Secret Machines – Allaire Sessions

von am 19. Februar 2019 in Compilation, EP

Secret Machines – Allaire Sessions

Simultan zur Neuauflage des dreizehnjährigen Jubiläums von Ten Silver Drops veröffentlichen Secret Machines mit den Allaire Sessions auch B-Seiten und Raritäten des (gefühltermaßen finalen) Bandalbums.

Eben jenes Zweitwerk ist, wie sich heute mit etwas nostalgischer Distanz feststellen lässt, überraschend gut gealtert und sogar gewachsen, war allerdings zumindest bei seinem Erscheinen 2006 doch eine mittelschwere Enttäuschung: Das überragende Debüt Now Here is Nowhere hatte als Instant-Meisterprüfung in Sachen Space Rock mit Led Zeppelin-Tendenzen eben gewaltig vorgelegt. Ein Schatten, in dem Ten Silver Drops trotz eines Hits wie Lightning Blue Eyes umso verkrampfter wirkte, zu bemüht agierte.
Dass es auch anders kommen hätte können, zeigen nun die 38 Minuten der Archivöffnung unter dem Banner Allaire Sessions, die wie weite Teilen des großen Albumbruders stets vage bleiben, Konturen nie mit dem restlos packenden Fokus schärfen, aber dabei phasenweise auch eher ungezwungen als beliebig in der Luft schweben lassen. Schleifen lassen, anstatt verbissen zu klammern oder ziellos zu mäandern. Vielleicht genau die elementare Lockerheit jedenfalls, die dem letztendlich versöhnlichen Grower Ten Silver Drops bisweilen abging.

Ungeachtet dessen weiß das Material der Allaire Sessions auch für sich stehend als autarkes Ganzes absolut zu überzeugen, in seinem homogenen, schlüssigen Fluss wie anhand sechs wunderbarer Song-Kleinode. Der wellenförmig hypnotisierende Kickdrum-Groove von Daddy’s in the Doldrums in der Alternate Version ist immer noch maschinell repetitiv, nichtsdestotrotz sanfter. Die Gitarre perlt bluesiger, wodurch der psychedelisch trippige Fluss weicher, melodiöser und harmonischer funktioniert, als das kantigere Original. Wenn das Finale nach subtil unterfütterten Chören zum Math oszillierend verklingt, wirkt das insofern erstaunlich mühelos.
Ebenso selbstverständlich breitet sich der Trance-Rhythmus von Another Minute Standing Still unter den nautischen Space-Texturen und einer feinen Melodie aus, die Brandon Curtis gesanglich immer wieder aus der Komfortzone auszuhebeln scheint. Der Refrain deutet die Hymne an, wirkt aber inkonsequent nicht das volle Potenzial ausschöpfend, eben symptomatisch unfertig und nicht ganz zu Ende gedacht. In Everything is Free skizzieren Secret Machines dagegen minimalistisch köchelnd eine leidenschaftliche Aufbruchstimmung, die sich letztendlich getragen und sorgsam sinnierend in Gang setzt: Ein wunderbar melancholisch träumendes Ambiente wächst.

Solar Bloodlines ballert eine monoton-hämmernde Distortion-Drummachine elegisch über ein sphärisches Klangmeer von klassischer, anachronistisch-retrofuturistischer Blade Runner-Imagination, forciert einen versöhnlichen Sunshine-Fiebertraum zwischen Ambient und Industrial.
Dem gegenüber präsentiert sich die Acoustic Version von I Want to Know If it‘s Still Possible als rauchige Ballade aus der Zeitkapsel mit tiefem Moll-Piano, leise gezupfter Gitarre und flanierendem Akkordeon. Untypisch, aber märchenhaft verführend und organisch nachhaltiger geprägt als das schon so starke Original.
Mehr noch gelingt mit Angel in Love With Her Own Wings jedoch ein Schulterschluss, der die Stimmung des letzten Drittels von Ten Silver Drops an die Ursprünge der Band heranführt. Wahlweise tröstend oder traurig beschließt eine schreitende Glanztat die Allaire Sessions, indem sie den Bogen zum Debüt mit physisch akkuratem Stoizismus und freischwebender Weite darüber spannt, in die man sich verlieren kann: Mit erhebenden Songs wie diesen haben die Secret Machines seinerzeit an der Hand genommen und in einen unendlichen Äther geführt – so formvollendet, wie das nach Now Here is Nowhere in dieser Generation niemand sonst, auch die Band selbst nicht mehr, schaffte.
Insofern sind die Allaire Sessions sogar ein essentiellere Teil für Vermächtnis (?) der Secret Machines, als das tatsächlich mediokre, selbstbetitelte dritte Studioalbum, das nach dem Weggang des (mittlerweile verstorbenen) Benjamin Curtis zu School of Seven Bells und vor dem Engagement seines Bruders Brandon bei unter anderem Interpol, 2008 noch entstanden ist – und bis heute doch einen etwas unwürdigen Mehr-oder-Minder-Schwanengesang darstellt.

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