Travis – Where You Stand

von am 25. August 2013 in Album

Travis – Where You Stand

5 Jahre Pause haben den Schotten gut getan und die einst herzigste Poprockband des Planeten wieder zurück in die Spur gebracht: Mit knapp einem Dutzend Songs, das im Notfall wohl tatsächlich vollständig als Single-Sammelsurium ohne Evergreen-Anspruch herhalten könnten.

Where You Stand‚ ist nicht wie vielerorts kundgetan das beste Album der Schotten seit ‚The Invisible Band‚. Die – kann man es anders sagen? – zeitlose Magie, die eben das 2001er Manifest, mehr noch seinen 2 Jahre älteren Vorgänger ‚The Man Who‘ und eben auch das grandiose ’12 Memories‚ auszeichnete, sie fehlt dem siebenten Werk der Schotten um den ergrauten Chefknuddler Fran Healy dann doch. Allerdings kompensieren Travis diesem Mangel anders als auf dem weitestgehend hilflosen ‚The Boy with No Name‚ und dem durchwegs bemühten ‚Ode to J. Smith‚ diesmal mit Melodien, die wie Wärmflaschen in kalten Nächten oder Umarmungen gegen die Einsamkeit wirken: Travis schreiben wieder große, wohlige Popsongs mit kleinen, berührenden Gesten, und so einnehmend, wie sie derart unschuldig uns massentauglich eben kaum jemand sonst zustande bringt – aber endlich muß das wieder nicht mehr nur von der Grundsymphathie getragen werden , die man der Band zu jedem Zeitpunkt entgegenbringen konnte.

Auch merkt man ‚Where You Stand‚ die Blutauffrischung in Form der Wachablöse von Fran Healy als alleinigen Hauptsongwriter an. Die Vorabsingles in Form des beinahe beiläufig (aber im Albumkontext deutlich besser) funktionierenden Titelsongs und des weltumarmenden Dramas ‚Moving‚ etwa schleichen sich mit aller Unbeschwertheit als weitestgehend geistige Kinder von Bassist Dougie Payne hinterrücks aus der vermeintlichen Belanglosigkeit in die Gehörgänge, während die freundschaftliche Konkurrenz Healy selbst zu kleinen Wagnissen wie dem mit federleicht hämmerndem Piano tänzelnden Singalong-Shuffle ‚New Shoes‚ motiviert, ‚Warning Sign‚ mit weihevollen Chören zum bodenständigen Stadion-Gospel von nebenan macht, oder die pfeifende Wohltat ‚Reminder‚ in aller seiner bittersüßen Melancholie mit Tränen, Lächeln und sanftem Beat gleichermaßen vorantreibt.

In allgemeiner Zusammenarbeit entstehen im zweiten Frühling der Band dann Songs wie das überragende ‚Mother‚, ein musikalischer Sonnenaufgang voller Optimismus, Tatendrang und Aufbruchstimmung, die vor Beach Boys-Harmonien zu Recht fragt: „Why did we wait so long?„; die behutsam perlende Träumerei ‚Boxes‚ oder das beinahe progressiv als digitales Rhythmusstück galoppierende ‚Another Guy‚. Dass Produzent Michael Ilbert neben einigen professionellen Griffen ins Klo auch schon den Cardigans zur Seite stand, hört man dabei nicht nur ‚On My Wall‚ oder der an frühen Radiohead geschulten, abschließenden Pianoballade ‚On the Big Screen‚ an.
Allesamt sind dies kurzweilige Ausblicke auf die potentiellen Pop- und Rock-Charts einer friedvolleren Welt, mit denen Travis nicht nur andeuten, sich wieder zurück zur alten Form kämpfen zu können. ‚Where You Stand‚ knüpft im runden Ganzen dort an, wo Travis mit dem ewig unterschätzten ‚12 Memories‚ den Faden verloren haben. Auch wenn den Schotten damit nicht das „beste Album seit ‚The Invisible Band‚“ gelingt: das beste Album der Band seit gut einem Jahrzehnt ist auch durchaus mehr als ein reiner Achtungserfolg.

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  • Travis - Everything At Once - HeavyPop.at - […] unsterbliche Radiohits und Killersingles mit dem altbekannten Klassikerpotential hat Where You Stand 2013 letztendlich keine für Travis abgeworfen, aus…

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