Tomoki Miyoshi – I am Setsuna

von am 3. August 2016 in Soundtrack

Tomoki Miyoshi – I am Setsuna

Mit I am Setsuna hat Square-Enix ein zutiefst anachronistisches, assoziativ verankertes RPG vorgelegt, das unumwunden auf Genreklassiker wie Saga Frontier 2 verweist. Kompositions-Senkrechtstarter Tomoki Miyoshi lässt den dazugehörigen Piano-Soundtrack folgerichtig also nicht weniger referentiell durch melancholische Schneelandschaften streifen.

Wenn man den auf 71 Tracks verteilten zweieinhalb Stunden Musik etwas vorwerfen muss, dann dass viele der schönsten Momente hier – Loss, Tender Glow, Into the Woods, Waves of Hope, Hidden Intentions oder andere Highlights – inmitten einer auf Dauer zu gleichfömigen Masse gar zu unumwunden auf Arbeiten von Miyoshi’s Idolen wie Joe Hisaishi oder Ryuichi Sakamoto verweisen: Zahlreiche Melodien und Harmonien von I am Setsuna evozieren Déjà-vus, die vage bis frappant an Soundtrack-Arbeiten wie Kikujiros Sommer, Prinzessin Mononoke oder Interpretationen ala Playing the Piano gemahnen.
Die Fußstapfen dieser Legenden sind Mioshy freilich (noch?) zu groß, wobei sich derartig aufdrängende Vergleiche ohnedies relativieren. Zum einen ist der in Boston lebende Japaner 6 Jahre seit seinem Game-Score-Debüt für Soul Calibur V zwar schon so etwas wie ein alter Hase – mit gerade einmal 22 Jahren aber immer noch ein absoluter Jungspund am Beginn seiner Karriere, der sein beachtliches Talent und Können auch anhand von I am Setsuna mit eindrucksvoller Leichtigkeit vorführt: Man kann sich in die sehnsüchtigen  Landschaften dieser ätherisch fließenden Klangreise mühelos träumend verlieren, selbst ohne die Bilder des dazugehörigen Spiels vor Augen zu haben.

I am Setsuna entfaltet seine eindringliche Atmosphäre mit feingliedriger Eleganz, malt Stimmungen auch ohne weitere multimediale  Verankerung und für sich alleine stehend mit imaginativer Reichhaltigkeit, lässt seine emotionale Dichte mit meisterhafter Hand einwirken. Nur selten dirigiert Miyoshi die von Score-Veteran Randy Kerber (Forrest Gump, Titanic) eingespielten Kompositionen dabei über die Hoheitsgebiete des sanftmütig perlenden Pianos hinaus – in No Turning Back sorgt etwa ein sanfter Besenschlag für einen federleichtem Zug nach vorne, das stressig marschierende Relentless Advance protzt mit rhythmisch getriebener Casino-Kampf-Stimmung und A Fantastic Encounter nutzt das dezente Schlagzeugspiel für eine achterbahnartige Dramatik.
Ansonsten variiert Myoshi die Bandbreite trotz wenig variablem Instrumentarium: Auf das schwermütige The Savage Coast folgt nahtlos das ausgelassen marschierende March of the Brave, The Secret Paassage erinnert an die lichtesten Momente des unsterblichen Vagrant Story. Vor allem aber ist das alles zwar nostalgisch und melancholisch, aber absolut nicht so schwermütig, wie es das winterliche Setting vermuten ließe.
Dass I am Setsuna in seiner ausführlichen Spielzeit ohnedies mit ausgeschaltetem Zeitgefühl verzaubert, verschleiert dann auch gekonnt, dass Myoshi doch auch immer wieder zu wohltuend schönklingendem Mäandern neigt, die wirklich überragenden Szenen dieses Soundtracks in destillierter Form wohl einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen und einige zusätzliche Schattierungen und Straffungen den bisweilen monoton werdenden Fokus zusätzlich geschärft hätten. Dem schwelgend durch den Schnee reisenden Kopfkino ist das freilich beinahe egal.

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