Alben haben 2019 in der Wertungsskala zumindest die 9-Punkte-Marke geknackt. Dass gleich drei davon von Solokünstlerinnen stammen ist durchaus symptomatisch: Gefühltermaßen war kein anderer Jahrgang dieser Dekade derart massiv von weiblich geprägten Veröffentlichungen dominiert - was sich nun natürlich auch in den Jahrescharts widerspiegelt. Letztendlich ist es aber freilich egal wer hinter den folgenden Alben steckt - jedes ist explizit empfehlenswert und essentiell für die Qualität der vergangenen 12 Monate.
Was für ein Line-Up: Die Szene-Schwergewichter Deafheaven, Touché Amoré und Portrayal of Guilt zeigen in der Arena, dass die ambivalent scheinende Schnittmenge aus hymnischem Blackgaze, Melodic Hardcore und unberechenbarem Tretmienen-Screamo doch zu einem stimmigen Ganzen führt.
Vier Songs sind aus den Sessions zu dem vielumjubelten Zweitwerk Joy as an Act of Resistance übrig geblieben. Zu gut, um sie unter den Tisch zu kehren, erscheinen sie nun jeweils im Doppelpack serviert als Standalone-Singles. Den Anfang machen Mercedes Marxist und I Dream Guillotine.
Kameron Bogges lässt abstruse Kompensationshandlungen in Form von Konzeptalben über das Backen von Bananenbrot und andere Parodien als Four Hoove Death Pig hinter sich: Unter dem neuen Alias An Isolated Mind stellt er sich auf I'm Losing Myself seinen psychischen Problemen.
Miguel Jontel Pimentel hat nach seinem Oscar-prämierten Duet Remember Me mehrmals prolongiert, seine spanischsprachigen Wurzeln ergründen zu wollen. Die Latino-EP Te Lo Dije ist ein erster Ansatz dazu - allerdings ein leidlich inspirierter, zumindest zu zaghaft ausgeführter.
Rosetta bewegen den EP-Appendix Sower of Wind thematisch in alle vier Himmelsrichtungen, orientieren sich dabei aber stilistisch an den grenzenlosen Weiten des Ambient-Space als sehnsüchtig entfernten Referenzpunkt.
Der Pool an Platten, die für die Heavy Pop Best of 2018-Liste in Frage kamen, war in diesem Jahr mehr als doppelt so lange wie 2017. Die traditionellen Honorable Mentions fallen deswegen auch weniger obskur aus dem Spektrum der restlichen Top 50, als dass sie diesmal expliziter als sonst bereits als verlängerter Arm der Charts verstanden werden dürfen: Falsch macht man mit diesen 15 hervorragenden Alben jedenfalls definitiv nichts, sie seien jedem ans Herz gelegt!
Man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen - bei Touché Amoré tun dies das zehnjährige Bühnenjubiläum sowie die Show, die die Grenze zum vierstelligem Zähler durchbricht, geradezu perfekt aufeinander abgestimmt am selben Abend. Wer zu diesem besonderen Ereignis nicht anwesend sein konnte, der darf sich nun zumindest ein mehr oder minder makelloses Dokument des Konzerts am 16. Februar im Regent Theatre von Los Angeles ins Regal stellen.
Leidenschaftlich bollernde Katharsis in neun verstörenden Akten samt Drum-Feuerwerk unterm Hintern: Bosse-De-Nage verzweifeln in Form von Further Still bereits zum offiziell vierten Mal an der emotionalen Schönheit ihres kraftvollen Post-Black Metal-Amalgams.
Die angedachte Zusammenarbeit von Iggy Pop und Underworld hat es letztendlich nicht geschafft, auf Trainspotting 2 aufzuspringen. Dafür ist sich mit Teatime Dub Encounters gleich eine ganze EP ausgegangen.


![Deafheaven, Touché Amoré, Portrayal of Guilt [20.09.2019: Arena, Wien] Deafheaven, Touché Amoré, Portrayal of Guilt [20.09.2019: Arena, Wien]](https://i0.wp.com/www.heavypop.at/wp-content/uploads/2019/09/DS4A8005-e1569170789467.jpg?resize=205%2C205&ssl=1)







