The Antlers – Undersea

von am 26. Juli 2012 in EP, Heavy Rotation

The Antlers – Undersea

The Antlers sind mittlerweile in Tiefen angekommen, wo nur noch wenig durch die Oberfläche dringendes Licht hinreicht. Viermal verfangen sie sich in beispiellos traumhafter Melancholie, die nur wenig mit den Indie Rock Wurzeln der drei Brooklyner zu tun hat -höchstens am Meeresgrund gehört.

Im gefühltermaßen tatsächlich schier endlos, wahrhaftig jedoch „nur“ knapp neun Minuten vor sich herkletternden ‚Endless Ladder‚, schieben The Antlers eher einen eigenen Fiebertraum von Slowcore vor sich her, inszenieren diesen in seine Melodie- und Melancholiesucht allerdings derart unaufgeregt und entspannt, niemals wirklich fassbar und auch entrückt, dass Vergleiche ohnedies schwer zu finden sind. In Peter Silbermans Kopfstimme schwirrt natürlich immer noch Jeff Buckleys Erbe mit, doch selbst die wieder beinahe -relativ – konkret geratene Hitsammlung ‚Burst Apart‚ erscheint plötzlich wieder weiter weg, der Weg hin zum kurz vor der Selbstaufgabe schwelgenden ‚Hospice‚ ist der kürzere.

Was der todtraurigen Elegie von 2009 das Krankenhaus war, ist ‚Undersea‚ der Ozean: inszenatorisch erdachter Handlungsort und Spiegelbild. Die 23 Minuten entfalten sich dementsprechend weitläufig, gar endlos, nehmen sich viel Raum und Zeit, treiben ausladend durch Schwälle aus schüchternen Drums und zaghaft perlenden Gitarren, Darby Cicci zaubert seine verträumte Trompete prominent in den Vordergrund, zum prägenden und leitenden Leitmotiv von ‚Undersea‚. Unter anderen Umständen wäre ‚Drift Drive‚ ein Hit geworden, dazu wird er um seine einnehmende Melodie dann aber doch zu niedergeschlagen und deprimiert gespielt, schlängelt sich schwer durch seine Molldichte, die Weiterführung und Konkretisierung vom letztjährigen ‚Tongue Tied‚.

Crest‚ ist dagegen ein beinahe aufgeweckter Schunkler im Jazzzwilicht, freilich mit zu vielen Tränen zwischen den sparsamen Effekten, um wirklich aufgedreht zu sein. Dem endgültigen Trauerblues geben sich die drei New Yorker im schlapfenden ‚Zelda‚ hin, arbeiten dezente Elektronik in einen schwerfällig tänzelnden Kloß im Hals ein, vollenden ein durch und durch stimmiges kleines Gesamtkunstwerk in Formvollendung. Hätten Silbermann und seine Band hieran noch weitere Songs, wäre daraus das potentiell markerschütterndste, leiseste The Antlers Album entstehen können, so aber schüren sie die Erwartungshaltungen für den ‚Burst Apart‚-Nachfolger ins Unermessliche. Das Trio  verschwendet jedenfalls keine Zeit und knüpft ihre beängstigend eindringliche Veröffentlichungsliste nahtlos weiter, schaffen mit ‚Undersea‚ wohl auch, was viele bereits vom unter falschen Erwartungshaltungen knieenden ‚(together)‚ einforderten, die Ankündigung eines neuerlichen Zenits der eigenen Schaffenkraft.

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  • The Antlers - Familiars - HeavyPop.at - […] Antlers schlüpfen nahezu formvollendet aus dem Kokon den sie mit ‚Undersea‚ zu spinnen begonnen haben, um als traumhaft schwelgende…

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